Politik

Tausende Bauern protestieren in Berlin gegen Streichungen

Aus Protest gegen die vorgesehene Streichung von Steuervergünstigungen durch die Bundesregierung machen Landwirte am Montag in Berlin mobil.
18.12.2023 11:30
Aktualisiert: 18.12.2023 11:30
Lesezeit: 2 min
Tausende Bauern protestieren in Berlin gegen Streichungen
Landwirte nehmen mit Traktoren an einer Demonstration des Deutschen Bauernverbandes unter dem Motto «Zu viel ist zu viel! Jetzt ist Schluss!» vor dem Brandenburger Tor teil. (Foto: dpa) Foto: Fabian Sommer

Aus Protest gegen die vorgesehene Streichung von Steuervergünstigungen durch die Bundesregierung machen Landwirte am Montag in Berlin mobil. Unter dem Motto «Zu viel ist zu viel» ist eine Kundgebung am Brandenburger Tor geplant. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte der Deutschen Presse-Agentur, damit solle «ein erstes deutliches Signal an die Ampel-Koalition» gesendet werden.

Die Pläne zum Agrardiesel und zur Kfz-Steuerbefreiung müssten komplett zurückgenommen werden. «Wenn nicht, wird es ab Januar massiven Widerstand geben. Wir werden uns das nicht gefallen lassen.»

Zu der Demonstration hatte der Bauernverband bundesweit auch über seine Landesbauernverbänden aufgerufen. Bei der Polizei waren etwa 3000 Menschen zu der Kundgebung angemeldet. Zu dem Protest sollten auch mehrere Hundert Traktoren anrollen. Am Morgen sammelten sich erste Fahrzeuge bereits auf der Straße des 17. Juni nahe dem Brandenburger Tor, wie die Verkehrsinformationszentrale mitteilte.

Özdemir warnt

Als Redner erwartet wird auch Bundesagrarminister Cem Özdemir. Der Grünen-Politiker kritisierte im ARD-«Morgenmagazin» erneut eine Kombination der Sparpläne bei Agrardiesel und Kfz-Steuerbefreiung. Andere Länder in der EU hätten Agrardieselsubventionen. «Das führt dazu, dass sich die Wettbewerbsbedingungen für deutsche Landwirte verschlechtern und das quasi auf einen Schlag.»

Beim Agrardiesel gebe es keine Alternativen für Bauern. «Wir reden über schwere Maschinen, die kann man nicht einfach auf Elektro umrüsten.» Landwirte dürften nicht überfordert werden, sagte Özdemir. Er habe Finanzminister Christian Lindner (FDP) alternative Sparvorschläge gemacht.

Die Union kritisierte die Pläne erneut, die auf eine Verständigung der Koalitionsspitzen zu Einsparungen im Haushalt 2024 zurückgehen. CSU-Generalsekretär Martin Huber sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ohne jede Rücksicht bringt die Bundesregierung die deutschen Bauern in Existenznot.» Diese Ignoranz und Arroganz seien unerträglich. CDU-Agrarexperte Albert Stegemann sagte, beide Sparmaßnahmen träfen direkt die Landwirte und schwächten die ländlichen Räume. Özdemir müsse sich voll und ganz hinter die Bäuerinnen und Bauern stellen.

Milliarden-Kosten für die Branche

Nach Verbandsangaben würden der Branche mit den beiden Streichungen fast eine Milliarde Euro entzogen. Bisher können sich Höfe die Energiesteuer für Diesel teilweise zurückerstatten lassen. Dabei beträgt die Vergütung 21,48 Cent pro Liter – der Steuersatz für Agrardiesel liegt dann also bei 25,56 Cent pro Liter im Vergleich zum vollen Steuersatz von 47,04 Cent. Anträge auf Erstattung müssen Betriebe bei der Zollverwaltung stellen. Zudem sind land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge von der Kfz-Steuer befreit.

Die Organisation Greenpeace erklärte, der Wegfall der Subvention bei Agrardiesel sei angesichts rekordverdächtiger Agrar- und Lebensmittelpreise und vieler weiterer Agrarsubventionen verschmerzbar.

«Bei allem Verständnis für die Bauern und Bäuerinnen - Agrardiesel staatlich zu verbilligen ist teuer, klimaschädlich und gehört abgeschafft», sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter. Anders als vom Bauernverband behauptet, werde das Ende der Dieselsubventionen kein massives Höfesterben zur Folge haben.

Die Ertragslage der Landwirtschaft hatte sich nach Branchenangaben zuletzt verbessert. Im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2022/23 stieg der durchschnittliche Gewinn der Betriebe auf das Rekordniveau von 115 400 Euro - ein Plus von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts sinkender Preise bei Getreide, Ölsaaten und Milch hatte der Bauernverband sich aber bereits vor Bekanntwerden der Ampel-Pläne pessimistisch zu den weiteren Geschäftsaussichten geäußert.

Eine Großdemonstration mit Tausenden Bauern aus ganz Deutschland und einer langen Traktoren-Kolonne hatte es auch Ende 2019 vor dem Brandenburger Tor gegeben. Damals forderten Bauern mit bundesweiten Aktionen mehr Mitsprache bei Neuregelungen zum Umwelt- und Tierschutz und mehr Wertschätzung für ihre Branche.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Megastörung bei der Deutschen Bahn: Nach Zugfunk-Ausfall läuft die Fehlersuche
24.06.2026

Nach dem bundesweiten Zugfunk-Ausfall suchen IT- und Sicherheitsexperten nach der Ursache. Ein Angriff gilt bisher als unwahrscheinlich. Im...

DWN
Politik
Politik USA: Senat stimmt gegen Trumps eigenmächtige Iran-Kriegsführung
24.06.2026

Der US-Kongress will Trump beim Krieg gegen den Iran Grenzen setzen. Die auch von einigen Republikanern getragene Resolution gilt vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Vom Hoffnungsträger zum Problemflieger: Behörde zwingt 16 Airbus A380 zum Check
24.06.2026

Risse an den Tragflächen: 16 Airbus A380 von Emirates und Qantas müssen auf Anordnung der EASA kurzfristig überprüft werden. Fünf...

DWN
Politik
Politik Bundestag: Ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat Nebeneinkünfte
24.06.2026

Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat in der laufenden Legislaturperiode meldepflichtige Nebeneinkünfte bezogen - neben...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmer Dräger fordert klare Kante statt Kurswechsel
24.06.2026

Ständige Richtungswechsel schaden nach Ansicht von Unternehmer Stefan Dräger dem Standort Deutschland und untergraben Vertrauen bei...

DWN
Finanzen
Finanzen EU Listing Act entfesselt Europas Kapitalmärkte
24.06.2026

Europa will seine Unternehmen zurück an die Börse locken. Der EU Listing Act verspricht kürzere Prospekte, niedrigere Kosten und mehr...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Chip-Ausverkauf zieht Nasdaq-Titel nach unten
23.06.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Technologiewerte unter Druck setzen und wo Anleger jetzt noch Chancen sehen.

DWN
Politik
Politik Putin: "Nato bereitet sich auf Krieg mit uns vor"
23.06.2026

Wladimir Putin wirft der Nato offen Kriegsvorbereitungen gegen Russland vor und kritisiert die steigenden Militärausgaben im Westen. Seine...