Finanzen

Bank of England schockiert die Märkte mit großem Zinsschritt

Die Bank of England schockiert die Märkte mit einer unerwartet starken Anhebung der Zinssätze auf den höchsten Stand seit 2008. Sie kämpft gegen die anhaltend hohe Inflation.
22.06.2023 15:17
Aktualisiert: 22.06.2023 15:17
Lesezeit: 2 min

Die britische Notenbank forciert ihr Tempo bei der Bekämpfung der Inflation mit einer überraschend kräftigen Zinserhöhung. Der Leitzins stieg am Donnerstag um einen halben Punkt auf 5,0 Prozent - das höchste Niveau seit 2008. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einen viertel Punkt gerechnet. Es war bereits der 13. Schritt nach oben in Folge. Die Währungshüter halten sich zugleich für eine Fortsetzung des geldpolitischen Eilmarschs bereit.

Die Bank von England (BoE) versucht seit gut anderthalb Jahren, die alarmierend hohe Teuerung auf der Insel einzudämmen. Mit mäßigem Erfolg: Die Inflationsrate verharrte zuletzt überraschend bei 8,7 Prozent, der höchste Wert unter den großen westlichen Industrieländern. BoE-Chef Andrew Bailey machte deutlich, dass der Preisdruck noch zu hoch sei. Die geldpolitische Entscheidung sei mit Weitsicht getroffen worden: "Wenn wir die Zinsen jetzt nicht erhöhen, könnte es später noch schlimmer kommen", warnte er nach der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (MPC), in der erneut die Mitglieder Silvana Tenreyro und Swati Dhingra gegen eine Erhöhung votiert hatten.

Gary Smith vom Vermögensverwalter Evelyn Partners in London sprach mit Blick auf die kraftvolle Zinserhöhung von einer "großen Bazooka". Wegen der hartnäckigen Inflation werde die Notenbank weiter Gewehr bei Fuß stehen, so viele Experten: "Ein Zinsschritt auf der nächsten Sitzung ist damit in Reichweite", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg verweist auf das Statement der Notenbank, das ebenfalls in diese Richtung weise: "Laut MPC würden die jüngsten Daten auf einen anhaltenden Inflationsprozess hinweisen. Sollte der Inflationsdruck anhaltend hoch bleiben, sei eine weitere Straffung der Geldpolitik erforderlich."

REGIERUNG GIBT RÜCKENDECKUNG

Die Regierung übte den Schulterschluss mit der Notenbank: Ein Sprecher von Premierminister Rishi Sunak betonte, die BoE könne weiter mit der Unterstützung der Regierung rechnen. Es könne kein hohes Wachstum bei gleichzeitig hoher Inflation geben. Auch Finanzminister Jeremy Hunt stieß ins gleiche Horn: Die hartnäckige Bekämpfung der Inflation müsse unmittelbare Priorität haben. Die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten, die an der Kaufkraft der Bürger nagen, sind eine soziale Bürde für das EU-Aussteigerland. Es kehrte am 23. Juni 2016 der EU im Brexit-Referendum den Rücken. Anfang 2020 wurde der Austritt dann vollzogen. Die hohe Inflation ist auch ein Problem für den konservativen Regierungschef Sunak. Er hat versprochen, die Teuerungsrate im Jahresverlauf zu halbieren. Im kommenden Jahr stehen in Großbritannien Wahlen an.

Notenbank-Chef Bailey warnte jüngst, dass es voraussichtlich viel länger als erwartet dauern werde, die Inflation unter Kontrolle zu bringen. Die sogenannte Kerninflationsrate - bei der die schwankenden Energie-, Lebensmittel- und Tabakpreise ausgeklammert werden - stieg im Mai sogar: Sie kletterte auf 7,1 Prozent, nachdem sie im April auf 6,8 Prozent gesunken war.

Nach Ansicht von Ökonom Dirk Chlench von der LBBW dürfte das Ende der Fahnenstange bei den Zinserhöhungen noch nicht erreicht sein: "Viele Kapitalmarktteilnehmer gehen davon aus, dass die BoE ihren Erhöhungskurs erst bei einem Leitzins von sechs Prozent beenden wird. Diese Spekulationen erscheinen uns indes etwas überzogen", fügte er hinzu.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Teure Autos, teure Reparaturen: Neue Typklassen in der Kfz-Versicherung
01.10.2026

Bei teuren Autos kosten auch die Reparaturen mehr. Das spiegelt sich in den Typklassen wider. Am günstigsten sind historische Kleinwagen,...

DWN
Technologie
Technologie Er war Spitzenmanager bei der NATO, jetzt hat er zehn Milliarden Euro für eine entscheidende Aufgabe bekommen
01.10.2026

Europa besitzt nur einen Bruchteil der weltweiten KI-Rechenleistung und liegt bei führenden Modellen weit hinter den USA und China. Nun...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet September uneinheitlich
30.09.2026

Ein turbulenter Monat geht zu Ende – erfahren Sie, welche Dynamiken jetzt die Kurse an der Wall Street bestimmen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
30.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
30.09.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Politik
Politik Innere Sicherheit: Innenministerkonferenz beschließt nicht mehr einstimmig
30.09.2026

Die Innenministerkonferenz verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Künftig reichen 13...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Unternehmen, die in China tätig sind, stehen vor einer schwierigen Wahl
30.09.2026

Europäische Unternehmen mit Geschäften in China stehen vor einem Dilemma: gegen EU-Recht verstoßen oder gegen chinesisches Recht. Die...

DWN
Politik
Politik Vestager und Nobelpreisträger schlagen KI-Alarm: Kritisches Zeitfenster schließt sich Monat für Monat
30.09.2026

Europa läuft Gefahr, bei künstlicher Intelligenz dauerhaft von den USA und China abhängig zu werden. Margrethe Vestager, zwei...