Finanzen

Goldexperte Stöferle: Die 10 neuen Regeln für Goldinvestments

Ronald-Peter Stöferle, Goldexperte und Partner beim liechtensteinischen Vermögensverwalter Incrementum, sagt, warum die alten Regeln im Goldmarkt nicht mehr gelten und wie Privatanleger ihre Strategie anpassen sollten, um von der neuen Marktdynamik zu profitieren.
10.07.2024 07:52
Aktualisiert: 10.07.2024 08:52
Lesezeit: 4 min
Goldexperte Stöferle: Die 10 neuen Regeln für Goldinvestments
Die zunehmende Staatsverschuldung und hohe Zinskosten machen Staatsanleihen unattraktiv und fördern alternative Anlagen wie Gold. (Foto: iStock.com, edwardolive) Foto: edwardolive

Gold hat in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Rally hingelegt – und dabei mit alten Gewissheiten gebrochen. Kontinuierliche Zuwächse von 3 Prozent im März, 4 Prozent im April, 7 Prozent im Mai und 6 Prozent im Juni (Stand: 25. Juni 2024.) zeigen eine deutliche Abkehr von bisherigen Trends wie eine stabile negative Korrelation zwischen Goldpreis und Realzinsen und geringe Zentralbankkäufe. „Diese Zeiten sind vorbei“, sagt Ronald-Peter Stöferle, Edelmetallexperte und Partner der liechtensteinischen Vermögensverwaltung Incrementum und gibt einen Einblick in die neue Dynamik des Goldmarktes und zeigt auf, welche neuen Spielregeln für Goldinvestments gelten.

Steigender Goldpreis trotz steigender Realzinsen

Ein entscheidender Grund für die neue Dynamik am Goldmarkt ist die Auflösung herkömmlicher Abhängigkeiten. „Die traditionelle inverse Korrelation zwischen Goldpreis und Realzinsen gehört der Vergangenheit an“, erklärt Stöferle. „Trotz steigender Realzinsen im US-Dollar-Raum hat der Goldpreis eine beeindruckende Rally hingelegt und wichtige Widerstandslinien durchbrochen.“

Seit 2022 ist der Goldpreis auf US-Dollar-Basis um fast 30 Prozent gestiegen und hat die Marke von 2.400 US-Dollar zwischenzeitlich überschritten. Aktuell notiert Gold bei 2.319,20 US-Dollar je Feinunze (Stand: 25. Juni 2024). Dies zeigt, dass alte Analysemodelle ihre Gültigkeit verloren haben und neue Ansätze gefragt sind. Privatanleger sollten daher ihre Anlagestrategien überdenken und flexibel anpassen.

Zentralbanken als Schlüsselfaktor

Ein weiterer maßgeblicher Einflussfaktor ist die veränderte Rolle der Zentralbanken. „2023 meldete die Chinesische Zentralbank (PBoC) einen Anstieg ihrer Goldreserven um 225 Tonnen, die größte Menge seit 1977. Diese Käufe setzen sich auch 2024 fort, was die Bedeutung der Zentralbanken für die Goldnachfrage unterstreicht.“

Auch andere Zentralbanken weltweit stocken ihre Goldreserven auf, was auf eine strategische Neuausrichtung hinweist. Diese Entwicklung zeigt, dass Gold als sicherer Hafen an Attraktivität gewinnt, insbesondere in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten. „Privatanleger sollten diesen Trend im Auge behalten und Gold als stabilisierenden Faktor in ihrem Portfolio berücksichtigen“, so der Rat des Edelmetallexperten.

Asiens wachsender Goldhunger

„Der Einfluss des Westens auf die Goldpreisbildung nimmt ab. Der marginale (Ver-)Käufer sitzt zunehmend im Osten. Diese geopolitische Verschiebung verändert die Marktdynamik grundlegend“, beobachtet Stöferle. Diese Verschiebung zeigt sich beispielsweise in den steigenden Goldkäufen asiatischer Länder und deren wachsendem Einfluss auf die globalen Märkte. In der Folge dominieren zunehmend nicht-westliche Staaten und Regionen die globalen Goldmärkte. So belief sich die Nachfrage nach Goldschmuck 2023 auf insgesamt 2.092 Tonnen. „Fast zwei Drittel der weltweiten Schmucknachfrage entfielen auf China, Indien und den Nahen Osten.“

Auch bei Goldbarren und -münzen sind China, Indien und der Nahe Osten führend, was die globale Verschiebung der Marktmacht untermauert. Diese Dominanz zeige sich auch in den steigenden Goldkäufen dieser Länder, was zu einer stabilen Nachfrage beitrage, und die Preise unterstütze, so Edelmetall-Experte Stöferle. „Für Privatanleger bedeutet dies, dass sie die Marktmacht dieser Regionen nicht ignorieren sollten, da sie erheblich zum Preisgeschehen beitragen.“

Militarisierung des Fiat-Geldes und neue sichere Häfen

Ein weiterer Treiber der Goldnachfrage ist laut Ronald-Peter Stöferle die Militarisierung des Fiat-Geldes: „Die zunehmende Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten führt dazu, dass Investoren verstärkt in sichere Häfen wie Gold flüchten.“ Verstärkt werde diese Unsicherheit durch geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Instabilität und die expansive Geldpolitik vieler Notenbanken, so der Incrementum-Experte. Daher biete Gold in diesem Umfeld eine verlässliche Absicherung gegen Währungsabwertungen und wirtschaftliche Turbulenzen, was seine Attraktivität weiter erhöhe.

Neben Gold gewinnen auch neue Safe-Haven-Assets wie Bitcoin an Bedeutung. „Bitcoin und andere Kryptowährungen bieten eine alternative Form der Absicherung, was die Diversifizierung der Portfolios vorantreibt“, sagt Stöferle. Diese digitalen Währungen bieten Investoren neue Möglichkeiten, ihr Vermögen abzusichern und Risiken zu streuen. Gleichzeitig ergänzen sie traditionelle Anlageformen und tragen zur Stabilität der Portfolios bei, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Privatanleger sollten erwägen, einen kleinen Teil ihres Portfolios in diese neuen Assets zu investieren, um von deren Potenzial zu profitieren.

Traditionelle Portfolios im Wandel

Diese neue Dynamik im Goldmarkt hat auch Auswirkungen auf das traditionelle 60/40-Portfolio. „Angesichts der neuen Spielregeln im Goldmarkt müssen Investoren ihre Strategien überdenken und anpassen“, rät Stöferle. Die traditionellen Ansätze, die sich stark auf Aktien und Anleihen stützen, sind in der aktuellen Marktumgebung möglicherweise nicht mehr ausreichend. Investoren sollten daher ihre Portfolios diversifizieren und alternative Anlageformen wie Edelmetalle und Kryptowährungen in Betracht ziehen. Für Privatanleger bedeutet dies, dass sie ihre bisherigen Strategien hinterfragen und offen für neue Anlageklassen sein sollten, um langfristig erfolgreich zu bleiben.

Fiskalische und monetäre Veränderungen

Auch fiskalische und monetäre Veränderungen in westlichen Ländern haben erheblichen Einfluss auf die zukünftige Goldpreisentwicklung. „Die expansive Geldpolitik und die steigende Verschuldung der Staaten könnten den Goldpreis weiter anheizen“, meint Stöferle. Diese Entwicklungen führen zu einer erhöhten Inflationserwartung und einer Abwertung der Fiat-Währungen, was Gold als Absicherungsinstrument noch attraktiver macht. Privatanleger sollten diese makroökonomischen Trends genau beobachten und Gold als wichtigen Bestandteil ihres Portfolios in Betracht ziehen.

Die 10 neuen Spielregeln für Gold-Investments

Die neuen Spielregeln für Privatanleger für Gold-Investments von Ronald-Peter Stöferle in zehn Punkten zusammengefasst:

  1. Berücksichtigen Sie die veränderten Korrelationen, die traditionelle inverse Korrelation zwischen Goldpreis und Realzinsen ist Geschichte.
  2. Behalten Sie die Zentralbanken im Auge, da deren zunehmende Goldkäufe den Goldpreis stark beeinflussen.
  3. Beachten Sie die geopolitischen Verschiebungen: Der Einfluss der asiatischen Länder auf die Goldpreisbildung nimmt zu, während der Westen an Bedeutung verliert.
  4. Berücksichtigen Sie die zunehmende Marktmacht nicht-westlicher Staaten wie China und Indien sowie der arabischen Halbinsel. Diese dominieren die Nachfrage nach Goldschmuck, -barren und -münzen.
  5. Profitieren Sie von Unsicherheiten, denn die Militarisierung des Fiat-Geldes und die geopolitischen Spannungen erhöhen die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen.
  6. Berücksichtigen Sie neue Safe-Haven-Anlagen, zum Beispiel Kryptowährungen wie Bitcoin, die alternative Absicherungs- und Diversifikationsmöglichkeiten bieten.
  7. Diversifizieren Sie traditionelle Portfolios, denn das klassische 60/40-Portfolio ist überholt.
  8. Beobachten Sie makroökonomische Trends, denn expansive Geldpolitik und steigende Staatsverschuldung beeinflussen auch den Goldpreis.
  9. Bleiben Sie flexibel und passen Sie Ihre Anlagestrategien laufend den sich ändernden Marktbedingungen an.
  10. Last, but not least: Setzen Sie auf Diversifikation und berücksichtigen Sie Gold als stabilisierenden Faktor in Ihrem Portfolio. Nur so können Sie langfristig erfolgreich sein.

Deshalb müssen Privatanleger bei Gold jetzt umdenken

Insgesamt sieht Goldexperte Stöferle für goldaffine Privatanleger die Notwendigkeit, ihre Anlagestrategien anzupassen, um von der neuen Dynamik im Goldmarkt zu profitieren. „Anleger sollten die veränderten Spielregeln berücksichtigen und ihre Portfolios entsprechend diversifizieren, um langfristig erfolgreich zu sein“, so seine Empfehlung.

Angesichts der veränderten Marktbedingungen und der neuen Einflussfaktoren sei eine flexible und durchdachte Anlagestrategie entscheidend für den Erfolg am Goldmarkt. Privatanleger sollten daher die aktuellen Trends und Entwicklungen aufmerksam verfolgen und ihre Portfolios entsprechend ausrichten, um von den Chancen des sich wandelnden Goldmarktes zu profitieren.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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