Finanzen

Nvidia-Aktie: Das raten Börsenprofis

Der US-Chiphersteller Nvidia ist mehr wert als alle Dax-Unternehmen zusammen. Zwei Kapitalmarktstrategen erklären, warum die Nvidia-Aktie so beliebt ist, wie Anleger mit dem Papier umgehen sollten, was sie in Zukunft von dem Konzern erwarten können - und welche Unternehmen Nvidia ernsthaft Konkurrenz machen könnten.
01.04.2024 11:43
Aktualisiert: 01.04.2024 13:50
Lesezeit: 4 min

Am 30. Mai 2023 war es soweit: Der Börsenwert von Nvidia durchbrach die Marke von einer Billion US-Dollar. Bereits zur Eröffnung der Wall Street an jenem Dienstagmorgen kletterte die Nvidia-Aktie auf ein neues Hoch von 415,50 Dollar. Die Marktkapitalisierung steigt auf fast 1,026 Billionen Dollar. Der 30. Mai 2023 ist sozusagen der mediale Startschuss für die Wertsteigerung des US-Chipherstellers, die bis heute anhält: Seit Jahresbeginn ist der Börsenwert von Nvidia bereits um 85 Prozent gestiegen. Mit einem Börsenwert von 2,25 Billionen Dollar Mitte März 2024 übertrifft Nvidia den Marktwert aller Dax-Konzerne, die zusammen auf eine Marktkapitalisierung von 1,8 Billionen Dollar kommen, während die Nvidia-Aktie bei 829,40 Dollar notiert.

Ein Konzern im Zentrum der KI-Revolution

„Nvidia bietet die besten Tools zur Nutzung beziehungsweise Schaffung von Künstlicher Intelligenz (KI). Der Bereich hat in den vergangenen Monaten viel Zukunftsfantasie auf sich gezogen, sodass der Kurssprung nicht überraschen kann“, sagt Analyst Frederik Altmann vom Brokerhaus Alpha Wertpapierhandel. „Nvidia hat es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, bei wichtigen (Trend-)Themen ganz vorne mit dabei zu sein, angefangen bei Grafikkarten über Mining-Tools für Kryptowährungen bis hin zu modernsten Chips für die Umsetzung von künstlicher Intelligenz.“ Die Überzeugung, dass man an Nvidia nicht vorbeikomme, wenn man an das Potenzial von KI glaube, spiegele sowohl die Wahrnehmung am Kapitalmarkt als auch in der Wirtschaft wider, so Analyst Altmann.

Dahinter steht die Annahme, dass das Niveau von KI-Anwendungen wie ChatGPT und Sora vom US-Startup OpenAI oder Microsofts KI-Assistent Copilot erst durch die leistungsfähigen Nvidia-Chips möglich wird. „In den USA ringen Microsoft, Alphabet und Amazon um die Vorherrschaft bei KI-Tools. Dafür investieren die Konzerne gewaltige Summen“, kommentiert Kapitalmarktstratege Markus Weingran die Entwicklung. „Um sich einen Vorsprung zu erarbeiten, möchte niemand auf das zweitschnellste Pferd setzen. Also bestellen alle so gut es eben geht bei Nvidia.“ Börsenprofi Weingran habe zwar nicht mit so einem gewaltigen Kurssprung gerechnet, „allerdings rechtfertigen die Wachstumsraten bei Nvidia schon etwas deutlichere Kurssteigerungen. Schließlich hat Nvidia zum sechsten Mal in Folge die Erwartungen des Marktes geschlagen“, so der Chefredakteur der wallstreetONLINE Börsenlounge, aus der er täglich live auf YouTube über das aktuelle Marktgeschehen berichtet. „Allein im vierten Quartal hat Nvidia den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 265 Prozent gesteigert. Die Kalifornier machen derzeit alles richtig.“

Nvidias Dominanz: Ein Sektor ohne Rivalen?

Die Nvidia-Aktie steht zwar im Rampenlicht des KI-Hypes, doch sie ist nicht das einzige Papier, das derzeit beachtliche Erfolge verzeichnet. „Mehrere Chiphersteller bemühen sich aktuell um eine optimale Positionierung im Markt, einschließlich deutscher Firmen, die Künstliche Intelligenz verstärkt in ihre Produktentwicklung integrieren“, beobachtet Frederik Altmann. „Aus meiner Sicht ist die Aktie von SAP in diesem Zusammenhang ein Top-Pick.“ Zwar wolle sich auch der US-Rivale AMD eine Scheibe vom KI-Markt abschneiden. „Ob hier allerdings ein ernsthafter Konkurrent heranwächst, ist angesichts der aktuellen Dynamik bei Nvidia fraglich. Ich sehe derzeit keinen Konkurrenten.“

Ganz ähnlich beurteilt Markus Weingran von Wallstreet Online die Entwicklung: „Nvidia hat sicherlich einen technologischen Vorsprung, der schwer aufzuholen ist“, so der Investmentstratege. „Konkurrenten wie AMD können zwar mit der neuesten Version ihres KI-Chips den Abstand immer mal wieder verkürzen. Aber dann kommt Nvidia mit dem neuesten KI-Chip um die Ecke und ist wieder besser. Und dann sind wir wieder bei der Frage: Setze ich auf das zweitbeste Pferd?“

Für Weingran ist deshalb weiterhin entscheidend, den Horizont über die Nvidia-Aktie hinaus zu erweitern: „Intel hat möglicherweise einen Weg gefunden, sich in der KI-Welt gut zu positionieren. Wie Bloomberg kürzlich erfahren haben will, ist der Konzern dabei, sich 3,5 Milliarden Dollar von der US-Regierung zu sichern, um fortschrittliche Halbleiter für Militär- und Geheimdienstprogramme zu entwickeln. Wenn das klappt, hat Intel einen guten Deal eingefädelt.“

Was Investoren von Nvidia erwarten können

Während die Konkurrenz bemüht ist, mit Nvidia Schritt zu halten, stellen sich Anleger und Marktbeobachter gleichermaßen die Frage nach den Zukunftsaussichten der Nvidia-Aktie. „Das höchste Kursziel liegt bei 1.400 Dollar. Von 56 Experten raten 52 zum ‚Kauf‘ und vier zum ‚Halten‘“, bemerkt Kapitalmarktspezialist Weingran. „Wenn die Experten so überzeugt von der Aktie sind, warum sollten Anleger daran zweifeln? Für mich ist die Marke von 1.000 US-Dollar ein erstes Etappenziel. Danach muss Nvidia neue Anreize zum ‚Kauf‘ der Aktie setzen, zum Beispiel dadurch, dass die Umsätze in China wieder anziehen.“

Analyst Frederik Altmann bringt noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Nvidia war bisher immer technologischer Vorreiter in Schlüsselthemen und hat die besten Produkte auf den Markt gebracht. Von diesem Gespür könnte der sehr gut geführte Konzern auch in Zukunft profitieren.“

Die Zukunft des KI-Marktes: Ein Feld für Innovatoren?

Angesichts der beeindruckenden Marktkapitalisierung von Nvidia und der Kontrolle über mehr als 80 Prozent des Chipmarktes stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es langfristig noch Platz für andere Chiphersteller geben wird. Für Frederik Altmann hängt die Antwort auf diese Frage stark von der zukünftigen Entwicklung und dem Glauben an das Potenzial von Künstlicher Intelligenz ab, weshalb er in der aktuellen Situation durchaus Chancen für andere Anbieter sieht, vor allem wenn man das weite Feld der KI betrachtet: „Bricht wirklich ein neues Zeitalter an, vergleichbar mit den Kinderschuhen des Internets, dann ist sicherlich viel Raum für mehrere Anbieter. Dann geht es nicht mehr nur um KI-Chips, sondern auch um die Anwendungsbereiche dieser Technologie.“

„Marktdominanzen können sich schnell ändern“, betont denn auch Aktienexperte Markus Weingran. „Das Beispiel Intel zeigt, dass es langfristig immer Platz für andere Chiphersteller geben wird. Wir haben in der Vergangenheit schon oft erlebt, dass eine vermeintliche ‚Festung‘ zusammengebrochen ist. Nokia hat das iPhone anfangs müde belächelt und Kodak die Digitalfotografie. Beide sind eines Besseren belehrt worden. Genauso kann es passieren, dass ein anderes Unternehmen eines Tages Nvidia in den Schatten stellt.“

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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