Finanzen

Rentenversicherung warnt vor höheren Beiträgen

Die Deutsche Rentenversicherung warnt vor einem deutlichen Anstieg der Beiträge - die Schuld dafür trüge die Bundesregierung.
09.01.2024 15:45
Aktualisiert: 09.01.2024 15:45
Lesezeit: 3 min
Rentenversicherung warnt vor höheren Beiträgen
Die Deutsche Rentenversicherung warnt vor einem deutlichen Anstieg der Beiträge - die Schuld dafür trüge die Bundesregierung. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Die Deutsche Rentenversicherung hat vor höheren Beiträgen wegen der Kürzungspläne der Bundesregierung beim Zuschuss des Bundes an die Rentenkasse gewarnt. Der Bund stehe nicht zu seinem Finanzierungsanteil, heißt es in einer am Dienstag in Berlin verbreiteten Stellungnahme der Rentenversicherung. "Vielmehr bedient er sich bei der Rentenversicherung." Das sei keine verlässliche Finanzierung.

Als Teil des aktuellen Sparpakets der Regierung hatte das Bundeskabinett am Vortag eine Kürzung des Bundeszuschusses an die Rentenversicherung in den Jahren 2024 bis 2027 um jeweils 600 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Dadurch werde die Reserve der Rentenkasse, die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage, in den nächsten Jahren schneller abgebaut, um die Rentenzahlungen zu finanzieren, betont die Rentenversicherung.

"Um die Nachhaltigkeitsrücklage wieder aufzufüllen, muss der Beitragssatz zur Rentenversicherung früher als bislang vorgesehen angehoben werden." Das bedeute eine Belastung der Versicherten und der Arbeitgeber, die die die Beiträge bezahlten. Aktuell beträgt der Beitragssatz 18,6 Prozent.

Arbeitgeber fordern Reformen

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat Reformen bei Rente und Arbeitszeiten gefordert. Dulger sagte der Deutschen Presse-Agentur am 1. Januar, die Arbeitszeiten müssten flexibilisiert werden. Er warnte zudem vor einem Loch in der Rentenkasse.

"Wenn jetzt die Babyboomer in Rente gehen, dann wechseln ungefähr vier Millionen Menschen ihren Status vom Beitragszahler zum Leistungsempfänger. Und dafür braucht man nicht studiert haben, um zu verstehen, dass, wenn man von mehr als 45 Millionen Erwerbstätigen in wenigen Jahren auf 40 Millionen oder gar auf 39 Millionen runterfährt, nicht nur in der Rentenkasse ein Loch entsteht. Dann müssen wir darüber reden, können wir das zukünftige Rentenniveau halten?"

Wenn dieses gehalten werden solle, werde ein Großteil des Bundeshaushalts noch mehr in Soziales fließen. "Das macht mir große Sorge. Und wir müssen uns gemeinsam die Frage stellen: Können wir uns vorstellen, das Renteneintrittsalter an die durchschnittliche Lebenserwartung zu koppeln? Darüber müssen wir ehrlich reden. Das ist übrigens in vielen anderen Ländern längst üblich."

"Wir stehen mit unserem Arbeitszeitgesetz in einer Zeit von Telex und Wählscheibe", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. "Es beschränkt sich auf die tägliche Arbeitszeit. Wir leben aber mittlerweile im digitalen Zeitalter und verfügen über ein modernes und flexibles europäisches Arbeitszeitgesetz." Die Arbeitgeber wünschten sich von der Bundesregierung die Umsetzung dieses Gesetzes auch in Deutschland mit einem zeitgemäßen Fokus auf die Wochenarbeitszeit.

"Damit schafft man den passenden Zeitrahmen zur tatsächlichen Arbeitsflexibilisierung. Ein Beispiel: ein Mitarbeiter, der in der Verwaltung tätig ist, der am Computer arbeitet, der durchaus auch mal mobil arbeiten kann, egal ob er das von zu Hause oder von irgendwo anders her tut. Der arbeitet von morgens neun bis eins oder zwei, dann holt er sein Kind aus der Kita und setzt sich abends von 22 und 23 Uhr nochmal an den Rechner, um ein paar Emails zu beantworten. Der darf dann aber am nächsten Tag erst gegen zehn Uhr weiterarbeiten, weil er sonst die gesetzliche Ruhezeiten nicht einhält. Das ist doch Irrsinn und geht an der Lebensrealität vieler Familien einfach komplett vorbei."

Es müsse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgehandelt werden, wie das jeweilige Arbeitszeitmodell aussieht. "Was wir brauchen, ist etwas mehr Vertrauen vom Staat."

Dulger lehnt Vier-Tage-Woche ab

Zu Forderungen von Gewerkschaftsseite nach einer Vier-Tage-Woche sagte Dulger: "Eine Vier-Tage Woche und dann noch bei vollem Lohnausgleich ist genau das Gegenteil von dem, was wir brauchen in einer Zeit des massiven Fachkräftemangels. Wir spüren alle, dass wir die Aufgaben nicht mehr bewältigt bekommen."

Nun als Lösung in Erwägung zu ziehen, dass alle noch weniger arbeiteten, führe zum falschen Ergebnis. "Unsere Wettbewerber arbeiten länger als wir. Wie kommen wir darauf, unsere heute schon weltweit niedrigen Arbeitsstunden weiter zu senken? Wenn wir unseren Wohlstand in diesem Land erhalten wollen, müssten wir alle mehr arbeiten, aber auf jeden Fall nicht weniger."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Handelskompromiss mit China: Was der Deal Deutschland bringt
12.10.2026

Nach wochenlangen Spannungen haben sich die Europäische Union und China auf erste konkrete Schritte zur Entschärfung ihres...

DWN
Politik
Politik Trumps überraschende Entscheidung, russischen Kraftstoff in die USA zu importieren, sorgt weltweit für Aufsehen
12.10.2026

Donald Trumps Vereinbarung mit Russland zeigt den wachsenden Druck, die Kraftstoffpreise zu senken, und markiert einen deutlichen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldreserven wachsen rasant: China kauft so viel Gold wie seit drei Jahren nicht
12.10.2026

Die chinesische Zentralbank ist auf dem besten Weg, bei den Goldreserven an den Zentralbanken Frankreichs und Italiens vorbeizuziehen. Nach...

DWN
Panorama
Panorama Klimaschutz bis 2045: Welche Kosten auf Deutschland zukommen
12.10.2026

Elektroautos, erneuerbare Energien und ein angepasstes Stromnetz: Deutschlands Weg zur Klimaneutralität verlangt hohe Investitionen. Eine...

DWN
Technologie
Technologie Handy-Sicherheit im Unternehmen: Ein verlorenes Smartphone kann alles lahmlegen
12.10.2026

Ein verlorenes Smartphone wirkt zunächst wie ein überschaubares Problem. Doch auf dem Gerät liegen längst E-Mails, Zugänge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ryanair-Aktie: Airline ändert Check-in-Regeln und verkürzt Zeit für die Gepäckaufgabe
12.10.2026

Ryanair-Passagiere müssen aufgegebenes Gepäck am Flughafen künftig früher abgeben. Die Fluggesellschaft verkürzt die Öffnungszeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Plus 20 Prozent: Briefporto könnte stärker steigen als jemals zuvor
12.10.2026

Das Briefporto könnte in Deutschland so stark steigen wie noch nie. Die Bundesnetzagentur hat einen neuen Preisspielraum vorgeschlagen,...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie steigt trotz sinkender Verkäufe: Was den Anlegern und dem Konzern Hoffnung gibt
12.10.2026

Volkswagen verkauft deutlich weniger Autos, doch die VW-Aktie legt zu. Vor allem China belastet den Konzern, während sich in Europa ein...