Unternehmen

Autobauer bewerten Aussichten so schlecht wie zuletzt 2008

Die deutschen Autohersteller bewerten ihre Geschäftsaussichten so schlecht wie zuletzt während der globalen Finanzkrise. Zugleich planen sie, die Preise zu erhöhen.
05.07.2023 09:47
Aktualisiert: 05.07.2023 09:47
Lesezeit: 1 min

Die deutschen Autohersteller bewerten ihre Geschäftsaussichten so negativ wie seit der weltweiten Finanzkrise 2008 nicht mehr. Der entsprechende Indikator brach im Juni auf minus 56,9 Punkte ein, nach minus 10,3 Zählern im Mai, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage mitteilte. Das ist bereits der fünfte Rückgang in Folge.

Die aktuelle Geschäftslage wurde dagegen besser bewertet: Dieses Barometer legte auf 37,5 Punkte zu, nachdem es im Mai noch bei 28,4 Zählern gelegen hatte. "Bei den Autobauern herrscht große Unsicherheit, wie zu Beginn des Kriegs in der Ukraine oder als im Herbst das Risiko einer Gasrationierung für die Industrie deutlich stieg", sagte der Leiter des Ifo-Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien, Oliver Falck.

Die Autobauer planen ungeachtet der düsteren Aussichten, höhere Preise durchzusetzen. Der entsprechende Indikator stieg auf 38,7 Punkte, nach 25,6 Zählern im Mai. "Die Preiserhöhungen würden vor allem das Premiumsegment und Elektroautos betreffen", sagte Ifo-Experte Falck.

Die Zulieferer bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage schlechter. Der Wert fiel auf 32,6 Punkte, nach 41,3 im Mai. "Bei den Zulieferern fehlt die Nachfrage aus dem Ausland", sagte Falck dazu. Auch für die nächsten Monate mangelt es an Zuversicht: Das Barometer für die Geschäftserwartungen fiel auf minus 32,1 Punkte, nach minus 20,3 im Mai.

Die deutsche Automobilindustrie zeigte sich zuletzt wegen der besser laufenden Teileversorgung und hoher Auftragsbestände optimistischer gestimmt. Für Deutschland gehe man nun von einem Wachstum in diesem Jahr um vier Prozent auf 2,8 Millionen Pkw aus, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) im Mai prognostizierte. Zuvor war der Verband lediglich von zwei Prozent Zuwachs ausgegangen.

Für Europa rechnet der VDA 2023 mit einem Marktwachstum von sieben Prozent auf zwölf Millionen Fahrzeuge nach zuvor prognostizierten plus fünf Prozent. Damit liegt der Markt aber noch fast ein Viertel unter dem Niveau von vor der Corona-Krise 2019. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schaeffler-Aktie im Fokus: Schaeffler streicht Tausende Jobs und schließt Werke
03.11.2026

Die Krise in der Autoindustrie setzt sich fort: Schaeffler will vier deutsche Standorte schließen und Tausende Stellen streichen. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lebensmittelhersteller Völpel insolvent: Hohe Energiekosten belasten Familienunternehmen
03.11.2026

Die Völpel GmbH aus Königsmoos in Bayern ist auf die Herstellung von Trockenkräutern, Tees, Trockengemüse und Kräutersalz...

DWN
Politik
Politik Deutsche können sich "Bio" weiter leisten: Umsatzplus bei Bio-Lebensmitteln
03.11.2026

Wer kann sich Bio-Produkte in Zeiten von Stellenabbau und Wirtschaftskrise noch leisten? Wieso hält in Deutschland der Öko-Trend trotz...

DWN
Politik
Politik Leere Gasspeicher: Vorgaben bei Gasversorgung verfehlt - was bedeutet das?
03.11.2026

Der Winter steht bevor - und die Gasspeicher in Deutschland sind vergleichsweise gering befüllt. Vorgaben werden nicht eingehalten. Warum...

DWN
Politik
Politik US-Midterms 2026: Das Wichtigste zu den Kongresswahlen in den USA
03.11.2026

Steigende Preise, politische Unzufriedenheit und ein tief gespaltenes Land: Die USA stehen vor entscheidenden Kongresswahlen. Für Donald...

DWN
Politik
Politik Russischer Spion, gehacktes Telefon und geheime Milliardenkonten: Wilde Vorwürfe gegen Trumps Schwiegersohn
03.11.2026

Im Jahr 2018 soll sich der niederländische Geheimdienst in Jared Kushners Telefon gehackt und ihn überwacht haben, während er auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: S&P 500 und Nasdaq geben nach; Ölpreise fallen weiter
02.11.2026

Spannende Entwicklungen an den US-Börsen: Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte heute bewegt haben.

DWN
Finanzen
Finanzen Ist das das Geräusch einer platzenden KI-Blase?
02.11.2026

Die größten Technologiekonzerne investieren immer höhere Summen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Doch Anleger beginnen, die...