Politik

Bundeswehr verlegt tausende Soldaten nach Litauen

Deutschland hat sich bereit erklärt, dauerhaft eine Brigade in Litauen zu stationieren. Das Land grenzt sowohl an Russland als auch an Weißrussland.
26.06.2023 13:32
Aktualisiert: 26.06.2023 13:32
Lesezeit: 3 min

Deutschland will rund 4000 Bundeswehr-Soldaten dauerhaft nach Litauen schicken, um die Ostflanke der Nato zu stärken. «Deutschland ist bereit, dauerhaft eine robuste Brigade in Litauen zu stationieren», sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius am Montag bei einem Besuch in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Voraussetzung sei die Schaffung der notwendigen Infrastruktur zur Unterbringung der Soldatinnen und Soldaten durch die litauischen Behörden und Übungsmöglichkeiten.

Die Bundeswehr ist seit 2017 in dem an Russland (Kaliningrad) und Weißrussland grenzenden Litauen, derzeit mit etwa 800 Soldaten. Als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine hatte die Bundesregierung im Juni 2022 zugesagt, die Präsenz deutlich zu verstärken und eine komplette Kampftruppen-Brigade für die Verteidigung Litauens im Fall eines Angriffs bereitzuhalten.

Bisher war aber strittig, ob die Soldaten dauerhaft in Litauen stationiert oder nur zeitweise für Übungen dorthin geschickt werden sollen. Die litauische Regierung hat vehement eine Dauerpräsenz gefordert. Die Bundesregierung äußerte sich dazu lange Zeit sehr zurückhaltend. Jetzt gibt es eine klare Zusage.

Pistorius begründete den Schritt auch mit der deutschen Geschichte. Bis zum Ende des Kalten Krieges habe Deutschland an der Ostflanke der Nato gelegen, betonte er. «Wir waren diejenigen, die sich stets darauf verlassen konnten, dass die Nato-Partner im Ernstfall uns zur Seite stehen würden und mit uns für unsere Freiheit und Sicherheit in Deutschland eintreten und kämpfen würden», sagte er.

Heute seien Polen und das Baltikum in besonderer Weise exponiert. «Und wir als Bundesrepublik Deutschland bekennen uns ausdrücklich zu unserer Verantwortung und zu unserer Verpflichtung, als Nato-Mitgliedsland, als größte Volkswirtschaft in Europa für den Schutz der Ostflanke einzutreten.»

Derzeit nur ein Gefechtsstand in Litauen

Bisher ist nur ein Gefechtsstand der deutschen Brigade in Litauen, der in der Regel mit 20 Soldaten besetzt ist. Der größte Teil der Panzergrenadierbrigade 41 «Vorpommern» wird in Deutschland an verschiedenen Standorten bereitgehalten. Sie soll im Spannungsfall binnen zehn Tagen in das baltische Land verlegt werden können. Dies wird derzeit bereits zum dritten Mal geübt.

In den vergangenen Tagen wurden neben etwa 1000 Soldaten für ein bis zum 7. Juli angesetztes Manöver auch rund 300 Panzer und andere Fahrzeuge nach Litauen verlegt. Pistorius schaute sich die Übung in Prabade - nur wenige Kilometer von der Grenze zu Weißrussland entfernt - am Montag zusammen mit dem litauischen Präsidenten Gitanas Nauseda und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg an.

Zudem ist die Bundeswehr bereits seit sechs Jahren mit mehreren Hundert Soldaten im litauischen Rukla präsent. Dort führt Deutschland einen Nato-Gefechtsverband mit derzeit etwa 1600 Soldaten, davon etwa 780 Soldaten aus der Bundeswehr. Was mit diesem Verband passiert, wenn die deutsche Brigade fest in Litauen stationiert wird, ist noch unklar.

Litauen will Infrastruktur bis 2026 schaffen

Pistorius sagte, dass die Verlegung der 4000 Soldaten nach und nach entsprechend der Entstehung der Infrastruktur erfolgen soll. Litauen hat bereits zugesagt, in den Ausbau von Kasernen und anderen militärischen Objekten zu investieren, um die Truppen beherbergen zu können. «Wir werden unsererseits alles tun, um die Voraussetzungen für die Stationierung einer deutschen Brigade bereits im Jahr 2026 zu schaffen», erklärte Präsident Nauseda im April.

Litauens Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas sagte, dass die Stationierung einer deutschen Brigade «unsere Priorität» sei. «Wir sind bereit, weiterhin zusammenzuarbeiten, um die Bedürfnisse der deutschen Streitkräfte zu koordinieren, um so schnell wie möglich und mit höchster Qualität eine Einheit in Größe einer Brigade im Land aufnehmen zu können», sagte er und fügte hinzu: «Der Einsatz deutscher Streitkräfte zur Verteidigung unseres Landes ist wirklich sichtbar und wird geschätzt.»

EU stockt Gelder an Ukraine und andere Länder auf

Die Aufstockung der Finanzmittel für die Lieferung von Waffen und Ausrüstung an die Ukraine und andere sogenannte Partnerländer um weitere 3,5 Milliarden Euro haben die Außenminister der Mitgliedstaaten bei einem Treffen in Luxemburg beschlossen. Dies sei ein klares politisches Signal für das anhaltende Engagement der EU, sagte eine Sprecherin am Montag.

Allein für Hilfen für die ukrainischen Streitkräfte wurden bis zuletzt rund 5,6 Milliarden Euro aus einem entsprechenden Topf freigegeben. Deutschland finanziert nach Angaben der Bundesregierung rund ein Viertel der Hilfen.

Welches die anderen Länder sind, die Geld aus der EU erhalten, geht aus Medienberichten derzeit nicht hervor.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Wenn ein Schnäppchen wie eine Falle wirkt

Ein Schnäppchen kann sich schon wie ein Gewinn anfühlen, noch bevor es im Warenkorb landet. Der Preis scheint niedriger zu sein, der...

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz außer Kontrolle? Forscherin warnt vor gefährlicher Entwicklung
18.04.2026

Künstliche Intelligenz wiederholt bereits bestehende Fehlinformationen und verstärkt vorhandene Ungleichheiten. Am gefährlichsten ist...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt unter Druck: Kosten der Arbeitslosigkeit steigen dramatisch an
18.04.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt steht unter erheblichem finanziellem Druck. Nach aktuellen Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Externe Manager in Familienunternehmen: Warum sie an Bedeutung gewinnen – und wie Eigentümer Verantwortung abgeben
18.04.2026

Immer mehr Familienunternehmen übertragen die operative Führung an externe Manager. Der Wandel verspricht Professionalität und neue...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nachhaltige Lieferketten bei Lidl: Warum Lieferanten von strengeren Vorgaben profitieren
18.04.2026

Lidl verschärft die Nachhaltigkeitsanforderungen in der Lieferkette deutlich. Wie profitieren Hersteller dennoch von der Zusammenarbeit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Günstige Drohnen im Krieg: Teure Systeme geraten unter Druck
18.04.2026

Günstige Drohnen und neue Produktionsmodelle stellen die bisherige Logik von Krieg und Verteidigung zunehmend infrage. Entscheidet...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das Office-Comeback, das niemand wollte, ergibt keinen Sinn
18.04.2026

Unternehmen drängen zurück ins Büro und investieren Milliarden in neue Arbeitswelten. Doch die Realität der Beschäftigten zeigt eine...

DWN
Technologie
Technologie Rasanter Fortschritt in der Medizin: Wie KI Forschung und Therapie verändert
18.04.2026

Künstliche Intelligenz verändert die medizinische Forschung grundlegend und beschleunigt die Entwicklung neuer Therapien in einem bisher...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Frieden sorgt für Kauflaune – US-Märkte feiern wie in den 90ern
17.04.2026

Eine unerwartete Wende auf der Weltbühne lässt die Börsen aufatmen. Erfahren Sie, warum Anleger jetzt in historische Jubelstürme...