Finanzen

Den Bullenmarkt in seinem Lauf ... : DAX knackt 18.000 Punkte, Bitcoin über 73.000 Dollar

Den Bullenmarkt in seinem Lauf halten weder schwache Wirtschaftszahlen aus Deutschland noch alte Kurswiderstände auf. Der DAX knackt einen Meilenstein und auch Bitcoin erreicht ein neues Rekordhoch. Ist es jetzt zu spät für den Einstieg?
13.03.2024 16:26
Lesezeit: 4 min
Den Bullenmarkt in seinem Lauf ... : DAX knackt 18.000 Punkte, Bitcoin über 73.000 Dollar
Der Bullenmarkt scheint unaufhaltsam zu sein - DAX und Bitcoin sind täglich auf Rekordjagd. (Bild: Pixabay)

Beflügelt von Zinsfantasien hat der DAX am Mittwoch erstmals die psychologisch wichtige Marke von 18.000 Punkten übersprungen. Der deutsche Leitindex kletterte am Vormittag in der Spitze um 0,2 Prozent auf ein Allzeithoch von 18.001,42 Zählern. Die Aussicht auf bald sinkende Zinsen in den USA und im Euroraum treiben die Kurse seit Monaten in die Höhe. Der EuroStoxx 50 gewann 0,4 Prozent auf 5001 Punkte. Damit stieg der Leitindex der Eurozone erstmals seit dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends wieder über 5000 Punkte.

Bei den Einzelwerten im DAX stand Zalando mit einem Plus von mehr als zwölf Prozent im Mittelpunkt. Der Online-Händler habe die Erwartungen mit seinen Zahlen für 2023 und seinem Ausblick auf das laufende Jahr erfüllt, sagten die Analysten der Baader Bank. Die mittelfristigen Aussichten bis 2028 seien ermutigend. Auch der Ausblick von Eon gefiel den Anlegern. Die Aktie des Energieversorgers gewann 6,4 Prozent. Die Vorzugsaktien von Volkswagen sackten derweil um fast 6 Prozent ab. Wie Finanzchef Arno Antlitz während der Telefonkonferenz sagte, rechnet er in China weiterhin mit Marktanteilsverlusten bei Elektroautos.

Die wirtschaftlichen Realitäten in Deutschland geben eigentlich keine Rally her. Doch trotz aller Abgesänge auf die deutsche Wirtschaft läuft es für einige Dax-Konzerne rund, Versicherer wie die Allianz fahren Rekordgewinne ein.

Auch die am Dienstag überraschend gestiegenen US-Inflationsdaten konnten die Kauflaune der Investoren nicht trüben. Die Anleger fokussierten sich nun mehr für die übergeordnete Aussicht auf Zinssenkungen, das Tempo sei dabei nicht gänzlich ausschlaggebend, meint CMC-Marktanalyst Jochen Stanzl. "Wie die Fed hat auch der Aktienmarkt den Luxus, nicht mehr auf schnelle Zinssenkungen der Fed angewiesen zu sein, weil das Gewinnwachstum und Trendthemen wie Künstliche Intelligenz für Fantasie in den Kursen sorgen."

Kursrekorde purzeln - auch bei Bitcoin und Gold

An den Börsen hat sich in jüngster Zeit Euphorie breit gemacht. In einem Rekordlauf hat der DAX zuletzt beinahe täglich neue Höchststände erreicht. Zwar schwächelt die deutsche Wirtschaft, doch die 40 Konzerne im Leitindex sind global aufgestellt und machen große Teile ihrer Geschäfte im Ausland, wo die Konjunktur stärker ist als im Heimatmarkt - zum Beispiel in den USA.

Zuletzt zogen starke US-Börsen, die von einer robusten Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und einem Hype um Künstliche Intelligenz profitieren, den deutschen Aktienmarkt nach oben. Der US-Aktienmarkt ist für Anleger als Leitbörse unangefochten. Läuft es dort gut, kommt das auch dem DAX zugute.

Auch die Aussicht auf eine schneller als erwartet sinkende Inflation in der Eurozone den deutschen Aktienmarkt beflügelt. Denn damit rückt eine erste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) näher. Für das laufende Jahr rechnet die Notenbank mit einer Teuerungsrate von 2,3 Prozent, in ihrer im Dezember vorgelegten Prognose war sie noch von 2,7 Prozent ausgegangen. Im Juni könnten die Leitzinsen sinken, wie Präsidentin Christine Lagarde kürzlich in Frankfurt angedeutet hatte. Niedrige Zinsen sind traditionell ein Treiber für die Aktienkurse, da dann alternative sichere Anlagen weniger attraktiv werden.

Gold ist zurzeit ebenfalls ein gefragtes Asset. Auch hier treibt die Aussicht auf sinkende Zinsen den Kurs, der zuletzt nur knapp unter dem Rekord von 2195 US-Dollar je Feinunze lag. Je niedriger die Kapitalmarktzinsen sind, desto attraktiver wird der Kauf von Gold, das weder Zins noch Dividende abwirft. Außerdem schätzen Investoren Gold als sicheren Anlagehafen - und die geopolitischen Risiken sind mit durch die Spannungen in der Ukraine und im Nahen Osten allgegenwärtig.

Auch der Bitcoin profitiert vom allgemeinen Bullenmarkt. Das alte Rekordhoch von 69.000 Dollar wurde schon vor Tagen geknackt, aktuell notiert die älteste Kryptowährung bei knapp 73.000 Dollar - nach einem Tageshöchstkurs von 73.661 Dollar. Der Gesamtwert aller Bitcoins überschritt am Montag erstmals die Bewertung der globalen Silber-Bestände. Nach Berechnungen des Fachportals "Infinite Market Cap" hat Bitcoin derzeit eine Marktkapitalisierung von 1,5 Billionen Dollar (1,3 Billionen Euro), Silber kommt nur auf knapp 1,4 Billionen Dollar.

Bei der starken Bitcoin-Kursentwicklung dürfte auch ein Ereignis eingepreist sein, das für den 20. April erwartet wird: das nächste sogenannte "Halving". Dabei halbiert sich die Belohnung, die Bitcoin-Miner für die Verifizierung von Krypto-Transaktionen erhalten. Letztlich führt der Vorgang zu einem langsamer wachsenden Angebot an Bitcoin, was in der Vergangenheit meist steigende Kurse zur Folge hatte.

DAX ist "überkauft"

Experten warnen aber auch immer wieder vor Sorglosigkeit und der Gefahr einer Korrektur im DAX. Der deutsche Leitindex sei inzwischen "überkauft". Die Stimmung bleibe positiv und derzeit reiche es schon, wenn bei großen Zahlen wie der US-Inflationsrate eine negative Überraschung ausbleibe, um den Markt weiter nach oben zu treiben.

Die Euphorie der Anleger kennt derzeit keine Grenzen. Es scheint, als ob der DAX und auch Bitcoin in gewisser Hinsicht von dem (KI-)Hype um die "Big-Seven"-Aktien, insbesondere Nvidia, mitgerissen wird. Gemäß Berechnungen der Research-Firma "Risk Concern" beträgt die Langzeit-Korrelation zwischen dem deutschen Leitindex und den beiden wichtigsten amerikanischen Indizes, SP500 und Nasdaq, 0,8 beziehungsweise 80 Prozent. Ende 2023, als es eine massive Jahresendrally gab, lag die Korrelation bei um die 0,9. Bei einem Wert von 1 würde ein perfekter linearer Zusammenhang vorliegen.

Viele Indikatoren sprechen für einen überhitzten Bullenmarkt. So ist beispielsweise das Volumen an Absicherungs-Geschäften (Put-Optionen) beim US-Leitindex SP500 auf historischen Tiefständen - so ist es vor jedem größeren Börseneinbruch gewesen. Der Volatilitäts-Index (VIX), oft als "Angst-Indikator" der Wall Street bezeichnet, ist zuletzt leicht gestiegen aber 13,9 liegt weit am unteren Ende der historischen Bandbreite. Und der von CNN ermittelte "Fear-and-Greed-Index" beträgt aktuell 69 von 100, womit den Anlegern eindeutig "Gier" bescheinigt wird. Das oberste Quartil ("extreme Gier") startet bei 75.

An Gewinnmitnahmen stirbt man nicht

"Die Haltung der Anleger spiegelt weniger Zuversicht wider, sondern eher Sorglosigkeit und die Furcht, etwas zu verpassen", schreiben Experten der Landesbank Baden-Württemberg. Sie erwarten zunehmende Gewinnmitnahmen im Sommer.

Es ist Vorsicht geboten. Ein Einstieg in das Top eines Marktes birgt Risiken - auch wenn Finanzexperten generell davon abraten, mit den Aktien-Investitionen auf günstigere Einstiegskurse zu warten. Die Fallhöhe, im DAX sichtbar an den Tiefstkursen im letzten Bärenmarkt 2022/23 von 12.000 Punkten, ist erheblich. Wer schon investiert ist: Einen Teil der Positionen zu verkaufen, ist durchaus eine Überlegung wert. Eine bekannte Börsenweisheit besagt, dass noch kein Anleger an Gewinnmitnahmen gestorben ist. Die steuerlichen Nachteile muss man aber einkalkulieren.

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