Unternehmen

Recyclinganlage für E-Auto-Batterien in Hamburg nimmt Betrieb auf

Im Hamburger Stadtteil Billbrook hat eine Anlage zum Recycling ausgedienter E-Auto-Batterien den Betrieb aufgenommen. Mit dabei war Bürgermeister Tschentscher.
24.08.2023 15:45
Aktualisiert: 24.08.2023 15:45
Lesezeit: 2 min
Recyclinganlage für E-Auto-Batterien in Hamburg nimmt Betrieb auf
Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister von Hamburg, am Donnerstag bei der Firma European Metal Recycling. (Foto: dpa) Foto: Markus Scholz

Ausgediente Batterien aus Elektroautos werden künftig in Hamburg in großem Stil zerlegt und für die Wiederverwertung aufbereitet. In einem Industriegebiet im Stadtteil Billbrook haben der schwedische Batteriehersteller Northvolt und der weltweit aktive britische Metallrecycler European Metal Recycling (EMR) dafür am Donnerstag eine neue Anlage in Betrieb genommen. Auf 12 000 Quadratmetern können dort nach Unternehmensangaben etwa 10 000 Tonnen Batteriepacks pro Jahr entladen und demontiert werden.

Northvolt-Umweltvorständin Emma Nehrenheim sagte: "Die Fähigkeit, Batterien effektiv zu recyceln, ist entscheidend, um die Revolution der Elektrofahrzeuge so nachhaltig wie möglich zu gestalten."

Mit der wachsenden Zahl elektrisch angetriebener Autos gewinnt auch das Thema Batterierecycling an Bedeutung. Northvolt schätzt, dass bis zum Ende des Jahrzehnts rund 250 000 Tonnen pro Jahr an Battery-Packs das Ende ihres Lebens erreicht haben dürften und damit den Recycling-Kreislauf durchlaufen.

"Das Wachstum wird sich signifikant beschleunigen, da allein 2030 in Westeuropa etwas mehr als 8 Millionen Neuzulassungen von E-Autos prognostiziert werden", sagte ein Northvolt-Sprecher. Elektrisch betriebene Autos sollen in den kommenden Jahren Autos mit Verbrennermotor zunehmend ersetzen und so den klimafreundlichen Umbau des Individualverkehrs vorantreiben.

Auch andere Unternehmen haben die Wiederverwertung der Batterien als Geschäftsfeld entdeckt. So hat Europas größte Kupferhütte Aurubis im vorigen Jahr eine Pilotanlage am Heimatstandort Hamburg gestartet, die wertvolle Metalle wie Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan und Graphit aus der sogenannten Schwarzen Masse extrahieren, die beim Zerlegen und Schreddern von Lithium-Ionen-Batterien entsteht.

Bei Northvolt und EMR sieht der Prozess so aus: In Hamburg werden die Batteriepakete entladen und zerlegt. Danach werden die verbleibenden Batteriemodule zur Wiederverwertung an Northvolts Produktionsstätten geliefert. Dort werden die Module zerkleinert, um die Rückgewinnung von Kunststoffen, Aluminium und Kupfer zu ermöglichen.

Die "Schwarze Masse" wird in der Northvolt-Recyclinganlage "Revolt Ett" im nordschwedischen Skellefteå aufbereitet, um Batteriematerialien wie Lithium, Nickel, Mangan und Kobalt zurückzugewinnen. Die geplante jährliche Kapazität dort beträgt 125 000 Tonnen, etwa die Hälfte des Bedarfs der ebenfalls Skellefteå liegenden ersten Northvolt-Fabrik zu decken.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sprach bei der Eröffnung von einem wichtigen Projekt für die Zukunft der E-Mobilität in Deutschland. "Recycling spart Rohstoffe und schützt die Umwelt." Damit erhalte die deutsche Automobilindustrie eine bessere Perspektive, sagte der SPD-Politiker. "Sie wird unabhängiger vom Import seltener und teurer Rohstoffe und macht Fortschritt im Sinne der Kreislaufwirtschaft."

Northvolt ist vor allem in Norddeutschland kein Unbekannter: Die Schweden planen, in der Nähe von Heide im einst strukturschwachen Dithmarschen eine weitere große Fabrik zu errichten. Dort sind Investitionen von 4,5 Milliarden Euro im Gespräch, es sollen 3000 Arbeitsplätze geschaffen werden und jährlich Batterien für eine Million Elektroautos entstehen. Northvolt hat als Ziel ausgegeben, "die umweltfreundlichste Batterie der Welt zu bauen, mit minimalem Kohlenstoff-Fußabdruck und den höchsten Ansprüchen an das Recycling". (dpa-AFX)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Politik
Politik Moskau: Selenskyj provoziert Atomkrieg
29.04.2026

Das russische Außenministerium hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das Heraufbeschwören eines Atomkriegs vorgeworfen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Märkte uneinheitlich, während Händler auf Quartalszahlen warten
29.04.2026

Spannung an der Wall Street: Was Anleger jetzt wissen müssen

DWN
Politik
Politik Gesundheitsreform auf dem Weg: Das sind die wichtigsten Änderungen
29.04.2026

Die Bundesregierung hat die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht. Der Gesetzesentwurf bringt für Versicherte zahlreiche Änderungen –...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Warum die Notenbank plötzlich umschwenken könnte
29.04.2026

Die EZB steht vor einer heiklen Leitzinsentscheidung, die die Märkte nervös macht. Eine Zinserhöhung im Juni gilt plötzlich als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bitumenpreis in Europa steigt: Iran-Krieg verteuert Straßenbau
29.04.2026

Der Iran-Krieg treibt den Bitumenpreis nach oben und verschärft die Kostenlage in Europas Bauwirtschaft. Wie stark können steigende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland verliert Zuversicht: AfD nutzt Stimmungskrise
29.04.2026

Deutschlands Wirtschaft verliert erneut an Zuversicht, während schwache Konjunkturdaten und der Aufstieg der AfD den Druck auf die...

DWN
Politik
Politik Einkommensteuerreform: Merz offen für höhere Reichensteuer
29.04.2026

Die Regierung hat sich eine größere Einkommensteuerreform vorgenommen. Nach mehreren anderen Unionspolitikern signalisiert nun auch der...

DWN
Panorama
Panorama Sommerurlaub 2026: Studie erwartet Kerosinknappheit und steigende Ticketpreise
29.04.2026

Allianz Trade warnt vor teuren Tickets und Kerosinzuschlägen: Iran-Krieg lässt Sorge vor Kerosin-Engpass wachsen. Fluggesellschaften...