Politik

Die Rückkehr zum alten Steuersatz für Gas verzögert sich

Eigentlich soll ab Anfang März wieder der normale Mehrwertsteuersatz beim Gas gelten. Doch ein entsprechendes Gesetz hängt fest - zum Vorteil der Verbraucher?
04.02.2024 11:31
Aktualisiert: 04.02.2024 11:31
Lesezeit: 2 min

Verbraucher können darauf hoffen, dass die Mehrwertsteuersenkung bei Gas doch erst Ende März ausläuft - und nicht Ende Februar. Aus der SPD kamen vor dem Hintergrund von Verhandlungen zwischen Bundesrat und Bundestag dazu entsprechende Signale. Die Energiebranche forderte die Politik auf, die Steuersenkung bis Ende März gelten zu lassen. Das würde Haushalte bis zum Ende der Heizperiode entlasten, sagte die Chefin des Bundesverbands der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae.

Wegen der gestiegenen Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz für Gas und Wärme von 19 auf 7 Prozent gesenkt und beides so billiger gemacht. Laut geltendem Gesetz soll die Maßnahme Ende März auslaufen.

Das vom Bundestag verabschiedete Wachstumschancengesetz sieht aber vor, dass die Mehrwertsteuersenkung bereits Ende Februar ausläuft. Denn die Energiepreise seien mittlerweile wieder gesunken, heißt es zur Begründung.

Gesetz hängt fest

Das Wachstumschancengesetz aber hängt im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag fest. Es sieht im Kern steuerliche Entlastungen für Firmen von sieben Milliarden Euro im Jahr vor. Der Bundesrat hatte das Gesetz blockiert, weil es zu Einnahmeausfällen bei den Ländern führt. Der Vermittlungsausschuss tagt am 21. Februar. Die nächste reguläre Sitzung des Bundesrats ist am 22. März, wobei es auch eine Sondersitzung geben könnte.

Der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Schrodi, sagte, das Auslaufen des ermäßigten Steuersatzes auf Gas und Fernwärme zu Ende Februar hätte erfordert, dass der Bundesrat am vergangenen Freitag die entsprechende Änderung des Umsatzsteuergesetzes beschließt. „Das ist nicht passiert. Wir gehen deswegen davon aus, dass es bei dem ursprünglich beschlossenen Zeitraum bis Ende März bleibt, denn ein rechtzeitiger Gesetzesbeschluss ist nun nicht mehr möglich. Im Ergebnis begrüßen wir das, denn wir haben uns von Beginn an dafür eingesetzt, dass die Menschen bis zum Ende der Heizperiode bei den Heizkosten entlastet bleiben.“

Energiebranche fordert Planungssicherheit

Andreae sagte: „Für die Unternehmen ist entscheidend, dass sie rechtzeitig Klarheit haben, um die notwendigen Anpassungen fristgerecht umzusetzen.“ Eine Rückumstellung sowie Rückverrechnung für die Unternehmen wäre „prozessual und technisch komplex, nur extrem schwer realisierbar und vor allem den Kunden nicht mehr vermittelbar“ - sollte die Politik erst im März entscheiden, dass die Mehrwersteuersenkung Ende Februar ausläuft.

Rechnungen müssten nachträglich korrigiert werden, künftige Rechnungen könnten nicht rechtzeitig gestellt und Abschlagspläne nicht angepasst werden, sagte Andreae. „Aus Sicht der Energiewirtschaft sollte die vorgezogene Erhöhung im Vermittlungsausschuss fallengelassen werden. Stattdessen sollte die Senkung der Mehrwertsteuer verlässlich und planbar wie gesetzlich vorgesehen Ende März auslaufen.“

Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU), Ingbert Liebing, sagte, dass das Hin und Her in den vergangenen Monaten viel Unruhe und Unsicherheit bei Stadtwerken und deren Kunden geschaffen habe. „Erst recht dann, wenn Klarheit erst kurz vor knapp geschaffen wird, zumal uns die Fantasie fehlt, wie man ein Auslaufen zum 29. Februar 2024 noch gesetzgeberisch hinbekommen möchte.“ Schließlich wäre die kurzfristige Umsetzung wieder mit großem Aufwand und hohen Kosten verbunden.

Liebing verwies unter anderem auf eine IT-Umstellung und Information an Kunden. Der VKU rate daher dringend von einem vorzeitigen Auslaufen ab.

Was das für Verbraucher bedeutet

Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox würde eine verspätete Anhebung der Mehrwertsteuer für eine Familie mit einem Durchschnittsverbrauch von 20 000 Kilowattstunden eine Entlastung von 20 Euro bringen. Die Belastung durch die Rückkehr zum vollen Mehrwertsteuersatz wiege dann aber aufs Jahr gerechnet deutlich schwerer: Die Musterfamilie zahle derzeit mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz im bundesweiten Durchschnitt 2074 Euro für Gas. Mit dem vollen Satz von 19 Prozent seien es dann 2307 Euro - ein Anstieg von 11 Prozent.

Verivox-Energieexperte Thorsten Storck sagte: „Verbraucher haben durch die Umstellung kein gesetzliches Sonderkündigungsrecht. Daher sollten sie frühzeitig ihren Vertrag prüfen und sich um einen möglichst günstigen Tarif kümmern.“ (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Der wachsende Trend zu digitalen Zusatzeinkommen im deutschen Mittelstand

Wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Lebenshaltungskosten verändern das Verhältnis vieler Beschäftigter und Selbstständiger zu...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Warum der Rüstungsstar plötzlich Rost ansetzt
09.07.2026

Rheinmetall war der große Gewinner der europäischen Aufrüstung, doch nun zeigt der Börsenstar Schwächen. Nach dem Aus für das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Moderna will gegen Krebs impfen
09.07.2026

Der amerikanische Pionier im Bereich der mRNA-Impfstoffe, der während der Pandemie weltweite Bekanntheit erlangte und Milliarden...

DWN
Politik
Politik Deutschland kauft Tomahawk-Marschflugkörper in den USA
09.07.2026

Die US-Regierung hat der vereinbarten Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern unter Trump eine Absage erteilt. Nun gibt es eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Umfrage: Deutsche sorgen sich um finanzielle Zukunft
09.07.2026

Inflation und Krisen setzen viele Menschen unter Druck: In einer Umfrage gibt mehr als die Hälfte der Deutschen an, künftig mehr sparen...

DWN
Politik
Politik Wird Montenegro das nächste EU-Mitglied? Brüssel zählt die Tage, Zagreb stellt Bedingungen
09.07.2026

Nach Jahren der Erweiterungsmüdigkeit zählt Brüssel wieder herunter: Montenegro soll bis 2028 EU-Mitglied werden. Doch vor dem Beitritt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliarden-Zukauf: Deutz möchte Rüstungsfirma FFG kaufen
09.07.2026

Der Motorenbauer Deutz setzt seinen Expansionskurs fort und hat zuletzt eine Akquisition nach der anderen verkündet. Nun plant das...

DWN
Finanzen
Finanzen Europas Fußball-Markt: Erneut Umsatzrekord, doch Stagnation droht
09.07.2026

Europas Fußball-Markt hat laut einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft seinen Rekordkurs fortgesetzt. Auch die Bundesliga trägt dazu bei....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Künstliche Intelligenz in der Autoindustrie: Warum Ford wieder Menschen braucht
09.07.2026

Ford wollte mit künstlicher Intelligenz Qualität sichern, Kosten senken und die Produktion effizienter machen. Doch ausgerechnet dort, wo...