Finanzen

Weltbank-Kontrahentin AIIB nimmt neue Mitglieder auf

Die AIIB, die als Alternative zur Weltbank auftritt, hat weitere Staaten aufgenommen. Derweil versuchen IWF und Weltbank auf amerikanischen Wunsch nachzuziehen.
16.10.2023 14:07
Aktualisiert: 16.10.2023 14:07
Lesezeit: 3 min
Weltbank-Kontrahentin AIIB nimmt neue Mitglieder auf
Die AIIB, eine Konkurrentin der Weltbank, nimmt neue Mitglieder auf. (Grafik: istockphoto.com/ipopba) Foto: ipopba

Der Asiatischen Infrastruktur- und Investitionsbank (AIIB) sind drei weitere Staaten beigetreten. Wie die multilaterale Entwicklungsbank Bank auf ihrer Homepage mitteilt, gab der Vorstand Ende September beim Gipfeltreffen in Ägypten grünes Licht für eine Mitgliedschaft Tansanias, El Salvadors und der Salomonen.

Die Mitgliedschaft wird erst wirksam, wenn die drei Staaten diese von ihren Parlamenten absegnen lassen und ihr Einlagenkapital eingezahlt haben.

Infolge des Beitritts der drei Länder erhöht sich die Mitgliederzahl der AIIB auf 109. Die AIIB-Mitgliedsländer repräsentieren 81 Prozent der Weltbevölkerung und etwa 65 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Auch die Bundesrepublik Deutschland ist AIIB-Mitglied.

Gegengewicht zur Weltbank

Die AIIB wurde im Jahr 2015 unter maßgeblicher Führung der chinesischen Regierung von 57 Staaten gegründet und versteht sich als Alternative zu dominierenden – und von den Vereinigten Staaten von Amerika kontrollierten – multinationalen Finanzorganisationen wie der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Da die US-Regierung in der Vergangenheit zu keiner maßgeblichen Änderung der Stimmenverhältnisse bei Weltbank und IWF bereit war, welche jedoch nach Ansicht Chinas und anderer Länder die gewachsene wirtschaftliche und politische Bedeutung großer Entwicklungsländer nicht mehr in angemessener Weise widerspiegele, begann Peking ab dem Jahr 2013 mit den Vorbereitungen zur Gründung einer alternativen Institution.

Die Zentralen von Weltbank und IWF befinden sich in Washington, während die AIIB ihre Hauptniederlassung in Peking unterhält.

China hat 29,78 Milliarden US-Dollar zum Stammkapital der AIIB beigetragen und kontrolliert damit etwa mehr als 30 Prozent des Gesamtkapitals der Institution sowie 26,56 Prozent der Stimmrechte, wie aus Daten der Bank hervorgeht. Damit verfügt Peking über ein Vetorecht.

Aufbau von Alternativen

Der Mitgliederzuwachs bei der AIIB ist ein Symptom für die sich derzeit vollziehenden Machtverschiebungen auf dem Planeten.

Viele Entwicklungsländer, die zu den wohlhabenden Industriegesellschaften aufschließen wollen, engagieren sich verstärkt in Organisationen, die dezidiert als Alternative zu den Organen des seit Ende des Zweiten Weltkriegs dominierenden westlichen Systems aufgebaut wurden. Dazu zählen das BRICS-Format und dessen Organe, die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit sowie das chinesische Infrastrukturprojekt der „Neuen Seidenstraße“ ebenso wie RCEP, die größte Freihandelszone der Welt oder die von Russland angeführte Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft.

Flankiert wird der Aufbau alternativer Strukturen von einer verstärkten Abwendung vieler Länder vom US-Dollar, dessen unbestrittener Status als Weltleitwährung infolge zunehmender Sanktionstätigkeit der amerikanischen Regierungen der vergangenen 20 Jahre schrittweise untergraben wurde.

Wie bereits erwähnt stellt das Wachstum der AIIB vor dem Hintergrund des Aufstiegs Chinas und anderer Entwicklungsländer kein fundamentales Ereignis dar, sondern spiegelt die schrittweise Emanzipation des „Globalen Südens“ auf niedrigerer, organisatorischer Ebene wider.

Eine klare Trennlinie kann zwischen dem „Westen“ einerseits und dem „Globalen Süden“ andererseits in dieser Frage ohnehin nicht gezogen werden: Beispielsweise sind zahlreiche europäische Länder Mitglieder der AIIB, ebenso wie fast alle Länder der Welt in der Weltbank und im IWF vertreten sind. Zwar verfügen die USA über Sperrminoritäten bei Weltbank und IWF, China beispielsweise verfügt jedoch über den drittgrößten Stimmenanteil in diesen Organisationen hinter Japan.

Nichtsdestotrotz üben Washington und Peking in Form ihrer Stimmenmehrheiten eine Dominanz über Weltbank und IWF respektive die AIIB aus.

Yellen will Weltbank aufwerten

Interessant ist die Frage, wie die Weltbank auf den Einflusszuwachs der AIIB reagieren kann und ob sie das überhaupt sollte.

Wie das Wall Street Journal berichtet, will die Biden-Administration der Weltbank „neues Leben einhauchen“, um Entwicklungsländer von den Vorteilen der von den USA nach 1945 aufgebauten Ordnung in Weltwirtschaft und internationalen Finanzen zu überzeugen.

Darüber hinaus versuche die US-Regierung auch im IWF, so die Zeitung, verloren gegangenes Terrain bei der internationalen Kreditvergabe zurückzugewinnen, welche die Chinesen mit ihrer im Jahr 2013 lancierten „Seidenstraße“ dominiert.

„Diese Länder haben sicherlich die Aufmerksamkeit der fortgeschrittenen Staaten“, zitiert das Wall Street Journal die US-amerikanische Finanzministerin Janet Yellen. „Wir hören sie laut und deutlich.“

Chinesische Banken waren in den vergangenen 15 Jahren zu den wichtigsten Kreditgebern ärmerer Länder aufgestiegen. Im Rahmen des Seidenstraßenprojekts wurden viele bedeutende Infrastrukturprojekte wie Bahntrassen, Häfen oder Flughäfen in Entwicklungsländern realisiert. Westliche Länder konnten bislang hingegen keine überzeugenden Alternativen zur „Seidenstraße“ Pekings anbieten, obwohl mehrere Großprojekte und Initiativen lanciert wurden.

Im Westen nichts (wirklich) Neues

Auf einem Gipfeltreffen, das vom 9. Oktober bis zum 15. Oktober im marokkanischen Marrakesch stattfand, wollten Weltbank und Internationaler Währungsfonds eine Ausweitung ihrer Kreditvergabekapazitäten beschließen, um die Lücke zu den Chinesen zu schließen.

Die Anteilseigner der Weltbank einigten sich darauf, künftig neue Finanzierungsinstrumente anzubieten und eine Garantieplattform aufzubauen, berichtet der englischsprachige Dienst von Reuters. Beides zusammen, so Reuters, „könnte zur Vergabe weiterer 100 Milliarden Dollar über zehn Jahre führen.“

Die IWF-Länder konnten sich hingegen nicht auf eine Ausweitung der Kreditvergabe einigen, wie sie von der US-Regierung vorgeschlagen wurde, berichtet Reuters.

Das Unterfangen scheiterte dem Bericht zufolge am Wunsch der Amerikaner, die Kapazitäten auszubauen, ohne China und anderen wichtigen Schwellenländern mehr Mitspracherechte einzuräumen. Insbesondere China, dessen Volkswirtschaft heute dreimal so groß ist wie 2010, setzte sich für mehr Anteile ein, um „das relative Gewicht von Mitgliedsländern in der Weltwirtschaft zu reflektieren und die Stimme und Repräsentation von aufstrebenden und Entwicklungsländern zu stärken“, zitiert Reuters Chinas Zentralbank-Gouverneur Pan Gongscheng.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer: Zigaretten dürften bald sehr viel teurer werden
15.10.2026

Millionen Menschen rauchen in Deutschland, das beschert dem Fiskus Jahr für Jahr Milliardeneinnahmen. Künftig möchte der Bund noch mehr...

DWN
Politik
Politik EU-Haushalt 2028-2034: Nichts im Leben ist umsonst
15.10.2026

Vor der entscheidenden Phase der Verhandlungen über den siebenjährigen EU-Haushalt 2028 bis 2034 sollte man das deutsche Sprichwort auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Nasdaq und S&P 500 sacken ab, während Inflationssorgen steigen
14.10.2026

Welche Entwicklungen die Märkte jetzt erschüttern und wo sich überraschende Chancen auftun.

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...