Wirtschaft

Vom Ladenhüter zum Drohnenjäger: Der erstaunliche Erfolg des Gepard-Flakpanzers in der Ukraine

Vom uralten Eisen zum Helden der modernen Kriegsführung: Der Gepard-Flakpanzer beeindruckt als unschlagbare Drohnenabwehr in der Ukraine. Erfahren Sie, wie der Gepard mit High-Tech und robuster Hardware zum unverzichtbaren Akteur in der modernen Kriegsführung wird.
Autor
18.02.2024 13:17
Lesezeit: 3 min
Vom Ladenhüter zum Drohnenjäger: Der erstaunliche Erfolg des Gepard-Flakpanzers in der Ukraine
Dass der Gepard noch einmal eine Renaissance erlebt, hätte niemand gedacht. (Foto: dpa) Foto: Marcus Brandt

Was eigentlich zum uralten Eisen gehört, erweist sich plötzlich in einer Welt der supermodernen High-Tech-Kriegsführung auf den Schlachtfeldern der Ukraine als Volltreffer und als wirksamste Waffe, die Deutschland der Ukraine geliefert hatte. Der annähernd 60 Jahre alte Flakpanzer Gepard ist inzwischen der erfolgreichste Drohnenjäger, den die ukrainischen Streitkräfte in ihrem Arsenal haben.

Eigentlich war die Lieferung des Gepard-Flakpanzers nur eine Notlösung, die für Deutschland Ausweg aus einer peinlichen Verlegenheit sein sollte. Denn der Gepard, den Deutschland an die Ukraine geliefert hat, kommt aus sogenannten Industriebeständen. In diesen Beständen sind von der Bundeswehr ausgemusterte Panzer, die von den Herstellern für einen möglichen Weiterverkauf an Drittländer gelagert werden.

Als die Ukraine bei der Bundesregierung angefragt hatte, war die Bundeswehr „ziemlich blank“, wie ein Bundeswehrgeneral in einem Hintergrundgespräch eingeräumt hatte. Zwar hätte man auch den von der Ukraine erbetenen Kampfpanzer Leopard liefern können, doch hatte damals Bundeskanzler Olaf Scholz noch erhebliche Bedenken gehabt, weil der Kampfpanzer Leopard im herkömmlichen Sinne als eine Offensivwaffe eingestuft wird – und so verfiel man der Idee, einen wahrhaften Veteranen der Ukraine anzudrehen. Die war – verständlicherweise – erst einmal wenig begeistert, als man ihr einen Flakpanzer anbot, der bis auf die Radar-Zielerfassung auf einer Technik beruhte, die schon im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam.

Gepard-Panzer: Entwicklung in den 1950er-Jahren

Der Flakpanzer Gepard war das letzte Flugabwehrsystem der Bundeswehr, das noch gebräuchliche Kanonen hatte und nicht moderne Raketensysteme. Die Entwicklung für den Gepard begann schon Ende der 1950er-Jahre. Die Bundeswehr brauchte damals ein mobiles System, das die eigene Truppe vor gegnerischen Tieffliegern und Kampfhubschraubern schützen sollte. 1976 wurde dann der erste Gepard an die Bundeswehr ausgeliefert, bis 1980 bekam die Bundeswehr dann 420 Exemplare.

Doch was zuerst wie ein uralter Ladenhüter aussah, erwies sich für die Ukraine als ein Glücksfall, mit dem eigentlich niemand gerechnet hatte. Denn zum ersten Mal in einem bewaffneten Konflikt werden in der Ukraine in großem Umfang Drohnen eingesetzt. Die kleinen und niedrig fliegenden Drohnen können nur schwer mit Raketen bekämpft werden. Hinzu kommt ein Kostenargument: Drohnen – und gerade die Drohnen iranischer Bauart, mit denen Russland im großen Stil beliefert wird -, sind schon für wenige hundert Euro pro Stück zu haben. Es ist deshalb allein schon aus Kostengründen effizienter, Drohnen mit simplen und billigen Granatgeschossen zu bekämpfen.

Doch bis zum Einsatz in der Ukraine war es für den Gepard ein weiter Weg, denn die die ukrainischen Soldaten mussten erst an dem Flakpanzer ausgebildet werden. Da dieser aber seit 2010 bei der Bundeswehr nicht mehr im Dienst ist, mussten erst einmal Soldaten ausfindig gemacht werden, die das Gepard-System beherrschten, teilweise mussten gar ehemalige Angehörige der Bundeswehr aus dem Ruhestand für diesen Zweck reaktiviert werden.

Effizient bei der Verteidigung gegen Drohnen

Heute will die Ukraine den Gepard nicht missen. Auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kubela äußerte sich gegenüber seiner deutschen Amtskollegin Annalena Baeerbock voll des Lobes, als diese ihn in Kiew besuchte. „Niemand hätte erwartet, dass diese Waffe sich bei der Verteidigung gegen Drohnen als derartig effizient erweist“, so der ukrainische Chefdiplomat.

Was den Gepard – trotz seines betagten Alters – so wirksam macht, ist seine Kombination aus High-Tech Software und robuster, schier unverwüstlicher Hardware. Ein hochmodernes elektronisches Zielerfassungssystem ist in einem stählernen Panzer untergebracht, der außerdem sehr wendig ist. Als Waffe hat der Gepard eine vom Schweizer Hersteller Oerlikon hergestellte Zwillings-Maschinenkanone, die bis zu 1.100 Schuss pro Minute abfeuern kann.

Gepard: Ukraine hat bereits nachbestellt

Inzwischen ist der Veteran so gut in den Streitkräften der Ukraine eingeführt, dass die Ukraine schon eine Nachbestellung aufgegeben hat. Zu den 49 Gepard-Panzern, die die Bundesrepublik bisher an die Ukraine geliefert hat, sollen nun 60 weitere kommen – und zwar aus Jordanien. Und auch die Geschichte der Panzerlieferung aus dem Morgenland ist ein Kuriosum.

Nachdem der Gepard sich so in der Ukraine bei der Drohnenbekämpfung bewährt hat, wollte die Ukraine eine Nachbestellung aufgeben. Doch so einfach war es nicht, die deutsche Industrie hatte keine in ihren Beständen mehr. Nun hat ein amerikanischer Waffenhändler, der von der US-Regierung bezahlt wird, herausgefunden, dass es in Jordanien noch 60 Flakpanzer gibt. Diese Panzer waren ursprünglich Teil der Bewaffnung der niederländischen Armee, ehe sie dort, wie in der Bundesrepublik auch, ausgemustert und an Jordanien weiterverkauft wurden. Jetzt werden die alten Systeme noch einmal überholt, ehe sie dann an die Ukraine ausgeliefert werden. Und so erlebt ein annähernd 60 Jahre altes Gefährt eine Renaissance, die keiner zuvor vermutet hatte.

Dieser Artikel ist ausschließlich für unsere Premium-Kunden verfügbar.
Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was Wirtschaftsprüfer zuerst prüfen: Wie Unternehmen bei der Prüfung bestehen
14.02.2026

Unternehmen stehen bei Abschlussprüfungen unter wachsendem regulatorischem Druck und steigenden Transparenzanforderungen. Entscheidet sich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mercedes-Benz S-Klasse: Software als zentraler Entwicklungsfaktor im Luxussegment
14.02.2026

Mercedes-Benz modernisiert die S-Klasse umfassend und rückt Software, Digitalisierung und Komfort stärker in den Fokus. Welche Rolle...

DWN
Technologie
Technologie KI-Wettbewerb: Experten wollen mehr Rechenzentren für Europa
14.02.2026

Die USA haben sechsmal mehr Rechenpower als China, Europa liegt weit dahinter. Experten raten zu großen Investitionen, um im KI-Rennen...

DWN
Politik
Politik Führerscheinreform: Bund legt Führerschein-Paket vor
14.02.2026

Der Führerschein soll günstiger werden, sagt die Bundesregierung. Verkehrsminister Schnieder stellt weiterentwickelte Vorschläge vor....

DWN
Politik
Politik Trumps Zollpolitik: Milliarden-Einnahmen, aber ein Desaster für Jobs und Vertrauen
14.02.2026

Trumps Zollpolitik sollte Amerika befreien, die Industrie stärken und Arbeitsplätze zurückholen. Die Realität sieht anders aus: Zwar...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsenwoche endet rot: Angst vor KI schluckt Inflationsfreude
13.02.2026

Obwohl frische Inflationsdaten den wichtigsten Indizes am Freitagmorgen kurzzeitige Unterstützung boten, wurde der Ausgang des...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Uvex: Wie der Skibrillen-Hersteller von den Olympischen Winterspielen profitiert
13.02.2026

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 ist Uvex auf den Pisten und im Eiskanal allgegenwärtig. Athleten wie Skispringer und...

DWN
Politik
Politik Kakaopreis unter Druck: Schwache Nachfrage und wachsende Lagerbestände belasten den Markt
13.02.2026

Der Kakaopreis ist auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen, weil steigende Produktion und schwächere Nachfrage den...