Wirtschaft

CSRD: EU legt standardisierte Nachhaltigkeitsberichte für KMU vor

Die CSRD zwingt Europas Mittelstand in ein Korsett aus Formularen und Bürokratie. Was als Transparenzprojekt verkauft wird, droht für viele KMU zur Kostenfalle zu werden – während große Konzerne von der CSRD profitieren und ihre Macht über kleinere Zulieferer ausbauen.
18.08.2025 17:17
Lesezeit: 2 min

CSRD: EU-Mitgliedstaaten rebellieren gegen wachsende Bürokratiekosten

Die Europäische Kommission (EK) hat ein standardisiertes Formular für Nachhaltigkeitsberichte kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) erstellt. Es entspricht der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), nach der künftig alle großen Unternehmen sowie mit ihnen kooperierende KMU Nachhaltigkeitsberichte vorlegen müssen. Das berichtet das Wirtschaftsportal Verslo žinios.



Die am 5. Januar 2023 in Kraft getretene Richtlinie (2022/2464) des Europäischen Parlaments und des Rates sieht vor, dass bis 2029 alle großen Unternehmen der EU sowie in der EU tätige Konzerne aus Drittstaaten Berichtspflichten erfüllen. Im Sommer 2023 wurde das Paket der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) verabschiedet, nach dem die Berichte vorzulegen sind. Der Standard wurde eingeführt, um Vergleichbarkeit zu schaffen, da zuvor zahlreiche, nicht kompatible Modelle nebeneinander existierten. Laut CSRD waren KMU – mit Ausnahmen – nicht direkt berichtspflichtig. Indirekt mussten jedoch viele kleinere Firmen, die mit großen Unternehmen kooperieren, ihre Daten zuliefern, damit diese ihre eigenen Berichte erstellen können. Um die Belastung für KMU zu verringern, verpflichtete sich die Kommission bei Einführung der CSRD, ein vereinfachtes Formular vorzulegen. Dieses wurde im Juli dieses Jahres bestätigt.

Chaos bei Nachhaltigkeitsberichten

„Der Mittelstand erklärt seine Nachhaltigkeitssituation schon seit geraumer Zeit relativ aktiv. Die standardisierte Form ermöglicht, dies schneller, einfacher und günstiger zu tun – zudem wird sie allgemein verständlich sein“, sagt Nino Inasaridze, Vorstandsmitglied der litauischen Vereinigung für verantwortliches Unternehmertum und Chefin der UAB „Sustaiming“, die Nachhaltigkeitserklärungen erstellt. Ihr zufolge herrscht derzeit jedoch „eine gewisse Verwirrung“ bei der Umsetzung verpflichtender Nachhaltigkeitsberichte. Denn Anfang dieses Jahres verschob die EK die Einführung der CSRD um zwei Jahre.

Wie VŽ berichtete, hätten in diesem Jahr nach CSRD die Unternehmen für 2024 berichten müssen, die bereits jetzt nach der Richtlinie zur Offenlegung nicht-finanzieller Informationen (NFRD) von 2014 berichten. Ab 2026 sollten alle großen EU-Unternehmen für 2025 berichten, ab 2027 auch alle börsennotierten kleinen und mittleren Unternehmen (außer Kleinstfirmen), einfache Kreditinstitute und abhängige Versicherer. Der letzte Schritt war für 2029 vorgesehen: Drittstaatenunternehmen mit einem Nettoumsatz von über 150 Mio. Euro in der EU. Nach Protesten in mehreren EU-Staaten über die finanzielle und administrative Last wurden die nächsten Umsetzungsphasen der CSRD Anfang dieses Jahres auf 2027 verschoben. Noch 2025 soll zudem eine Überarbeitung erfolgen, damit weniger Unternehmen in die Pflicht genommen werden.

Kleine Firmen berichten freiwillig

Laut Inasaridze ändert dies für KMU wenig: „In der Praxis erstellen immer mehr kleine und mittlere Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte – aus verschiedenen Gründen.“ „Meist wird Nachhaltigkeit deklariert, um von Banken günstigere Kredite zu erhalten, da diese ihre grünen Kreditportfolios ausbauen wollen. Zudem sind Berichte oft erforderlich, wenn man mit skandinavischen Unternehmen arbeitet, da dort Nachhaltigkeit sehr wichtig ist. Und die Zahl der Firmen wächst, die allein aus Überzeugung ihre Situation transparent machen wollen“, sagt sie. Auch bei staatlichen Ausschreibungen erhoffen sich KMU Vorteile durch eigene Nachhaltigkeitsberichte.

Wie viele KMU tatsächlich Berichte erstellen, ist schwer zu sagen. Ein Register existiert nicht, viele veröffentlichen die Dokumente nicht, sondern leiten sie nur an Partner weiter. Die Kosten für einen Nachhaltigkeitsbericht belaufen sich auf rund 4.000 Euro aufwärts.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Sollte ich US-Banken kaufen? Warum ich Citigroup und Wells Fargo genauer prüfe
14.10.2026

Nach der starken Rally ist bei US-Bankaktien Ernüchterung eingekehrt. Gleichzeitig steigen die Gewinne vieler Institute weiter. Für mich...

DWN
Technologie
Technologie Kühlschränke im Auftaumodus: Cyberangriff stört Kühlanlagen französischer Handelsketten
14.10.2026

Eine Cyberattacke störte die Funktion von Kühlschränken mehrerer französischer Handelsketten. Lebensmittel müssen weggeworfen werden -...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung liegt auf Eis: Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin
14.10.2026

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Chefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer...

DWN
Immobilien
Immobilien Nach Fehlstart: „Jung kauft Alt“ wird massiv aufgestockt – lohnt sich die Eigenheimförderung?
14.10.2026

Bis zu 40.000 Euro mehr Kredit, Zinsen weit unter Marktniveau und lockerere Sanierungsvorgaben: Nach schwachem Start bessert der Bund bei...