Wirtschaft

Deutsche Bahn tief in den roten Zahlen: Milliardenverlust deutlich höher als erwartet

Die Deutsche Bahn vermeldet für 2023 einen Verlust von zwei Milliarden Euro, weit über den erwarteten Zahlen. Das marode Schienennetz belastet und auch der große Schuldenberg bereitet Sorgen. Der gebeutelte Staatskonzern steht nun vor einer strategischen Neuausrichtung.
13.03.2024 13:00
Aktualisiert: 13.03.2024 13:50
Lesezeit: 2 min

Die Deutsche Bahn ist Konzerndokumenten zufolge 2023 noch tiefer in die roten Zahlen gefahren als erwartet. Das halb-staatliche, halb-private Unternehmen weist unterm Strich einen Verlust von zwei Milliarden Euro aus, wie Unterlagen zeigen, die der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlagen. Eine Sprecherin der Bahn wollte sich zu den Zahlen nicht äußern und verwies auf die Bilanzpressekonferenz nächste Woche.

Hauptgründe sind hohe Ausgaben für das marode Netz sowie eine drastischer Gewinn-Rückgang der Speditionstochter Schenker. Ende 2023 hatte die Bahn laut internen Papieren noch mit einem Minus von nur rund 1,3 Milliarden gerechnet. Zum Vergleich: 2022 betrug der Verlust nur etwas über 200 Millionen Euro, der Umsatz lag bei über 56 Milliarden Euro. Dieser schmolz nun auf 45 Milliarden Euro zusammen. Dennoch plant der Konzern 2024 eine Rückkehr in die Gewinnzone. Zumindest ohne Zins- und Steuerzahlungen soll das Plus rund 1,3 Milliarden Euro betragen.

Marodes Schinennetz verschlingt große Summen

Zum einen muss die Bahn große Summen für das marode Schienennetz stemmen. Das Netz war früher mit den Erlösen aus den Nutzungsgebühren für die Gleise ein wichtiger Gewinnlieferant für den Konzern. Viele Jahre wurde aber an der Instandhaltung gespart, was sich jetzt rächt. 2022 hatte das Netz noch einen Betriebsgewinn von 600 Millionen Euro abgeliefert. Nun ein Jahr später schlägt ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro zu Buche. Allerdings ist die Bahn 2023 bei den Ausgaben teils in Vorleistung gegangen und erwartet noch zugesagte Mittel von mehreren Hundert Millionen Euro vom Staat. Diese sollen nun 2024 fließen, was teilweise Grund dafür ist, dass die Bahn im laufenden Jahr Jahr zumindest beim Betriebsergebnis wieder in die Gewinnzone will.

Einzige Gewinnsparte steht vor dem Verkauf

Zum anderen ging der Gewinn der internationalen Speditionstochter Schenker auf rund eine Milliarde Euro von 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2022 zurück. Die hohen Frachtraten aus der Zeit von Lieferengpässen im Zuge der Corona-Krise haben sich normalisiert. Auch für dieses Jahr erwarte der Konzern wieder einen Gewinn in ähnlicher Höhe. Die Zahlen haben besondere Bedeutung, da die Bahn Schenker zum Verkauf gestellt hat und noch dieses Jahr einen neuen Eigentümer finden will. Mit den erwarteten Erlösen - Schätzungen liegen zwischen 12 und 15 Milliarden Euro - soll der Schuldenberg des Mutterkonzerns reduziert werden. Den Papieren zufolge beträgt er inzwischen 34 Milliarden Euro. Eine Reduzierung ist auch deshalb wichtig, damit die Bahn ihre Kreditwürdigkeit verteidigen kann und so weniger Zinsen für zukünftige Neuschulden zahlen muss.

Strategisch will die Bahn sich künftig mehr auf das Kerngebiet Eisenbahn in Deutschland konzentrieren, worauf auch die Ampel-Koalition dringt. Andererseits fehlt der Bahn damit der wichtigste Gewinn-Lieferant, der die Verluste in Deutschland ausgleicht.

Güterbahn ist hochdefizitär

Dies macht sich vor allem beim chronisch kriselnden Schienengüterverkehr von DB Cargo bemerkbar: 2023 türmten sich die Verluste hier auf rund eine halbe Milliarde Euro. Eigentlich sollte die Sparte 2024 wieder einen kleinen Gewinn machen. Doch davon ist die Bahn offenbar wieder abgerückt: Stattdessen geht man nun in den Dokumenten nun von einem Minus von über 50 Millionen Euro aus.

Dies ist besonders fatal, da DB Cargo im Visier der EU-Kommission ist. Diese stößt sich daran, dass die Verluste der vergangenen Jahre jeweils vom Konzern ausgeglichen wurden und sieht darin eine Wettbewerbsverzerrung. Die DB-Konkurrenz fährt mittlerweile 60 Prozent des Schienengüterverkehrs. In Bahn-Kreisen wird befürchtet, dass die EU-Kommission im Extremfall entscheiden wird, dass Teile von Cargo an Wettbewerber abgegeben werden müssen. Vorstand und Arbeitnehmervertreter ringen seit Monaten um eine Sanierungskonzept.

Besser lief es dagegen trotz Streiks im vergangenen Jahr beim Fernverkehr mit IC und ICE. Die große Reiselust der Deutschen verhalf der Sparte den Dokumenten zufolge immerhin zu einem Betriebsgewinn von 200 Millionen Euro. (reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Dow schließt deutlich höher, während sich die Wall Street erholttitle
15.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren und Einzelwerte die jüngste Erholung an den US-Börsen angetrieben haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerbesteuer auf Rekordhoch: Warum Kommunen trotzdem Milliarden fehlen
15.10.2026

Deutschlands Gemeinden haben 2025 so viel Gewerbesteuer eingenommen wie nie zuvor. Allerdings stiegen die Einnahmen nur geringfügig, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Bank-Aktien: US-Banken überraschen mit Zahlen, Dimon warnt vor wachsenden Risiken
15.10.2026

Während Goldman Sachs und Citigroup mit ihren jüngsten Quartalszahlen die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen haben, blieb...

DWN
Technologie
Technologie Solar-Aufschlag ab 2029: Drohen Mehrkosten für Photovoltaik-Besitzer – was hinter dem Prosumer-Aufschlag steckt
15.10.2026

Solaranlagen auf dem Dach könnten ab 2029 einen höheren Grundpreis für die Stromnetznutzung auslösen. Elf Verbände fordern, den...

DWN
Politik
Politik Berlin-Sondierungen gehen weiter: Linke, SPD und Grüne einigen sich auf zentrale Grundsätze
15.10.2026

Nach tagelangem Streit setzen Linke, SPD und Grüne in Berlin ihre Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung fort. Beim Umgang mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Einer der größten Käufer beginnt zu verkaufen
15.10.2026

Jahrelang kauften Zentralbanken Gold in außergewöhnlichem Umfang. Nun schlägt mit Kasachstan einer der größten Käufer einen anderen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie überspringt die 1.000-Euro-Marke: Ist das die Trendwende?
15.10.2026

Nach deutlichen Kursgewinnen am Mittwoch setzt die Rheinmetall-Aktie ihre Erholung am Donnerstag fort. Eine frühe Xetra-Notierung liegt...

DWN
Finanzen
Finanzen Kospi-Crash: Warum Südkoreas Chipaktien die Börsen erschüttern – was jetzt wichtig ist
15.10.2026

Der südkoreanische Leitindex Kospi rutschte am Donnerstag zeitweise rund acht Prozent ab. Besonders stark traf es die Samsung...