Politik

Abschreckung an der Nato-Ostflanke: Bundeswehr-Soldaten werden in Litauen stationiert

Die Bundeswehr verlegt Soldaten nach Litauen an der Grenze zu Weißrussland. Ein Vorkommando soll die Stationierung einer gefechtsbereiten Brigade in dem östlichen Nato-Land vorbereiten. Verteidigungsminister Pistorius spricht von einem „wichtigen Tag“ für Deutschlands Militär.
08.04.2024 18:19
Lesezeit: 2 min
Abschreckung an der Nato-Ostflanke: Bundeswehr-Soldaten werden in Litauen stationiert
Verteidigungsminister Boris Pistorius (M) verabschiedet das Vorkommando der Brigade Litauen auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Brandenburg. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Die Bundeswehr begann heute mit der Verlegung erster Soldaten für die Brigade Litauen und etabliert damit eine dauerhafte Stationierung an der Ostflanke der Nato. Das Vorkommando wurde in Vilnius vom Ende März neu ernannten litauischen Verteidigungsminister Laurynas Kasciunas begrüßt.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat den Beginn der Stationierung einer deutschen Brigade im Nato-Land Litauen als wichtigen Schritt für die Verteilungsfähigkeit des Bündnisses bezeichnet. „Das ist ein wichtiger Tag für die Bundeswehr. Das erste Mal, dass wir dauerhaft eine solche Einheit außerhalb Deutschlands stationieren“, so der SPD-Politiker am Montag in Berlin bei der Verabschiedung des Vorkommandos. Die etwa 20 Soldaten sollen Voraussetzungen für die Verlegung weiterer Soldaten für die Brigade Litauen schaffen.

„Ich weiß, es ist noch einiges zu tun, auch vor Ort. Die Infrastruktur muss passen, die Kasernen müssen da sein, die Unterkünfte, die Wohnungen“, sagte Pistorius. Und: Wir - das kann ich Ihnen versichern - werden alles tun, die Brigade von Anfang an so auszustatten, wie sie ausgestattet sein muss.“

Ein „Beweis der deutschen Zuverlässigkeit“

Litauens Verteidigungsminister Kasciunas sagte, die Stationierung sei „sehr wichtig“ für sein Land. „Das ist Beweis der deutschen Zuverlässigkeit“, sagte er und versicherte, die litauische Regierung wolle alles unternehmen, um nötige Infrastruktur in den Zeitvorgaben zu errichten. Litauen hatte auf die deutsche Stationierung gedrängt. 85 Prozent der Bevölkerung unterstützten das Vorhaben.

Als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage in Europa hat die Bundesregierung zugesagt, einen gefechtsbereiten und eigenständig handlungsfähigen Kampfverband nach Litauen zu verlegen. Die Brigade soll bis 2027 einsatzfähig sein. Vorgesehen ist eine dauerhafte Präsenz von etwa 4800 Soldaten sowie rund 200 zivilen Bundeswehrangehörigen, die ihre Familien mitbringen können.

Das Vorkommando reiste am Montag zusammen mit dem Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, nach Litauen. Es besteht aus Spezialisten aus verschiedenen Bereichen wie etwa Logistik, IT oder Infrastruktur. Darunter sind auch drei zivile Mitarbeiter vom Bundeswehrsozialdienst und der Bundeswehrverwaltung. Geführt wird die Truppe von Oberst André Hastenrath. „Wir sind klasse empfangen worden“, sagte er. „Wir freuen uns auf die Aufgabe.“

Abschreckungs-Maßnahme an der weißrussischen Grenze

Das Vorkommando soll zum vierten Quartal 2024 auf einen Aufstellungsstab von rund 150 Männern und Frauen anwachsen. Die Brigade des Heeres werde in Litauen mit dem Namen Panzerbrigade 45 neu aufgestellt. Nach offizieller Indienststellung der Brigade 2025 sollen die weiteren Kräfte im selben Jahr mit der Verlegung beginnen, sofern die benötigte Infrastruktur in Litauen vorhanden ist. Haupteinsatzort der Brigade soll der Truppenübungsplatz Rudninkai unweit der Grenze zu Weißrussland (Belarus) sein. Dort sollen nach litauischen Angaben rund 80 Prozent der Soldaten ihren Dienstort haben. Die übrigen sollen in Rukla im Zentrum von Litauen stationiert werden.

Litauen grenzt an das mit Russland verbündete Belarus sowie an Russlands Ostsee-Enklave Kaliningrad. Zwischen beiden Ländern verläuft von Litauen ein schmaler Landkorridor westlich nach Polen - die sogenannte „Suwalki-Lücke“ der Nato, um die es im Falle eines russischen Angriffs zu Kämpfen kommen könnte. Deutschlands Truppenstationierung ist für die Litauer eine gewünschte Rückversicherung der Nato-Beistandsverpflichtung. Die Schaffung der Voraussetzungen für die Bundeswehr-Brigade wird Litauen laut Kasciunas in den nächsten Jahren rund 800 Millionen Euro kosten.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz wurden den deutschen und litauischen Offizieren die Frage gestellt, ob die deutschen Soldaten an einem Tag X - also für den Fall eines Angriffs - vom ersten Moment an der Seite der Litauer ausrücken würden und auch bereit seien, ihr Leben für die Verteidigung einzusetzen. Der deutsche Inspekteur des Heeres, General Alfons Mais, sagte, die Frage, ob die Brigade ihren Auftrag erfüllen werde, stelle sich für ihn nicht. Mais sagte: „Soldaten des Heeres erfüllen ihren Auftrag. Ausrufezeichen.“

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