Technologie

Erneuerbare Energien auf Rekordkurs: Fast 60 Prozent Stromanteil im 1. Halbjahr 2024

Erneuerbare Energien haben dieses Jahr in der ersten Jahreshälfte fast 60 Prozent des Strombedarfs in Deutschland abgedeckt. Das ist ein neuer Rekord, zu dem insbesondere die Windkraft einen Großteil beigetragen hat.
09.07.2024 13:39
Lesezeit: 3 min
Erneuerbare Energien auf Rekordkurs: Fast 60 Prozent Stromanteil im 1. Halbjahr 2024
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Windkraft die Kohle als wichtigsten Stromerzeuger in Deutschland abgelöst. (Foto: iStock.com, Achim Schneider / reisezielinfo.de) Foto: Achim Schneider / reisezielinfo.

Im vergangenen Jahr 2023 trugen die erneuerbaren Energien bereits ca. 52 Prozent zur Stromgewinnung im ersten Halbjahr bei. Mit fast 60 Prozent im ersten Halbjahr 2024 ist damit ein neuer Rekordwert erreicht. Neben Windkraft trugen auch Solarerzeuger, Wasserkrafterzeuger und Energie aus Biomasse zu dieser Stromerzeugung bei. Die aktuellen Zahlen ergeben sich aus Hochrechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW).

Windkraft führt

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wurde zu 24 Prozent von der Windkraft geleistet, gefolgt von Photovoltaik, mit einem Anteil von 14 Prozent. Auf die Stromerzeugung durch Biomassen entfielen neun Prozent, sowie jeweils fünf Prozent auf die Wasserkraft und Windenergie auf See. Ein restlicher Teil wurde durch die Verwertung aus Siedlungsabfällen erzeugt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Windkraft die Kohle als wichtigsten Stromerzeuger in Deutschland abgelöst. 2023 stammten 31 Prozent des erzeugten Stroms in Deutschland aus diesem Energieträger, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Mit insgesamt 139,3 Milliarden Kilowattstunden hatte sie damit einen neuen Höchststand erreicht. Die Kohle blieb jedoch mit 26,1 Prozent Anteil auch im Jahr 2023 der zweitwichtigste Energieträger. Im Vorjahr 2022 lag die Kohle mit einem Anteil von 33,2 Prozent noch vorne und die Windkraft trug mit 24 Prozent einen deutlich kleineren Teil zur Stromerzeugung bei.

Hohe Zuwächse auch bei Photovoltaikanlagen

Photovoltaikanlagen produzierten mit 37 Milliarden Kilowattstunden ebenfalls deutlich mehr Strom als im Vorjahr. Dies ist auch dem starken Ausbau der Erzeugerflächen im Jahr 2023 zu verdanken. Im Juni dieses Jahres hätten diese Anlagen zum ersten Mal in einem einzigen Monat mehr als zehn Milliarden Kilowattstunden produziert, so der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Mit 12 Milliarden Kilowattstunden hat auch die Wasserkraft einen hohen Beitrag zur Stromerzeugung geleistet.

BDEW: Wasserstofffähige Gaskraftwerke müssen ausgebaut werden

Trotz dieser positiven Zahlen ist die Stromerzeugung aus Windkraft und Sonne nicht konstant. Deshalb fordert die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Kerstin Andreae, den Ausbau wasserstofffähiger Gaskraftwerke, um eine konstante Stromerzeugungsleistung zu gewährleisten für Zeiten, in denen wetterbedingt Sonne und Wind keine Energie liefern können. Zwar sei der hohe Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion erfreulich, müsse jedoch durch stabile Alternativen ergänzt werden. Auch der Vorstand des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), Frithjof Staiß, begrüßte den hohen Anteil der Erneuerbaren und hält eine vollständige, sichere und treibhausgasneutrale Stromversorgung durch erneuerbare Energien unter Einbindung von Wasserstoff bis 2025 für möglich.

Politik: Förderung erneuerbarer Energien bei Wind und Sonne soll grundlegend geändert werden

Mit einem aktuellen Beschluss im Rahmen der Haushaltseinigung will die Ampel-Koalition den weiteren Ausbau von Wind- und Solarerzeugern auf eine Investitionskosten-Förderung umstellen. Zu einem späteren Zeitpunkt müsse dann der Ausbau förderfrei gestaltet werden und die erneuerbaren Energien dann vollständig in den Markt integriert werden. Der Zeitpunkt der Umstellung wurde durch den Beschluss jedoch noch nicht festgelegt.

Eine Umstellung auf Investitionsförderung wäre in Deutschland neu. Bislang wurde der Ausbau erneuerbarer Energien durch garantierte Abnahmepreise für meistens 20 Jahre an die Betreiber gefördert. Auf dieser Basis kalkulieren die Betreiber den Bau ihrer Anlagen und erhalten von den Banken dafür zumeist günstige Kredite, da der garantierte Abnahmepreis als Sicherheit dient.

Durch eine Umstellung auf Investitionsförderung werden dann keine staatlich abgesicherten Preise mehr über 20 Jahre hinweg garantiert, sondern es wird nur noch der Bau einer Anlage mit einer Förderung bezuschusst. Die Strompreise werden in diesem Fall dann vollständig über den Markt geregelt.

BEE: Umstellung der Förderung gefährdet weiteren Ausbau

Vor einer Umstellung auf Investitionsförderung warnt jedoch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Durch die Umstellung auf Investitionszuschüsse bestünde die Gefahr einer Marktverunsicherung und damit geringeren Investitionen, was die ehrgeizigen Ausbauziele der deutschen Politik gefährden könnte, so Verbands-Chefin Peter. Der BEE setzt sich deshalb für die Beibehaltung der bisherigen Förderbedingungen ein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Macron stößt EU-Debatte an: Frankreich drängt auf stärkere nukleare Abschreckung
04.03.2026

Frankreich stößt eine Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung an und wirbt bei NATO-Staaten für ein erweitertes...

DWN
Politik
Politik Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?
04.03.2026

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei muss das iranische Machtgefüge klären, wer ihm nachfolgt. Doch in Kriegszeiten wird auch die Wahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Noch mehr Bürokratie? EU-Kommission will „Made in Europe“ - Vorgabe für öffentliche Aufträge
04.03.2026

Die Europäische Union muss ihre CO2-Emissionen senken und will ihre Industrie erhalten. Ist die Lösung, europäisch zu kaufen? Kritik...

DWN
Finanzen
Finanzen Ernährungsindustrie warnt: Iran-Krieg könnte Lebensmittelpreise erhöhen
04.03.2026

Die Folgen des Iran-Kriegs sind für Verbraucher in Deutschland zu spüren - etwa beim Tanken. Ist mit weiteren Auswirkungen zu rechnen?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Run aufs weiße Gold: Warum Deutschland zum Lithium-Produzenten werden kann
04.03.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für die Zukunftstechnologie. Rohstoffknappheit und der anhaltende KI-Boom...

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsministerin Reiche: keine Spritpreisbremse - Öl und Gas nicht knapp
04.03.2026

Der Iran-Krieg lässt Öl-, Benzin- und Gaspreise steigen - doch Energiemangel droht in Deutschland nach Angaben der Wirtschaftsministerin...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenturbulenzen: Wie Anleger klug reagieren – 5 konkrete Tipps für einen Börsencrash
04.03.2026

Sinkende Kurse, rote Zahlen im Depot und ständig neue Marktmeldungen: In unsicheren Börsenzeiten verlieren viele Anleger schnell die...

DWN
Politik
Politik Nahost-Krieg löst Debatte in Washington aus: Wie die USA den Angriff auf Iran rechtfertigen
04.03.2026

Die USA rechtfertigen den Angriff auf Iran als präventiven Schritt und verweisen auf eine drohende Gefahr für amerikanische Truppen....