Finanzen

Geldanlage: Wie Anleger vom demografischen Wandel profitieren

Die Weltbevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten stärker altern als bisher. Für Anleger heißt das: Wer heute demografisch investiert, kann künftig von diesem Megatrend profitieren. Zum Beispiel mit Demografie-Fonds.
02.06.2024 11:02
Lesezeit: 4 min
Geldanlage: Wie Anleger vom demografischen Wandel profitieren
Demografisch investieren verspricht enorme Gewinne in der Zukunft (iStock/MarianVejcik). Foto: MarianVejcik

„Die Renten sind sicher“, versprach 1986 der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Doch angesichts der aktuellen demografischen Entwicklung ist der zum Markenzeichen avancierte Slogan des Dauerministers unter Helmut Kohl heute nicht mehr viel wert. Im Gegenteil: Oben breit, unten schmal, die auf dem Kopf stehende hiesige Alterspyramide macht sofort deutlich, dass sich die Altersstruktur der Deutschen in den vergangenen 50 Jahren grundlegend verändert hat: Immer mehr Rentnern stehen immer weniger Beitragszahler gegenüber. Wer als Privatanleger auf der sicheren Seite sein will, muss daher selbst vorsorgen, etwa durch Investitionen in Demografie-Fonds.

Wenn die Baby-Boomer in Rente gehen

Der Hauptgrund für diese Entwicklung sind die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Babyboomer, die zwischen 1955 und 1970 geboren wurden. Sie stellen mittlerweile eine der größten Altersgruppen in Deutschland dar und stehen nun an der Schwelle zum Ruhestand. Gleichzeitig können die aktuellen Geburten- und Zuwanderungsraten das Defizit gegenüber den Sterbefällen nicht ausgleichen – unsere Gesellschaft vergreist.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wird die Zahl der Menschen im Rentenalter (67 Jahre und älter) in Deutschland bis Mitte der 2030er Jahre von derzeit 16,4 Millionen auf 20 Millionen ansteigen. Und laut den Vereinten Nationen (UN) sind derzeit weltweit fast 700 Millionen Menschen 65 Jahre und älter. Bis 2050 soll sich diese Zahl mehr als verdoppeln.

Die Silver Economy boomt

Der demografische Wandel betrifft weite Teile der großen Industrienationen. Damit rückt auch der immer größer werdende, finanzstarke Anteil der älteren Generation in den Fokus der Wirtschaft. Das Angebot dieser Silver Economy umfasst dabei Produkte und Dienstleistungen, die speziell auf ältere Menschen zugeschnitten sind, etwa in der Gesundheits- und Altersvorsorge, aber auch bei zyklischen und technologischen Konsumgütern. Privatanlegern wiederum bietet dieser Trend die Chance, über Demografie-Fonds in Unternehmen zu investieren, die sich auf den demografischen Wandel einstellen.

Demografiefonds - Was ist das?

Demografie-Fonds sind Investmentfonds, die gezielt in Unternehmen und Branchen investieren, die vom demografischen Wandel profitieren. Dabei kann es sich sowohl um aktiv gemanagte Fonds als auch um börsengehandelte Indexfonds (ETFs) handeln. Hauptmerkmal dieser Fonds ist, dass sie in Branchen investieren, die von der Alterung der Bevölkerung bzw. der Veränderung der Altersstruktur profitieren. Entsprechende Produkte sind daher stets über mehrere Sektoren wie Gesundheit, Finanzen, Konsumgüter und Versicherungen diversifiziert. Da es sich beim demografischen Wandel um einen Megatrend handelt, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird, sind Demografie-Fonds langfristig ausgerichtet und zielen darauf ab, dauerhaft stabile Renditen zu erwirtschaften.

Der LO Funds - Golden Age (EUR) HPD

Der LO Funds - Golden Age (EUR) HPD (ISIN: LU0161987739) gilt als Pionier unter den Silver Economy Fonds. Bereits 1999 legte die Schweizer Bankengruppe Lombard Odier diesen aktiv gemanagten Fonds über ihre luxemburgische Investmentgesellschaft Lombard Odier Funds auf. Der auf die Alterung der Gesellschaft fokussierte Fonds mit einem Volumen von aktuell 401 Millionen Euro investiert weltweit in Unternehmen aus den Sektoren Finanzen, Gesundheit und zyklische Konsumgüter.

Zu den drei Top-Holdings im Portfolio zählen IQVIA Holdings, ein US-Unternehmen für klinische Forschung und Analytik (3,20 Prozent), der US-Pharmakonzern Merck & Co ebenfalls mit 3,20 Prozent sowie der kanadische Versicherungsdienstleister Manulife Financial (3,10 Prozent). Der US-Fokus in der Portfoliostruktur spiegelt sich auch in der Ländergewichtung wider, in der die USA mit 56,60 Prozent den größten Anteil ausmachen. Die TER (Total Expense Ratio) lag Ende September 2023 bei 1,85 Prozent.

Der Fidelity Demografie-Fonds Konservativ A Fonds

Der aktiv gemanagte Demografie-Fonds Konservativ A Fonds von Fidelity (ISIN: DE000A0RHF92) verfolgt das Anlageziel, langfristig ein besseres Anlageergebnis zu erzielen als liquide Mittel. Dabei strebt das Fondsmanagement ein ausgewogenes Rendite-Risiko-Profil unter Berücksichtigung sozial- und umweltverträglicher Anlagekriterien (ESG-Kriterien) an. Der 2009 aufgelegte Fonds mit einer Gesamtkostenquote von 0,89 Prozent ist mit einem Volumen von derzeit 562 Millionen Euro in vier Anlageklassen investiert: Anleihen (83 Prozent), Investmentfonds (13 Prozent), Bankguthaben (drei Prozent) und Schuldscheindarlehen (ein Prozent).

Zu den Top-Holdings bei den Investmentfonds zählen der Fidelity FIRST Developed Wld I-Acc-EUR mit 5,94 Prozent sowie der Fidelity International Y-Dis-EUR mit 5,92 Prozent. Beide Fonds sind wiederum in Branchen der Silver Economy wie Pharmaindustrie, medizinische Diagnostik und Versorger angelegt. Dabei hat das Fondsmanagement jedoch nicht nur in Unternehmen im Blick, die direkt vom demografischen Wandel profitieren, sondern auch Titel, die beispielsweise von der wachsenden Mittelschicht und der steigenden Weltbevölkerung partizipieren.

Der CPR Silver Age P Fund

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der CPR Silver Age P Fund (ISIN: FR0010836163). Auffallend an dem 2009 von der französischen Fondsgesellschaft CPR Asset Management aufgelegten Fonds ist seine offensichtliche Beliebtheit bei den Anlegern. Das zeigt das Fondsvolumen von derzeit 1,26 Milliarden Euro.

Auch das Management des CPR Silver Age setzt auf Unternehmen, die direkt oder indirekt vom demografischen Wandel profitieren. Zu den größten Positionen zählen denn auch das schwedisch-britische Pharmaunternehmen Astrazeneca (4,42 Prozent), der französische Versicherer AXA (4,12 Prozent) und die deutsche Allianz mit 3,92 Prozent. Die TER des CPR Silver Age P Fund ist mit 1,62 Prozent im Vergleich zu ähnlichen Demografie-Fonds nicht gerade günstig. Dies dürfte jedoch die Fondsperformance von 51,45 Prozent seit 2014 ausgleichen.

Demografie-Fonds: Gute Alternative zur Depotbeimischung

Vor allem in den letzten Jahren haben Demografie-Fonds deutlich mehr Anlegergelder angezogen, nicht zuletzt aufgrund fehlender Anlagemöglichkeiten im Niedrigzinsumfeld. Zudem hat sich der Investmentansatz des demografischen Wandels bereits in einer Reihe von Finanzprodukten erfolgreich etabliert, etwa in Themenfonds für Gesundheit und Altersvorsorge. Für Privatanleger sind Demografie-Fonds daher eine gute Alternative als Beimischung im Depot. Und wer weiß? Vielleicht behält Norbert Blüm im Nachhinein doch Recht und die Renten sind wieder sicher. Bis es aber so weit ist, empfiehlt sich eine gezielte private Vorsorge.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

avtor1
Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitskosten in Deutschland: So stark unterscheiden sich die Regionen
05.11.2026

Die Kosten einer Arbeitsstunde liegen in Deutschland regional weit auseinander. Besonders deutlich zeigt sich das Gefälle zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter im Stromnetz: Eon testet humanoide Helfer gegen Fachkräftemangel
05.11.2026

Humanoide Roboter könnten künftig Fachkräfte im Stromnetz bei Kontrollen und gefährlichen Arbeiten unterstützen. Eon, EnviaM und Neura...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nike-Aktie in der Krise: Rund 200 Milliarden Dollar vernichtet
05.11.2026

Jahrzehntelang galt Nike als nahezu unantastbar. Doch strategische Fehlentscheidungen, vernachlässigte Innovationen und aufstrebende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Haushalte in Deutschland schrumpfen bis 2050 – Osten besonders betroffen
05.11.2026

Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland könnte bis 2050 erstmals seit der Wiedervereinigung sinken. Nach Berechnungen des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DHL unter Druck: Deutschlandgeschäft bremst Wachstum deutlich
05.11.2026

Das Deutschlandgeschäft entwickelt sich für DHL zunehmend zum Problem. Während der Konzern international kräftig wächst, bricht das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Deutschland schwächeln: DIHK warnt vor Folgen für Jobs
05.11.2026

Die deutsche Wirtschaft hellt sich etwas auf, doch bei Investitionen bleiben viele Unternehmen vorsichtig. Laut DIHK will nicht einmal...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimaneutralität verfehlt: Allianz sieht Deutschland erst 2051 am Ziel
05.11.2026

Deutschland, Europa und die Welt kommen beim Klimaschutz voran, aber nicht schnell genug. Nach Berechnungen der Allianz wird das Ziel der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Probezeit: Was ist zu beachten?
05.11.2026

Die Stellenausschreibung wurde veröffentlicht, Vorstellungsgespräche geführt und endlich scheint derpassende Kandidat...