Wirtschaft

Haskapbeere trotzt Frost - und wird als neues „Superfood“ gehandelt

Die recht unbekannte Haskapbeere wird als gesundes "Superfood" bezeichnet und soll verschiedensten Klimaextremen standhalten können. Eine neue Super-Beere für Deutschland? Diese Idee hat gleich mehrere Haken.
02.07.2024 07:58
Lesezeit: 2 min

In Deutschland ist die Haskapbeere kaum bekannt, doch im Netz wird sie schon als Superfood gehandelt. Derzeit werde der Anbau der lila-bläuliche Beere vereinzelt auf Höfen getestet, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit. Es verweist auf eine Besonderheit: Die Eigenschaften der Beeren machten sie weniger anfällig für Klimaextreme. Die Haskapbeere sei robust und anpassungsfähig, erläuterte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage. Inwiefern sie für den Anbau infrage kommt, müsse in der jeweiligen Region und unter den jeweiligen Anbaubedingungen geprüft werden.

Obstbauer Ulrich Munz aus der baden-württembergischen Gemeinde Kirchheim am Neckar (Kreis Ludwigsburg) baut die auch Honigbeere oder Maibeere genannte Frucht nach eigenen Angaben bereits seit sechs Jahren an. „Wir haben gehört, dass die Beere sehr frostrobust sein soll und da wir auch viel mit Spätfrost zu kämpfen haben, wollten wir das einmal ausprobieren“, sagte Munz. Seitdem teste er verschiedene Sorten. Sein Fazit: „Sie wachsen in unseren Böden recht gut.“

Abgehärtet in Sibirien

Wie Peter Stremer von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen erklärte, hängt die Robustheit der Beere mit ihrem sibirischen Ursprung zusammen. „Damit ist nachzuvollziehen, warum der Strauch sehr winterhart ist und die Blüte verträgt auch ohne Problem leichte Minusgrade im Frühjahr.“ Bei heimischen Obstarten wie Äpfeln oder Erdbeeren würden diese zu Totalschäden führen.

„Die Klimakrise hat teils dramatische Auswirkungen auf die Landwirtschaft – auch in Deutschland“, sagte die Ministeriumssprecherin in Berlin. „Die Ertragseinbußen bedrohen mancherorts bereits die Existenz von Landwirtinnen und Landwirten.“ Zwar sei der wichtigste Schritt die Bekämpfung der Ursachen des Klimawandels. Neue Kulturen könnten der Landwirtschaft jedoch auch helfen, widerstandsfähiger zu werden.

Leider nicht lange haltbar

Kammervertrerter Stremer hebt bei der Haskapbeere auch hervor, dass sie nur wenig anfällig für Krankheiten und Schädlinge sei. „Es muss also kaum Pflanzenschutz betrieben werden.“ Die Beere eignet sich demnach gut für einen Bio-Anbau. Auch reife sie sehr früh und könne damit als erstes Frischobst im Jahr angeboten werden. Im frischen Zustand sei die Haskapbeere jedoch nicht lange haltbar, sie diene vielmehr der Verarbeitung, beispielsweise in Marmeladen. Stremer zufolge werden in absehbarer Zukunft keine größeren Plantagen in Deutschland entstehen, weil die Beere zu unbekannt und kein Absatzmarkt vorhanden ist.

In anderen Ländern sieht das anders aus, wie aus Angaben des Bundesagrarministeriums hervorgeht: „Polen und Großbritannien bauen innerhalb Europas in größerem Stil an“, sagte die Ministeriumssprecherin. „In Japan, speziell auf der Insel Hokkaido, werden die Beeren seit über 90 Jahren gegessen.“ Auch in Kanada sei die Haskapbeere seit einigen Jahren auf dem Markt.

Haskapbeere als Superfood?

Und was ist dran an den Behauptungen im Netz, die Haskapbeere könnte eine gesundheitsfördernde Wirkung haben? Die Verbraucherzentrale stuft die Haskapbeere als ähnlich gesund ein wie heimische Heidelbeeren, Himbeeren oder Brombeeren. Sie seien „keine Wunderbeeren“, heißt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale. Dem Obst werde ein hoher Vitamingehalt zugeschrieben, sie sollen zudem Mineralstoffe wie Eisen enthalten und durch Pflanzenstoffe wie Anthocyane auch antioxidativ wirken - gut für die Körperzellen. Werbeaussagen, nach denen die Beere vor Herzkreislauferkrankungen und Krebs schützen soll, sehe die Verbraucherzentrale durch Studien nicht bestätigt.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Finanzen
Finanzen Averaging down: Billig, billiger, "verbilligen" – Chance oder Anlegerfalle?
14.12.2025

"Verbilligen" klingt nach Schnäppchen – doch an der Börse ist billig nicht automatisch gut. Viele Vermögensverwalter empfehlen...

DWN
Finanzen
Finanzen Trennungsunterhalt: Wann es einen Unterhaltsanspruch zwischen Ehepartnern gibt
14.12.2025

Kommt es zu einer Trennung in der Ehe, kann unter bestimmten Bedingungen der finanziell schwächer gestellte Ehepartner vom anderen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasversorgung in Deutschland: Das Für und Wider der Gasspeicherung
14.12.2025

Vor ein paar Jahren liefen wir Gefahr, im Winter zu frieren, denn bei schlechten Witterungsbedingungen einem und hohem Verbrauch bestand...

DWN
Politik
Politik Die entstellte Seele Europas. Wie ein ganzer Kontinent seine Richtung verliert
14.12.2025

Ganze 210 Milliarden Euro stehen auf dem Spiel. Die EU sucht einen Weg, russische Vermögenswerte zu nutzen, Belgien fürchtet Vergeltung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eurowind-Rückzug erschüttert US-Markt: Warum Europa nun wichtiger ist
14.12.2025

Der überraschende Rückzug des dänischen Energieparkentwicklers Eurowind aus den Vereinigten Staaten trifft eine Energiebranche, die...

DWN
Panorama
Panorama Feiertage 2026: Alle Termine, Brückentage und Regeln – wie Sie am besten profitieren
13.12.2025

Die Feiertage 2026 liegen günstig und ermöglichen viele lange Wochenenden. Wer früh plant, kann deshalb Brückentage optimal nutzen....

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienrendite: Es lohnt sich wieder zu vermieten
13.12.2025

Eine Mietimmobilie als Kapitalanlage kann wieder eine interessante Investition sein. Doch nicht überall macht das Sinn. Wo sich das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Prominenter China-Experte zeichnet düsteres Bild für Europa: „Es wird ziemlich schlimm“
13.12.2025

Europa wähnt sich sicher, doch die nächste ökonomische Erschütterung rollt bereits heran. Der prominente China-Analyst Dan Wang...