Politik

„Air Defender“ 2023: Größtes Luftwaffen-Manöver in der NATO-Geschichte hat begonnen

250 Flugzeuge, fast 10 000 Soldaten aus 25 Ländern: Eine so große Luftwaffenübung der NATO gab es noch nie. Simuliert wird der Überfall auf Deutschland durch einen „Feind aus dem Osten“. Wie stark der zivile Luftverkehr davon beeinträchtigt wird, ist noch unklar.
12.06.2023 15:38
Lesezeit: 2 min
„Air Defender“ 2023: Größtes Luftwaffen-Manöver in der NATO-Geschichte hat begonnen
Ein Airbus A400M der Luftwaffe mit Logo des internationalen Luftwaffen-Manövers "Air Defender 2023" steht am Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Die größte Luftwaffenübung seit Bestehen der NATO hat begonnen. Gegen 8.00 Uhr startete am Montagmorgen ein Bundeswehr-Transportflugzeug vom Typ A400M vom niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf und läutete das Manöver „Air Defender 2023“ ein. Zwei Stunden später folgte nach Angaben der Deutschen Luftwaffe der erste Kampfjet: Eine F-18 hob vom Fliegerhorst Hohn in Schleswig-Holstein ab.

„Air Defender“: 10.000 Soldaten nehmen teil

An dem Manöver unter deutscher Führung nehmen bis zum 23. Juni 25 Nationen teil – vor allem NATO-Mitgliedstaaten. Nach Angaben der Bundeswehr sind rund 10 000 Soldaten und 250 Flugzeuge beteiligt, darunter 70 Maschinen aus Deutschland. 2000 Flüge sind an den zehn Übungstagen geplant.

Schon 2018 begann die Planung des Manövers – also nach der russischen Annexion der Krim, aber deutlich vor dem Krieg Russlands gegen die gesamte Ukraine. Geübt wird die Verteidigung Deutschlands gegen den Angriff eines fiktiven östlichen Bündnisses. Die sogenannte OCCASUS-Allianz versucht den Rostocker Hafen in Besitz zu nehmen und nutzt dabei auch Sabotageaktionen und den Einsatz von Spezialkräften, die aus der Luft unterstützt werden.

Luftwaffen-Chef: „Keine Flüge nach Kaliningrad“

Es gehe bei dem Manöver vor allem darum, sich selbst die Verteidigungsfähigkeit zu beweisen, sagte der Chef der Deutschen Luftwaffe, Ingo Gerhartz, am Montagmorgen im Inforadio des RBB. Eine Provokation Russlands soll dabei vermieden werden. „Wir tun alles, damit es nicht eskalierend wirkt“, sagte der Generalleutnant. Als Beispiel fügte er hinzu: „Wir werden keine Flüge in Richtung Kaliningrad unternehmen.“ Kaliningrad ist eine russische Exklave an der Ostsee, die zwischen Litauen und Polen liegt.

US-Botschafterin Amy Gutmann hatte vor wenigen Tagen allerdings deutlich gemacht, dass die Übung auch ein Signal der Stärke nach außen senden soll - auch an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Es würde mich sehr wundern, wenn irgendein Staatsoberhaupt der Welt nicht zur Kenntnis nehmen würde, was dies (das Manöver) in Bezug auf den Geist dieses Bündnisses, das heißt die Stärke dieses Bündnisses, zeigt. Und das schließt Herrn Putin ein.“

Dass Deutschland diese Übung leitet, liegt laut Gerhartz zum einen an der zentralen Lage in Europa. Andererseits gebe es auch eine gewisse Erwartungshaltung an Deutschland in der NATO. „Wir zeigen, dass wir Verantwortung übernehmen. Wir zeigen, dass wir etwas in die Hand nehmen.“

Flughafen Frankfurt: „Keine spürbaren Auswirkungen“

Der Luftwaffeninspekteur geht weiterhin davon aus, dass es zu keinen größeren Beeinträchtigungen des zivilen Luftverkehrs kommen wird. Die Fluglotsengewerkschaft GdF hatte eine andere Prognose aufgestellt. Die Militärübung „wird natürlich massive Auswirkungen auf den Ablauf der zivilen Luftfahrt haben“, sagte ihr Vorsitzender Matthias Maas.

In den ersten Stunden wurden noch keine Einschränkungen bekannt. Der größte Flughafen Deutschlands in Frankfurt am Main teilte am Montagvormittag mit, es gebe keine „spürbaren Auswirkungen“. „Der Betrieb läuft normal“, sagte ein Sprecherin der Betreibergesellschaft Fraport.

Von der Übung sind drei Lufträume in Deutschland direkt betroffen: über Teilen Norddeutschlands und der Nordsee, Teilen Ostdeutschlands und der Ostsee sowie Teilen Südwestdeutschlands.

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