Wirtschaft

Volkswagen stimmt Belegschaft auf umfangreichen Stellenabbau ein

Volkswagen stimmt seine Angestellten auf härtere Zeiten ein - mit deutlichen Worten. Es müssten in großem Stil Stellen abgebaut und Kosten eingespart werden.
27.11.2023 15:25
Aktualisiert: 27.11.2023 15:25
Lesezeit: 2 min
Volkswagen stimmt Belegschaft auf umfangreichen Stellenabbau ein
VW will Arbeitsplätze streichen und Kosten reduzieren. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Volkswagen-Markenchef Thomas Schäfer bereitet die Belegschaft auf einen möglichen Stellenabbau vor. Die Marke VW sei mit den bisherigen Strukturen, Prozessen und hohen Kosten nicht mehr wettbewerbsfähig, sagte Schäfer am Montag in einer im Intranet veröffentlichten Mitteilung bei einer Vollversammlung der Vertrauensleute des Standortes Wolfsburg.

Ohne spürbare Einschnitte gehe es deshalb nicht, so Schäfer. "Wir müssen ran an die kritischen Themen, auch beim Personal." VW-Personalvorstand Gunnar Kilian brachte dabei das Thema Altersteilzeit ins Spiel. "Wir müssen die demographische Kurve konsequent als Vorteil begreifen", sagte er. Der größte Teil der Einsparungen werde allerdings über andere Maßnahmen erbracht, sagte er.

Druck wegen E-Autos

Kilian verwies auf die nötigen Investitionen unter anderem für die Elektromobilität. Das erfordere den Schulterschluss aller Handelnden bei Volkswagen. "Wir müssen unsere Kosten senken und mit weniger Personal auskommen, um ein zukunftsfester Arbeitgeber zu bleiben", sagte er. Das bedeute nicht, dass jetzt überall acht Leute das machen müssten, was früher zehn gemacht hätten. "Sondern dass wir endlich so mutig und ehrlich sind, solche Dinge über Bord zu werfen, die im Unternehmen doppelt gemacht werden oder einfach nur Ballast sind und die wir für gute Ergebnisse nicht brauchen."

Schäfer verwies auf die Abkühlung der Nachfrage. Nach der Corona-Pandemie hatte die Autobranche von Sonderfaktoren profitiert und hohe Gewinne eingefahren. Inzwischen ändere sich das. Schäfer sagte, viele Märkten seien massiv unter Druck, die Auftragseingänge insbesondere bei den Elektroautos lägen unter den Erwartungen. "Auch 2024 wird ein knallhartes Jahr für die gesamte Autoindustrie und für die Marke VW", sagte der VW-Markenchef.

Elektroautos sind nicht marktreif, weshalb die Verkaufszahlen angeischts des Zurückfahrens staatlicher Hilfszahlungen derzeit massiv einbrechen. Trotzdem haben EU-Politiker in Brüssel den Verbrennungsantrieb per Dekret verboten.

Zehn Milliarden müssen weg

Wie viele Stellen wegfallen sollen, ließen die beiden Spitzenmanager offen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo betonte, dass es kein Abrücken von den Tarifverträgen und der Beschäftigungssicherung bis 2029 geben dürfe. Management und Betriebsrat verhandeln derzeit über das Effizienzprogramm, das insgesamt zehn Milliarden Euro einbringen soll. Bislang gebe es noch keine Entscheidungen, hieß es in der Meldung im Intranet.

Bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg am 6. Dezember sollen die Beschäftigten über den Zwischenstand informiert werden. Ziel der Verhandlungsparteien sei es, noch in diesem Jahr die wesentlichen Punkte unter Dach und Fach zu haben. Das VW-Spitzenmanagement kommt im Dezember zu einer Tagung in Berlin zusammen, dabei könnte das Sparprogramm auf der Tagesordnung stehen.

Bereits bekannt ist, dass im indirekten Bereich - also in der Verwaltung - die Kosten um ein Fünftel gesenkt werden sollen; hier laufen einem Sprecher zufolge bereits Gespräche. Im indirekten Bereich bei Volkswagen arbeiten rund 40.000 Büroangestellte. Zudem gilt ein Einstellungsstopp, auch Beförderungen in die oberste Tarifgruppe wurden auf Eis gelegt.

VW-Konzernchef Oliver Blume hat seinem Unternehmen eine Rendite von bis zu zehn Prozent bis 2027 als Ziel gesetzt, die Kernmarke Volkswagen soll bis 2026 6,5 Prozent Rendite schaffen. Der operative Gewinn soll um zehn Milliarden Euro steigen. Auch bei den anderen Marken des Konzerns sowie der holprig gestarteten Softwaretochter Cariad laufen entsprechende Performance-Programme. Bei Cariad gilt die Beschäftigungssicherung nur bis 2025.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Suezkanal: Warum Maersk jetzt die riskante Abkürzung nimmt
18.09.2026

Die Sicherheitslage im Roten Meer verschärft sich, doch ausgerechnet jetzt kehren große Reedereien auf die Route durch den Suezkanal...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Aus einem Hobby wird ein Unternehmen: Sie hatte eine Idee, er musste seinen Job kündigen
18.09.2026

Aurelija Mališauskienė, Gründerin des Unternehmens „Minimali“, begann während ihres Elternurlaubs mit der Herstellung von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
18.09.2026

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Benzinpreis aktuell: Warum Tanken trotz billigerem Öl Rekorde bricht
18.09.2026

Rohöl kostet weniger als auf dem Höhepunkt der Energiekrise 2022, der Euro steht stärker zum Dollar. Trotzdem zahlen Autofahrer in...

DWN
Politik
Politik UN-Generalversammlung: Deutschland reist ohne Merz nach New York
18.09.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz sagt seine Reise zur UN-Generalversammlung wegen der innenpolitischen Lage ab. Die Bundesregierung betont...

DWN
Politik
Politik CO2-Speicherung unter der Nordsee: Dänemark startet Regelbetrieb
18.09.2026

Dänemark macht bei der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid den nächsten Schritt. Das Projekt „Greensand“ wechselt vom...

DWN
Politik
Politik Übergewinnsteuer für Ölkonzerne: EU-Kommission bremst Klingbeil
18.09.2026

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil drängt auf eine europäische Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Doch aus Brüssel kommt...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Hilfe: Merz fordert mehr Geld von EU-Partnern
18.09.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz erhöht den Druck auf andere EU-Staaten, ihre Unterstützung für die Ukraine deutlich auszuweiten. Gemeinsam...