Politik

Bauernpräsident kritisiert Regierung - Proteste drohen

Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied warnt vor weiteren Bauernprotesten gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Trotz Entlastungspaket bleibt der Frust hoch. Klimawandel, Subventionen und Digitalisierung sind zentrale Themen.
26.06.2024 09:55
Aktualisiert: 26.06.2024 09:55
Lesezeit: 2 min
Bauernpräsident kritisiert Regierung - Proteste drohen
Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied kritisiert das beschlossene Agrarpaket der Bundesregierung (Archivbild): „Die Ampel hat nicht geliefert“ (Foto: dpa). Foto: Marco Rauch

Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied schließt weitere Proteste gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung nicht aus. „Wir behalten uns weitere Protestaktionen vor“, sagte er am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. Nach bundesweiten Traktoren-Protesten der Landwirte zu Jahresbeginn hatte sich die Koalition aus SPD, Grünen und FDP am Dienstag auf ein Entlastungspaket geeinigt. Es sieht unter anderem steuerliche Erleichterungen und weniger Bürokratie vor.

Der Bauernverband fordert aber weitergehende Schritte. Die Lage der Landwirtschaft ist auch das zentrale Thema des Deutschen Bauerntags, der an diesem Mittwoch in Cottbus beginnt.

„Die Ampel hat nicht geliefert“, kritisierte Rukwied. Das beschlossene Agrarpaket sei „gerade mal ein Päckchen“. „Wir müssen Landwirtschaft neu aufstellen, wissensbasiert auf Innovationen setzen, unserer jungen Generation Perspektiven geben“, sagte der Verbandspräsident. Der Frust beim Nachwuchs sei enorm.

Agrarpaket der Ampel-Fraktionen

Rukwied forderte die Regierung auf, Bäuerinnen und Bauern stärker einzubeziehen. „Wir fahren keinen konfrontativen Kurs“, beteuerte er. „Im Gegenteil, wir machen Angebote und erwarten, dass man die Angebote aufnimmt und gemeinsam die Dinge mit uns umsetzt, damit die junge Generation eine Zukunft hat.“

Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in der Landwirtschaft und der Bauernproteste soll das Agrarpaket der Ampel-Fraktionen die Land- und Forstwirtschaft entlasten. „Wir sorgen für mehr finanzielle Planungssicherheit der Betriebe durch die Einführung der steuerlichen Gewinnglättung, wir stärken die Position der Landwirte in der Lebensmittelkette und rüsten sie besser gegen unlautere Handelspraktiken“, erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir.

„Wir lösen damit auch Zusagen ein, die die Bundesregierung gegenüber der Landwirtschaft im März gemacht hat, und liefern konkrete Entlastungen“, so Özdemir.

Der Bundeslandwirtschaftsminister fügte hinzu, dass das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) massiv Bürokratie abbauen wolle. Dazu habe sein Ministerium eine Initiative gestartet, um die Vielzahl bürokratischer Belastungen deutlich zu reduzieren.

Forderungen nach umfassenderen Maßnahmen

Im Dezember 2023 und Januar 2024 hatten sich Bauernproteste hauptsächlich gegen das Auslaufen von Dieselvergünstigungen gerichtet und erhebliches Aufsehen erregt, da die Landwirte gegen die Sparpläne der Bundesregierung demonstrierten. Diese Pläne beinhalteten das Auslaufen von Dieselvergünstigungen und die Abschaffung der Kfz-Steuerbefreiung für landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Höhepunkte der Proteste waren Großdemonstrationen in Berlin und München sowie Blockaden in Schleswig-Holstein. Die Regierung reagierte mit einem Entlastungspaket, das jedoch von den Landwirten als unzureichend kritisiert wurde. Der Deutsche Bauernverband fordert weiterhin umfassendere Maßnahmen.

(Mit Material der Nachrichtenagentur dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

avtor1
Farhad Salmanian

Zum Autor:

Farhad Salmanian arbeitet bei den DWN als Online-Redakteur. Er widmet sich den Ressorts Politik und Wirtschaft Deutschlands sowie der EU. Er war bereits unter anderem für die Sender BBC und Radio Free Europe tätig und bringt mehrsprachige Rundfunkexpertise sowie vertiefte Kenntnisse in Analyse, Medienbeobachtung und Recherche mit.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milan Nedeljković als neuer CEO: Warum die BMW-Aktie auf operative Stärke setzt
13.05.2026

Die BMW-Aktie rückt mit Milan Nedeljković in eine neue Bewährungsphase, in der operative Stärke und industrielle Präzision mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hoffnung auf 1.000 Euro zerstört: Unionsfraktion verweigert Arbeitnehmern die Entlastungsprämie
13.05.2026

Die geplante steuerfreie Entlastungsprämie für Arbeitnehmer wird nicht kommen. Nachdem der Bundesrat das Vorhaben bereits gestoppt hatte,...

DWN
Politik
Politik Putin in der Zwickmühle: Russische Wirtschaft verliert an Spielraum
13.05.2026

Putin steht im Ukraine-Krieg zunehmend unter Druck, während Russlands Wirtschaft trotz hoher Öleinnahmen an Stabilität verliert. Kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: US-Inflation, Dollar und Renditen bremsen den Goldkurs
13.05.2026

Nach einer starken Vorwoche verliert Gold wieder an Schwung. Ausgerechnet die jüngsten US-Konjunkturdaten sorgen für Gegenwind und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krankheitswelle: Warum die E-Krankschreibung nicht der Sündenbock ist
13.05.2026

Die Rekordzahlen bei den Fehltagen liegen laut aktuellen Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) weniger an der...

DWN
Politik
Politik Mageres Ergebnis nach Nachtsitzung: Koalition vertagt Reform-Details
13.05.2026

Sechs Stunden Verhandlungsmarathon, aber kaum konkrete Beschlüsse: Union und SPD haben sich im Kanzleramt zwar auf einen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VDA warnt: Autoindustrie steht vor massivem Stellenabbau bis 2035
13.05.2026

Die Sorgen um den Wirtschaftsstandort Deutschland wachsen weiter. Während die Autoindustrie tausende Jobs gefährdet sieht, warnen auch...

DWN
Politik
Politik Wahlumfrage in MV: AfD bleibt vorne, SPD holt auf
13.05.2026

Vier Monate vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sorgt eine neue Wahlumfrage für Bewegung im Parteienfeld. Während die AfD klar...