Politik

Syriens Präsident Assad kehrt nach fast 20 Jahren nach China zurück

Am Donnerstag ist Syriens Präsident Assad nach China gereist. Dabei geht es um den Wiederaufbau seines Landes und um Chinas wachsende Rolle im Nahen Osten.
Autor
21.09.2023 16:37
Aktualisiert: 21.09.2023 16:37
Lesezeit: 2 min
Syriens Präsident Assad kehrt nach fast 20 Jahren nach China zurück
Syriens Präsident Bashar Assad und seine Frau am Donnerstag bei ihrer Ankunft in Hangzhou in China. (Foto: dpa/Xinhua) Foto: Huang Zongzhi

Erstmals seit fast 20 Jahren ist der syrische Präsident Baschar al-Assad wieder zu einem Besuch nach China gereist. Er traf am Donnerstag in der Stadt Hangzhou ein, wo er an der Eröffnungsfeier der Asienspiele teilnehmen soll. Nach Angaben des syrischen Präsidialamts wird Assad mit seiner Delegation auch in weiteren chinesischen Städten erwartet. Zudem stehe am Freitag ein Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping auf dem Programm.

Mit Unterstützung Russlands und des Irans konnte Assad die Kontrolle über etwa zwei Drittel seines Landes zurückgewinnen. Zudem hießen die Länder der Arabischen Liga Assad im Mai erstmals wieder in ihrem Kreise willkommen. China hat die Beziehungen zu Syrien stets aufrecht gehalten und im UN-Sicherheitsrat zusammen mit Russland Sanktionen gegen das Land verhindert. Nur im Westen wird Assad nach wie vor als Paria behandelt.

Seit langem wird spekuliert, dass Syrien China um Unterstützung beim Wiederaufbau des vom Krieg verwüsteten Landes bitten könnte. Das Thema dürfte zur Sprache kommen, wenn Assad Präsident Xi trifft. China hat bisher gezögert, in Syrien zu investieren, der von den westlichen Staaten mit schweren Sanktionen belegt ist. Doch Peking versucht derzeit, seinen diplomatischen Einfluss im Nahen Osten zu erhöhen.

Zuletzt war Assad 2004 nach China gereist, um den damaligen Präsidenten Hu Jintao zu treffen. Es war der erste Besuch eines syrischen Staatschefs in der Volksrepublik seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Jahr 1956. Aktuell kämpft Syrien mit einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise, die in den letzten Wochen in der südlichen Stadt Sweida Proteste gegen die Regierung ausgelöst hat.

Alessandro Arduino, Dozent am Lau China Institute des King's College London, sagte gegenüber der Financial Times, dass bei dem Treffen zwischen Assad und Xi auch der Wiederaufbau zur Sprache kommen wird. Allerdings sei dies für China weniger attraktiv, vor allem weil chinesische Unternehmen durch die wirtschaftliche Verlangsamung auf dem heimischen Markt belastet seien.

Stattdessen sei der Besuch Assads eine Gelegenheit für Peking, sein diplomatisches Profil im Nahen Osten zu schärfen, von wo es einen Großteil seiner Öl- und Gasimporte bezieht. "In erster Linie geht es Peking um die Darstellung, dass China nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein diplomatischer Moloch ist", fügte Arduino hinzu.

China hat sich traditionell auf seine wachsenden Handelspartnerschaften in der Region konzentriert und es dabei vermieden, sich in die Politik einzumischen. Doch im März überraschte China damit, dass es eine Vereinbarung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran vermittelte, in deren Folge sich die regionalen Rivalen auf die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen einigten.

Analysten zufolge war dies ein Zeichen für Xis Wunsch, Chinas Einfluss im gesamten Nahen Osten auszuweiten, wo die USA traditionell die dominierende ausländische Macht sind. "Was mit dem Abkommen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran geschah, kann sich wiederholen", sagte Arduino. Seit dem Ausbruch eines Bürgerkriegs im Jahr 2011 hat Assad nur wenige Auslandsreisen unternommen.

Im Mai reiste Assad zum ersten Mal seit Beginn des Konflikts nach Saudi-Arabien, nachdem Riad - das zuvor die syrische Opposition unterstützt hatte - bewirkt hatte, dass Syrien wieder in die Arabische Liga aufgenommen wird. Syrien hat jedoch weiterhin Schwierigkeiten, Investitionen für den Wiederaufbau anzuziehen, was zum Teil auf die westlichen Sanktionen zurückzuführen ist. Das syrische Pfund stürzte im August auf ein Rekordtief.

Als der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, im Juni Peking besuchte, schlug Xi eine internationale Friedenskonferenz zum israelisch-palästinensischen Konflikt vor, obwohl es bisher kaum Anzeichen für Fortschritte gab. Im August wurden auf Betreiben Chinas weitere Mitglieder in den BRICS-Block aufgenommen, darunter die bedeutenden Ölexporteure Saudi-Arabien, Iran, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie: Autokonzern existenzgefährdet? VW-Bosse schlagen Alarm
17.06.2026

Hiobsbotschaft vor der Hauptversammlung: Bei Volkswagen bewertet das Top-Management die Lage des Autokonzerns als schlecht – und zwar...

DWN
Politik
Politik AfD baut Vorsprung aus: CDU/CSU und SPD historisch niedrig
17.06.2026

Die AfD liegt in Umfragen deutlich vor der Union und nähert sich inzwischen der 30-Prozent-Marke. Der Vorsprung zur CDU/CSU ist in einer...

DWN
Politik
Politik Billionär Musk mahnt ZDF ab: Elon Musk geht gegen Falschbehauptung vor
17.06.2026

Tech-Unternehmer Elon Musk mahnt das ZDF ab. Ein Bericht über die Ausschreitungen in Nordirland bringt das ZDF in die Defensive. Der...

DWN
Immobilien
Immobilien Warum 2025 trotz Milliardenförderung 20.000 Sozialwohnungen verschwanden
17.06.2026

Die Bundesregierung verspricht Milliarden zur Förderung preiswerter Wohnungen. Beim Bestand setzt sich der Abwärtstrend bislang jedoch...

DWN
Politik
Politik Lobbyarbeit für Irlands EU-Ratspräsidentschaft: Das sind die Unternehmen, die versuchen, die Agenda zu beeinflussen
17.06.2026

Vor Irlands EU-Ratsvorsitz suchen Konzerne und Branchenverbände gezielt den Kontakt zur Regierung in Dublin. Pharma, Tech, Banken und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX steigt weiter, Händler zögern vor Zinsentscheidung der Fed
16.06.2026

Ein turbulenter Handelstag birgt Überraschungen – erfahren Sie, warum Investoren gerade jetzt besonders aufmerksam die Entwicklungen...

DWN
Technologie
Technologie Batterie-Boom treibt Deutschland in neue China-Abhängigkeit
16.06.2026

Deutschlands Batterieproduktion erreicht einen Rekordwert – doch mit dem Boom wächst zugleich die Abhängigkeit von China. Die Branche...

DWN
Politik
Politik Der EU-Waffenchef warnt eindringlich: "Wir produzieren die falschen Waffen!"
16.06.2026

Der EU-Verteidigungskommissar warnt vor einem gefährlichen Missverhältnis in Europas Rüstungsstrategie. Während Donald Trumps...