Finanzen

Inflation im Dezember durch „Sondereffekte“ deutlich gestiegen

Die Inflation ist in mehreren Bundesländern im Dezember gestiegen, nachdem sie einige Monate gesunken war. Bahnt sich eine Kehrtwende an?
04.01.2024 11:56
Aktualisiert: 04.01.2024 11:56
Lesezeit: 2 min
Inflation im Dezember durch „Sondereffekte“ deutlich gestiegen
Die Inflation ist in mehreren Bundesländern im Dezember gestiegen, nachdem sie einige Monate gesunken war. Bahnt sich eine Kehrtwende an? (Bild: istockphoto.com/photoschmidt) Foto: photoschmidt

Nach fünf Rückgängen in Folge zeichnet sich für Dezember erstmals wieder ein Anstieg der Inflationsrate in Deutschland ab. In den sechs Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen zogen die Verbraucherpreise jeweils stärker an als im November, wie die Statistischen Landesämter am Donnerstag mitteilten.

Die Teuerungsrate bewegte sich dabei zwischen 3,4 (Bayern) und 4,5 (Brandenburg) Prozent. Auf Basis dieser Daten hat das Statistische Bundesamt am Nachmittag eine erste Schätzung für ganz Deutschland veröffentlicht. Die Verbraucherpreise in Deutschland haben im Schnitt des Jahres 2023 demnach um 5,9 Prozent zugelegt. Dies war die zweithöchste Inflationsrate in einem Gesamtjahr seit der Wiedervereinigung, wie das Bundesamt mitteilte.

Grund für den erwarteten Anstieg ist ein Sondereffekt: Der Staat übernahm im Dezember 2022 einmalig die monatliche Abschlagszahlung für Erdgas und Fernwärme, um die Haushalte bei den Energiekosten zu entlasten, die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine infolge von Sanktionen gegen russisches Gas und Öl stark gestiegen waren. Dadurch verteuerte sich Haushaltsenergie nun etwa in Nordrhein-Westfalen um 5,6 Prozent im Vorjahresvergleich, darunter insbesondere Fernwärme um 40,0 Prozent.

"Einen derart großen Basiseffekt gibt es selten", sagte dazu der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. "Abgesehen von statistischen Sondereffekten lässt der Inflationsdruck weiter nach." So sank die sogenannte Kerninflation - bei der Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden - in NRW von 3,7 auf 3,4 Prozent.

Dass der Kampf gegen die Inflation im neuen Jahr eine zähe Angelegenheit bleiben könnte, liegt auch an mehreren politischen Entscheidungen. So dürften die Energiepreise im Januar zulegen, da die CO2-Sondersteuer von 30 Euro je Tonne nicht nur auf 40, sondern auf 45 Euro steigen soll. "Dies könnte in den folgenden Monaten auch auf andere Gütergruppen durchschlagen", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Zudem ist die Preisbremse bei Gas und Strom bereits zum Jahreswechsel ausgelaufen und nicht erst im März. Auch der geplante Zuschuss des Bundes zu den Netzentgelten bei Strom in Höhe von 5,5 Milliarden Euro fällt weg. Zudem zahlen Gas- und Fernwärmekunden wieder die volle Mehrwertsteuer von 19 statt der ermäßigten sieben Prozent. Auch auf Speisen in Restaurants kehrt sie auf das alte Niveau von 19 Prozent zurück.

Die Ökonomen der Deutschen Bank gehen dennoch davon aus, dass die Inflationsrate 2024 sinken wird. Sie dürfte im Jahresschnitt auf etwa 2,6 Prozent fallen. 2023 hat sie bei rund sechs Prozent gelegen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Wirtschaftswende in Ungarn: Pläne für den Euro-Beitritt 2030 nehmen Form an
18.05.2026

Ungarn vollzieht einen wirtschaftspolitischen Richtungswechsel und bindet seine Reformagenda eng an den Euro-Beitritt. Reicht dieser neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschlands Arbeitsmarkt bricht ein: Immer mehr Fachkräfte arbeitslos
18.05.2026

Schwache Frühjahrsbelebung, keine Trendumkehr, mehr Arbeitslose: Der Arbeitsmarkt in Deutschland schwächelt weiter. Das Milliardendefizit...

DWN
Finanzen
Finanzen Greg Abel vor Bewährungsprobe: Anleger prüfen Berkshire Hathaway-Aktie
17.05.2026

Die Berkshire Hathaway-Aktie steht nach dem Machtwechsel von Warren Buffett zu Greg Abel vor einer neuen Vertrauensprobe. Kann der Konzern...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Kommission pocht auf Reformen bei ARD und ZDF
17.05.2026

Gehälterdeckel, Beitragsbremse, mehr Sparsamkeit: Eine Enquete-Kommission in Sachsen-Anhalt hat vor der Landtagswahl ehrgeizige Pläne...

DWN
Finanzen
Finanzen Trauringe aus Gold: Nachhaltig und fair Gold kaufen
17.05.2026

Viele Paare wünschen sich Trauringe aus Gold - möglichst hochwertig und langlebig. Doch die Herkunft des Edelmetalls spielt eine...

DWN
Panorama
Panorama Deutsche Bahn startet günstiges Familienticket für Sommerreisen
17.05.2026

Mit einem neuen Familienticket will die Deutsche Bahn Familien in den Sommerferien entlasten. Für unter 100 Euro sind Hin- und...

DWN
Immobilien
Immobilien Marode Gebäude und Brücken: Sanierungsstau in Berlin erreicht neue Dimensionen
17.05.2026

Von der Technischen Universität bis zum Schloss Bellevue: In Berlin häufen sich gravierende Baumängel und kostspielige...

DWN
Technologie
Technologie KI-Arbeitswelt: Wie Algorithmen den Menschen zur Restgröße machen
17.05.2026

Künstliche Intelligenz verspricht Entlastung, Effizienz und neue Chancen. Doch in der KI-Arbeitswelt zeigt sich eine andere Realität:...