Politik

FDP-Vize warnt vor dem Aus der Ampel

Der stellvertretende FDP-Wolfgang Kubicki hat die Koalitionspartner SPD und Grüne zu einem dringenden Kurswechsel aufgefordert. Kubicki warnt vor einem baldigen Auseinanderbrechen der Ampelkoalition.
03.02.2024 13:55
Lesezeit: 2 min
FDP-Vize warnt vor dem Aus der Ampel
Ahnt nichts Gutes: FDP-Vize Kubicki (Foto: dpa) Foto: Philipp von Ditfurth

Angesichts dramatisch fallender Umfragewerte – die meisten Umfragen-Institute sehen inzwischen die FDP unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde – steigt bei den Liberalen erkennbar die Nervosität. In einem Interview hat der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Parteivize Wolfgang Kubicki vor einem Auseinanderbrechen der Koalition gewarnt: „Ich ahne für die nächsten Monate nichts Gutes.“ Kubicki sieht dafür die Verantwortung bei SPD und Grünen und mahnt bei den Koalitionspartnern einen Kurswechsel an.

Angriff auf SPD und Grüne

„Der Angriff des SPD-Fraktionsvorsitzenden in der Haushaltsdebatte auf die FDP beim Kindergeld beziehungsweise dem Kinderfreibetrag unter Missachtung der Vereinbarungen in der Koalition zeigt, dass die Spannungen in der Koalition zunehmen", sagte Kubicki. Der FDP-Vize bezog sich dabei auf den SPD-Fraktionschef Mützenich, der im Bundestag Überlegungen der FDP eine Absage erteilt hatte. Auch den grünen Vizekanzler Robert Habeck rügte Kubicki scharf. Diesem warf er vor, im Bundestag der Opposition Verhandlungen über ein neues Sondervermögen für die Wirtschaft angeboten zu haben, ohne dies vorher mit dem Koalitionspartner abgesprochen zu haben. Wer so handele, sagte Kubicki, habe „sich innerlich schon von der Koalition verabschiedet. Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Regierung sieht anders aus.“

Auch der Generalsekretär der FDP Bijan Djir-Sarai rügte die Koalitionspartner scharf: „Wir müssen die Menschen, Betriebe und Unternehmen in Deutschland entlasten.“ Die sei „die Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung, den wir dringend brauchen und der von zentraler Bedeutung für dieses Land“ sei. Djir-Srai fügte dann hinzu: „Dass Grüne und SPD diese Realität nicht anerkennen wollen, ist sehr besorgniserregend.“

Interne Kritik

Unter zunehmendem Druck gerät die FDP-Führung auch in den eigenen Reihen. Auf der jüngsten Sitzung der FDP-Bundestagsfraktion entlud sich lange aufgestauter Unmut. Im Visier der Kritiker stand vor allem die Fraktionsführung: Man verhandele schlecht, gebe SPD und Grünen zu oft nach, wie beispielsweise beim Einwanderungsgesetz. Und: Während die wirtschaftliche Lage im Land verheerend sei, versende die Social-Media-Abteilung der Fraktion lustige Videos. Dies gehe an der Realität und der Stimmungslage vieler Wähler vorbei, so die Kritiker in der Fraktion. Als erste Reaktion haben nun Finanzminister Christian Lindner und Justizminister Marco Buschmann das Lieferkettengesetz gestoppt – sehr zum Missfallen von SPD und FDP.

Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass sich an den Beratungen zum nächsten Haushalt das Schicksal der Ampel-Koalition entscheidet. FDP-Vize Kubicki hat bereits angekündigt, dass sich in der Koalition „Fliehkräfte“ entwickelt hätten, die im Rahmen der Beratungen zum Haushalt 2025 noch zunehmen würden. Bei nicht wenigen Abgeordneten verfestigt sich zunehmend der Eindruck, dass ein Festhalten an der Ampel-Koalition die weitere parlamentarische Existenz der FDP gefährde. Eine Mitgliederbefragung der FDP über den Verbleib in der Koalition hatte vor wenigen Wochen nur eine knappe Mehrheit für ein Festhalten an der Ampel ergeben. Seitdem ist aber die Stimmung vor dem Hintergrund desaströser Umfragen kaum besser geworden.

Bei den Liberalen werden zunehmend Erinnerungen an das Jahr 2013 wach. Bei der Wahl am 22. September verlor die FDP im Vergleich zur Vorwahl 9,8 Prozentpunkte und erreichte nur noch 4, 8 Prozent, womit sie unterhalb der Fünf-Prozent-Marke blieb und aus dem Bundestag flog.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ripple startet RWA-Strategie, AMT DeFi-Verträge für erneuerbare Energien gehen live – XRP beginnt einen neuen Aufwärtszyklus

Mit der beschleunigten Einführung der RWA-Strategie (Real World Assets) durch Ripple entwickelt sich die Blockchain-Branche von reinem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreisgrenze: EU senkt Preisobergrenze für russisches Öl ab 1. Februar
17.01.2026

Der Westen zieht die Daumenschrauben bei russischem Öl weiter an: Ab Februar sinkt die Preisobergrenze erneut. Ziel ist es, Moskaus...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldanlage 2026: Welche Assets Anleger und Sparer im Blick behalten sollten
17.01.2026

2026 bringt Anlegern neue Unsicherheiten – und neue Chancen. Zwischen schwankenden Börsen, geopolitischen Risiken und persönlichen...

DWN
Immobilien
Immobilien Risiken für Hausbesitzer: Top-Ökonom Asmussen warnt vor Preisschock bei Versicherungsprämien
17.01.2026

Extreme Wetterereignisse verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa und belasten zentrale Sicherungssysteme. Warnt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW Research: Ausgaben bei Forschung und Entwicklung stagnieren – Deutschlands Vorsprung schmilzt
17.01.2026

Deutschland zählt noch immer zu den größten Forschungsnationen – doch der Vorsprung schmilzt. Während andere Länder ihre...

DWN
Finanzen
Finanzen PayPal-Datenschutz: In drei Schritten zu mehr Privatsphäre beim Bezahlen
17.01.2026

PayPal weiß oft mehr über Ihre Zahlungen, als Ihnen lieb ist – und diese Informationen können für Werbung genutzt werden. Wer seine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Drogeriemarkt DM expandiert: Omnichannel-Strategie treibt Auslandsgeschäft an
17.01.2026

Der DM-Konzern treibt den Ausbau seines Auslandsgeschäfts trotz hoher Anlaufkosten gezielt voran. Geht die Skalierungsstrategie des...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Eberswalder Wurst: Fleischriese Tönnies macht Traditionsbetrieb dicht – warnendes Lehrstück für andere Unternehmen
16.01.2026

Mit der Schließung der Eberswalder Wurstwerke verschwindet ein weiterer DDR-Traditionsbetrieb. Das Werk im brandenburgischen Britz wird im...

DWN
Politik
Politik Trump setzt sich durch: Wie die Abstimmung im US-Senat den Kongress spaltet
16.01.2026

Donald Trump demonstriert erneut, wie eng seine Machtbasis im US-Kongress weiterhin ist, selbst bei umstrittenen außenpolitischen Fragen....