Finanzen

Wie passives Investieren den Markt für Vermögensverwalter in Deutschland verändert

In den letzten Jahren hat sich die Landschaft der Vermögensverwaltung in Europa und Deutschland grundlegend verändert. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der Trend zu passiven Anlagen. Eine aktuelle Studie von McKinsey beleuchtet die Auswirkungen dieses Wandels und liefert wichtige Erkenntnisse für die Branche.
18.06.2024 18:01
Lesezeit: 4 min
Wie passives Investieren den Markt für Vermögensverwalter in Deutschland verändert
In den USA verwalteten passive Fonds Anfang 2024 erstmals mehr Vermögenswerte als ihre aktiven Konkurrenten. (Foto: dpa) Foto: Stadtratte

Die Studie "Nine key observations about the European asset management industry" von McKinsey zeigt, dass die Gewinne der europäischen Vermögensverwalter-Branche im Jahr 2023 zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen sind und nun 32 Prozent unter ihrem Allzeithoch von 2021 liegen. Dennoch nennt die Studie auch einen Gewinner.

Das verwaltete Vermögen passiver Fonds ist in den letzten zehn Jahren deutlich schneller gewachsen als das der aktiven Fonds. Seit 2014 betrug die Differenz der gesamten Nettozuflüsse zwischen passiven und aktiven Fonds rund 470 Milliarden Euro. Laut Morningstar ist der Anteil passiver Investitionen in der Folge in Europa von 2013 bis 2023 von 12,3 Prozent auf 26,7 Prozent gestiegen. In den USA verwalteten passive Fonds Anfang dieses Jahres erstmals mehr Vermögenswerte als ihre aktiven Konkurrenten.

Wie der Trend auf die Vermögensverwalter-Branche wirkt

Für passive Anlagen spricht vor allem, dass sie in der Vergangenheit häufig eine bessere Performance als aktiv gemanagte Fonds erzielt haben. Eine aktuelle Studie von S&P Dow Jones Indices zeigt, dass rund 90 Prozent der aktiv gemanagten US-Fonds ihren Vergleichsindex über einen Zeitraum von 15 Jahren nicht übertreffen konnten. Darüber hinaus gab es bei Anleihen und Aktien keine Kategorie, in der die Mehrheit der aktiven Manager eine Outperformance erzielte.

Anleger schätzen besonders die Transparenz und Einfachheit passiver Produkte. Diese bieten klare und leicht verständliche Strukturen, die sie für viele Anleger attraktiv machen. Die enthaltenen Wertpapiere sind bei fast allen passiven Produkten vollständig einsehbar, während viele aktive Fondsmanager nur die größten Positionen offenlegen und über den Rest schweigen.

Für aktive Vermögensverwalter wird es immer schwieriger, sich in diesem Umfeld zu behaupten. Sie müssen ihre Anlagestrategien optimieren, um eine tatsächliche Outperformance zu erzielen. Maßnahmen wie die Senkung der Produktkosten oder eine offenere Kommunikation können helfen, die eigene Strategie besser zu vermitteln und sich gegen Indizes zu behaupten. Durchschnittliche Angebote werden früher oder später nicht mehr ausreichen, um am Markt zu bestehen. Nur wer echten Mehrwert schafft, wird sich in einer zunehmend von passiven Produkten dominierten Landschaft behaupten können.

Wer sind die Profiteure des passiven Investierens

Profiteure dieser Entwicklung sind vor allem Anbieter passiver Investmentprodukte wie ETF-Emittenten und Indexanbieter. Hier spielen Größe und Skaleneffekte eine entscheidende Rolle. Marktführer wie BlackRock, Vanguard und State Street Global Advisors, die frühzeitig auf passive Anlageprodukte gesetzt haben, konnten ihre Marktanteile in den letzten Jahren kontinuierlich ausbauen. Beispielsweise verwaltet allein BlackRock über seine iShares-ETFs ein Vermögen von über 3,5 Billionen US-Dollar.

Aber auch die Anleger selbst profitieren von dieser Entwicklung. Die niedrigeren Gebührenstrukturen und die oft bessere Performance nach Kosten führen zu höheren Renditen für private und institutionelle Anleger. Gerade in Deutschland gibt es aber noch erhebliches Wachstumspotenzial.

Laut einer KPMG-Studie hält eine überwältigende Mehrheit von 80 Prozent der Befragten eine Beratung bei der Geldanlage für unverzichtbar. In Deutschland dominiert die Provisionsberatung mit einem Marktanteil von über 99 Prozent den Markt der Anlageberatung. Diese Berater haben jedoch nur einen geringen finanziellen Anreiz, passive Produkte zu vertreiben.

Die Studie der Strategieberatung Oliver Wyman gibt jedoch Hinweise darauf, dass mit dem Aufkommen der Neobroker zunehmend ein Umdenken bei den deutschen Anlegern stattfindet.

Risken des passiven Investierens

Der Trend zu passiven Anlagen birgt auch Gefahren. Die Marktdominanz weniger großer Anbieter wie BlackRock und Vanguard reduziert die Vielfalt und erhöht das systemische Risiko. Eine solche Oligopolstruktur kann bei Fehlentscheidungen zu erheblichen Marktverwerfungen führen. Darüber hinaus beeinträchtigt ein hoher Anteil passiver Investments die Markteffizienz, da aktive Manager wichtige Preisfindungs- und Gleichgewichtsfunktionen übernehmen. Ohne ihre Analysen und Entscheidungen könnte der Markt weniger effizient werden, da passive Anlagen nur den Markt als Ganzes abbilden und keine individuelle Bewertung der Unternehmen vornehmen.

Passive Anlagen folgen Indizes, ohne die darin enthaltenen Vermögenswerte qualitativ zu bewerten. Ein Beispiel hierfür ist die Technologieblase der späten 1990er Jahre, als Technologieunternehmen aufgrund ihrer hohen Gewichtung in den Indizes überbewertet wurden.

Ähnliche Risiken bestehen heute, da passive Investments große Mengen an Kapital in bestimmte, stark vertretene Sektoren lenken können, unabhängig von deren fundamentaler Bewertung. Gerade in Krisenzeiten können passive Investments zudem die Volatilität erhöhen, indem sie Marktbewegungen automatisch nachbilden.

Wie können Unternehmer profitieren

Auch Unternehmer können von den Vorteilen passiver Anlagen profitieren. Insbesondere Geldmarkt-ETFs können eine pragmatische und effiziente Möglichkeit sein, die liquiden Mittel eines Unternehmens anzulegen. Sie ermöglichen Unternehmen ein effizientes Cash-Management, indem sie eine attraktive Verzinsung bei gleichzeitig hoher Liquidität bieten. Während viele Banken die gestiegenen Zinsen bis heute nicht weitergeben, bieten Geldmarkt-ETFs das höhere Zinsniveau allen Anlegern.

Zudem sind die Einlagen in einem ETF vor der Insolvenz der Kapitalverwaltungsgesellschaft geschützt, da ETFs als Sondervermögen gelten. Die Einlagensicherung bei Tages- und Festgeldern reicht dagegen nur bis 100.000 Euro.

Geldmarkt-ETFs sind kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds. Sie ermöglichen Diversifikation und Risikostreuung durch Investitionen in verschiedene kurzlaufende Anleihen. Durch die hohe Liquidität können Unternehmen schnell auf ihr Kapital zugreifen, was das Cash-Management erleichtert.

Die neue Realität der Vermögensverwaltung

Der Trend zum passiven Investieren verändert den Markt der Vermögensverwalter in Europa und Deutschland nachhaltig. Während passive Anbieter von diesem Wandel profitieren, stehen aktive Manager vor großen Herausforderungen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt mit zunehmender Passivierung entwickeln wird. Klar ist jedenfalls, dass sich die Branche auf eine neue Realität einstellen muss, in der Effizienz, Transparenz und Kundenorientierung mehr denn je gefragt sind.

Für Unternehmen bieten passive Anlageprodukte, insbesondere Geldmarkt-ETFs, eine attraktive Möglichkeit, liquide Mittel effizient anzulegen. Sie profitieren von höheren Zinsen und einem geringeren Risiko durch die Klassifizierung als Spezialfonds.

Dennoch dürfen die Risiken nicht vernachlässigt werden. Die Konzentration auf wenige große Anbieter und die mögliche Beeinträchtigung der Markteffizienz sind ernst zu nehmende Aspekte. Eine ausgewogene Mischung aus passiven und aktiven Strategien könnte daher der Schlüssel zu einer langfristig erfolgreichen Geldanlage sein, die die Vorteile beider Ansätze nutzt.

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