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Letzter ICE 4 ausgeliefert - Bahn kommt beim Flottenaufbau voran

Die ICE-4-Flotte der Bahn ist vollständig, das letzte bestellte Fahrzeug übergeben. Die Bahn bringt immer mehr Fernzüge auf die Schiene - die Unpünktlichkeit bekommt sie damit aber nicht in den Griff.
21.03.2024 08:20
Lesezeit: 3 min
Letzter ICE 4 ausgeliefert - Bahn kommt beim Flottenaufbau voran
Mission erfüllt: Roland Busch (l-r), Chef der Siemens AG, Richard Lutz, Vorstand der Bahn, Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Mobilitätssenatorin Manja Schreiner (CDU). (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Mindestens 444 Sitze und bis zu 260 Kilometer pro Stunde: Der ICE 4 gilt bei der Deutschen Bahn als „Rückgrat des Fernverkehrs". Seit 2017 ist er in Betrieb. Vor wenigen Tagen lieferte der Hersteller Siemens Mobility den letzten bestellten Zug an den bundeseigenen Konzern. Bahnchef Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) taufen ihn an diesem Dienstag in Berlin auf den Namen „Spree". Mit insgesamt 137 Zügen ist der ICE-4-Fuhrpark der Bahn damit vollständig. Beim Ausbau seiner Fernverkehrsflotte kommt das Unternehmen aus Sicht von Fachleuten gut voran. Doch die wesentlichen Stellschrauben für mehr Pünktlichkeit und Verlässlichkeit liegen woanders.

Mit der Auslieferung des letzten bestellten ICE 4 hat sich die Zahl der ICE-Züge bei der Deutschen Bahn seit 2017 von damals 270 auf mehr als 400 erhöht. Bis 2030 soll diese Zahl auf mehr als 450 Fahrzeuge steigen. Das Durchschnittsalter der Fernzüge soll im selben Zeitraum sinken, von derzeit 18 auf dann 12 Jahre. Neben dem ICE 4 läuft seit mehr als einem Jahr die Auslieferung des ICE 3 Neo, einer Neuauflage des ICE 3. 90 dieser Züge sollen bis 2028 in Betrieb sein. Für Ende dieses Jahres ist zudem der Auslieferungsbeginn von 79 sogenannten ICE L geplant.

ProBahn sieht die Bahn auf richtigem Weg

Damit sei die Bahn bei der Erneuerung der Flotte auf dem richtigen Weg, sagt Detlef Neuß, Vorsitzender des Fahrgastverbands ProBahn. „Ob die Flotte ausreicht, wird sich nachher im Betrieb zeigen." Mehr Verlässlichkeit im Fernverkehr hänge auch davon ab, wie störanfällig die neu hinzukommenden Fahrzeuge seien.

Probleme bei den Fahrzeugen scheint die Bahn inzwischen im Griff zu haben. „Fahrzeugstörungen mit Auswirkungen auf die Pünktlichkeit sind im Vergleich zu 2017 um über 40 Prozent zurückgegangen", teilt der Konzern auf Anfrage mit. Das war auch mal anders. Beim ICE 4 etwa stoppte die Bahn die Auslieferung im Jahr 2019 wegen fehlerhafter Schweißnähte über Monate. Die Züge, die den Verkehr verlässlicher machen sollten, führten nun selbst zu Verspätungen.

Inzwischen fahren alle Züge wie vorgesehen. Doch die Unpünktlichkeit hat sogar noch zugenommen. Die Gründe dafür liegen woanders. „80 Prozent der Verspätungen sind im letzten Jahr auf die Störungen der Infrastruktur zurückgegangen", sagt Neuß. „Marode Schienenwege, Signale, die nicht funktionieren, das ist eigentlich der Hauptgrund für die Verspätungen bei der DB AG." Ähnlich sieht es auch der Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene, Dirk Flege: „Zwar machen neue Fahrzeuge den Betrieb stabiler", sagt er. „Aber zur Verbesserung der Schieneninfrastruktur gibt es keine Alternative."

40 Korridore sollen modernisiert werden

Das Thema will die Bahn in den nächsten Jahren angehen mit der sogenannten Generalsanierung. 40 viel befahrene Streckenkorridore sollen bis zum Jahr 2030 grundlegend modernisiert und ertüchtigt werden. Für die Fahrgäste bedeutet das zunächst zusätzliche Einschränkungen, denn die Strecken werden für die Bauarbeiten jeweils über mehrere Monate gesperrt. Los geht es in diesem Sommer auf der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Im kommenden Jahr ist den Angaben nach die Strecke zwischen Hamburg und Berlin dran.

Die Bahn beziffert den Finanzbedarf im Netz bis 2027 auf 45 Milliarden Euro. Rund 40 Milliarden Euro hatte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zugesagt, doch mit dem Haushaltsurteil im vergangenen Jahr gelten diese Pläne inzwischen nicht mehr als gesichert. Sollte weniger Geld fließen, müsste die Deutsche Bahn bei der geplanten Generalsanierung des Netzes deutlich abspecken. Die Unpünktlichkeit bliebe weiter hoch. „Wegen der weiteren Planungen sind wir fortlaufend im Gespräch mit unserem Eigentümer, dem Bund, der sich klar zur Schiene bekannt hat", teilte der Konzern dazu jüngst mit.

Der weitere Flottenhochlauf steht trotz der finanziellen Unsicherheit indes nicht infrage. „Wir haben die Beschaffung auf den Weg gebracht, und ich sehe keine Notwendigkeit, davon Abstand zu nehmen", sagte vor einigen Wochen der Aufsichtsratschef der Bahn, Werner Gatzer. „Es dauert ja eine Weile, bis die neuen Züge geliefert und bezahlt werden." (dpa)

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