Politik

Neuer Kampfpanzer Leopard 2: Das Ziel ist die Überlegenheit

Bleibt der Kampfpanzer Leopard 2 das Rückgrat von Landstreitkräften? Der Hersteller des neuen Leo präsentierte in Frankreich auf einer Rüstungsmesse eine verbesserte Version, die sich auch im Zeitalter von Drohnen und anderen Gefahren behaupten soll. Die DWN stellen den Tank vor – die Verbesserungen lassen aufhorchen.
18.06.2024 07:23
Lesezeit: 2 min
Neuer Kampfpanzer Leopard 2: Das Ziel ist die Überlegenheit
Panzer Leopard 2 A7V bei der feierlichen Übergabe an das Panzerbataillon 104: In den kommenden Monaten wird der neue Leo nach und nach ausgeliefert. (Foto: dpa) Foto: Daniel Karmann

Mehr Schutz durch die Panzerung, Abwehr von Drohnen und ein unbemannter Geschützturm: Das deutsch-französische Rüstungsunternehmen KNDS hat seine neue Version des Kampfpanzers Leopard 2 vorgestellt. Es verspricht „Überlegenheit auf dem Gefechtsfeld“. Dabei komme das neue Modell Leopard 2 A-RC 3.0 mit nur noch drei Soldaten als Besatzung aus, teilte KNDS am Montag auf der Rüstungsmesse Eurosatory bei Paris mit. KNDS ist ein Zusammenschluss der deutschen Traditionsfirma KMW und des französischen Rüstungsunternehmens Nexter.

Der unbemannte und ferngesteuerte Turm kann nach Unternehmensangaben Geschütze im Kaliber zwischen 120 und 140 Millimeter aufnehmen, die auch kurzfristig ausgetauscht werden könnten. Die Kanone tauche nicht mehr in das Innere des Fahrzeugs ein. „Die drei- bis vierköpfige Besatzung kann nun vollständig in der Wanne in einer besonders geschützten Mannschaftszelle untergebracht werden“, erklärte das Unternehmen. Möglich sei ein erhöhter Schutz, eine deutliche Gewichtsreduzierung um zehn Prozent und zudem auch eine gesteigerte Feuerkraft mit drei Schuss in zehn Sekunden.

Hauptgeschütz leistungsfähiger als vergleichbare Rohrwaffen

Die Entwickler heben hervor, dass das neu entwickelte Hauptgeschütz „Ascalon" "leistungsfähiger ist als alle vergleichbaren Rohrwaffen“. Es habe eine «offenen Architektur» und ermögliche daher andere technische Detaillösungen von Kunden. Versprochen wird auch eine bessere Abwehr von Bedrohungen aus dem Nahbereich und aus der Luft. KNDS nennt dazu eine ferngesteuerte Waffenstation zur Abwehr von Drohnen und ein Lenkflugkörpersystem, mit dem Ziele außerhalb der Sichtverbindung auch während der Fahrt bekämpft werden könnten.

Kampfpanzer müssen „Duell-fähig“ sein, also in die unmittelbare Konfrontation mit den Waffensystemen des Feindes gehen können und bestehen. Vier Soldaten bilden bisher die Leopard-2-Besatzung: der Kraftfahrer, ein Richtschütze, ein Ladeschütze und der Kommandant. Sie führen den Kampf nur „aufgesessen“, also aus dem Fahrzeug heraus. Dabei werden sie zusammen mit den Besatzungen von Schützenpanzern eingesetzt, die ihre Fahrzeuge verlassen. Wegen neuer Technologien wie Drohnen müssen auch die eigenen Waffen immer weiterentwickelt werden.

Das Rüstungsunternehmen nennt den neuen Panzer einen «entscheidenden technologischen Vorläufer» des jüngst vereinbarten europäischen Landkampfsystems MGCS („Main Ground Combat System“). Bei diesem sollen Kampfpanzer in einem Datennetzwerk mit Unterstützungswaffen wie Drohnen und anderen unbemannten Systemen verbunden werden. Die politischen und militärischen Planer setzen auf einen Technologiesprung, der nach Einschätzung von Experten aber womöglich erst ab 2045 Realität werden könnte. Der neue Leopard-Version wird als „BrückenlösungD bezeichnet.

Der deutsch-französische Panzerbauer hält damit womöglich auch den Wettbewerber Rheinmetall auf Abstand, der beim Leopard-Bau langjähriger Partner ist und wichtige Teile wie die Kanone baut, jedoch mit dem Kampfpanzer Panther KF51 auch ein eigenes Projekt gestartet hat. Beim Zukunftsvorhaben MGCS sind die Unternehmen einander in einer Projektgesellschaft verbunden. In der Branche wird mit Interesse verfolgt, entlang welcher Linien sich die kleineren Hersteller europäischer Staaten nun neu zusammenfinden.

Auch um den Leopard 2 selbst gab es schon juristische Auseinandersetzungen. KMW (Krauss-Maffei Wegmann) – nunmehr KNDS Deutschland - zog gegen Rheinmetall vor Gericht. In dem Streit ging es nach Interview-Äußerungen von Rheinmetall-Chef Armin Papperger um Rechte an dem Kampfpanzer. Das Verfahren wurde mit einem Vergleich beigelegt.

Dabei gilt der Leopard in seinen jeweiligen Generationen als leistungsfähigster Kampfpanzer der Welt, den einige weitere Staaten gern gekauft hätten, aber dafür kein grünes Licht der jeweiligen deutschen Bundesregierungen bekommen haben. KNDS hat nach eigenen Angaben derzeit etwa 800 Waffensysteme - darunter auch den Leopard - an der Front in der Ukraine oder zur Lieferung vertraglich vereinbart. Damit sei das Unternehmen „einer der weltweit wichtigsten industriellen Unterstützer der Ukraine im Kampf gegen die russische Aggression“.

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