Politik

Steuergeldverschwendung: Regierungsflüge zur Fußball-EM kosten eine halbe Million Euro

Annalena Baerbock (Die Grünen) hat während der Fußball-EM das Nachtflugverbot ignoriert, weil sie beim Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz dabei sein wollte. Doch das ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Jetzt ist herausgekommen: Regierungsflüge zur Fußball-EM kosten den Steuerzahler eine halbe Million Euro.
23.07.2024 14:25
Aktualisiert: 23.07.2024 14:25
Lesezeit: 2 min

Die Kosten für Regierungsflüge zur Fußball-Europameisterschaft, bei denen Mitglieder der Bundesregierung Spiele der deutschen Nationalmannschaft besuchten, beliefen sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums auf 531.000 Euro. Diese Summe umfasst sechs Einsätze der Flugbereitschaft der Bundeswehr, die Bundeskanzler Olaf Scholz und mehrere Kabinettsmitglieder zu den Spielen transportierten. Der teuerste Flug, der am 19. Juni von Berlin nach Stuttgart und zurück zum Spiel Deutschland gegen Ungarn führte, kostete 114.487,41 Euro.

Diese Zahlen stammen aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann. Darüber berichtete die "Welt". Die Antwort wurde der Deutschen Presse-Agentur zur Verfügung gestellt. Pellmann kritisierte die hohen Kosten scharf.

Regierungsflüge: Kanzler und Minister auf Reisen

Vier der sechs aufgeführten Regierungsflüge wurden vom Bundeskanzleramt beauftragt, andere Kabinettsmitglieder wie Bundesinnenministerin Nancy Faeser oder Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach flogen ebenfalls mit. Wie beim Stuttgart-Flug kosteten diese Einsätze jeweils um die hunderttausend Euro.

Ein vom Innenministerium organisierter Flug zum Spiel Deutschland gegen Schottland, der Zwischenstopps in Frankfurt am Main, München und Berlin hatte, kostete 55.306,97 Euro. Ein Flug von Außenministerin Annalena Baerbock von Frankfurt nach Luxemburg nach dem Spiel Schweiz gegen Deutschland kostete 47.039,98 Euro – alles laut Angaben aus der Antwort des Ministeriums. Bei diesem Stadionbesuch hatte die grüne Außenministerin zu allem Überfluss auch noch das Nachtflugverbot in Frankfurt ignoriert.

Steuergeldverschwendung: Kritik an den hohen Kosten der Regierungsflüge

„Wer für sechs angebliche Dienstreisen Kosten von über einer halben Million Euro verursacht, ist entweder völlig verantwortungslos oder endgültig abgehoben“, sagte Pellmann, Vorsitzender der Linke-Gruppe im Bundestag, gegenüber der "Welt". Die Flugbereitschaft dürfe „nicht die alternative Reisemöglichkeit für ein abendliches Unterhaltungsprogramm der Bundesregierung sein“, fügte er hinzu. „Vermutlich aber ist die Flugbereitschaft aufgrund der kaputtgesparten Bahn für die Ministerinnen und Minister und den Kanzler das angenehmere Reisemittel.“

Das Verteidigungsministerium betont in seiner Antwort, dass es sich um eine „Vollkostenkalkulation der jeweils eingesetzten Luftfahrzeuge (inklusive Personalkosten)“ handele. Die Flugstunden seien im Jahresprogramm der Bundeswehr eingeplant und „werden zum Zwecke des Lizenzerhalts-/erwerbs der Luftfahrzeugführer genutzt“. Das bedeutet: Einige Kosten und Flugstunden wären wohl ohnehin notwendig gewesen.

Kritik an der "Ehrenkarte" für die Kanzler-Gattin

Der Linken-Abgeordnete Christian Görke kritisierte außerdem, dass Bundeskanzler Scholz sich von seiner Frau Britta Ernst zu den Spielen habe begleiten lassen und dafür „Ehrenkarten“ genutzt habe. „Während echte Fans tief in die Tasche greifen mussten, saß die Kanzler-Gattin mehrfach auf Premiumplätzen – und das kostenlos beziehungsweise auf Kosten der Allgemeinheit“, monierte Görke. Er forderte, dass Ernst die Kosten ausgleichen solle.

In der Antwort der Regierung auf Görkes schriftliche Anfrage heißt es hingegen: „Es ist seit Jahrzehnten tradierte Staatspraxis, dass sich die Spitzen der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland bei Veranstaltungsbesuchen von ihren Partnern oder Partnerinnen begleiten lassen können. Auf Grundlage dieser Staatspraxis hat Frau Ernst den Bundeskanzler zu den Spielen der Fußball-Europameisterschaft begleitet.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krieg löst Container-Chaos aus: Jetzt müssen Spediteure Kriegsgebühr zahlen
27.03.2026

Je länger der Iran-Krieg andauert, desto größer wird der Druck auf die globalen Lieferketten. Scan Global sieht ein reales Risiko, dass...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Start-up Elea: Wie künstliche Intelligenz Ärzte im Krankenhaus-Alltag entlastet
27.03.2026

Drei Stunden täglich verbringen Ärzte im Schnitt mit Bürokratie. Zeit, die für die Versorgung der Patienten fehlt. Die KI-gestützte...

DWN
Politik
Politik Führerschein-Reform, Preisindex Deutschlandticket: Die Ergebnisse der Verkehrsminister
27.03.2026

Die Verkehrsminister der Länder haben sich auf eine Führerschein-Reform geeinigt - mit dem Ziel, die Kosten dafür zu senken. Auch beim...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neues Textilgesetz geplant: Hersteller sollen für Altkleider zahlen
27.03.2026

Billigkleidung überschwemmt den Markt. Ein neues Gesetz will Hersteller stärker in die Pflicht nehmen. Doch Umweltschützer sehen darin...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sinkender Bierkonsum: Ostdeutsche Traditionsbrauerei Mauritius meldet Insolvenz
27.03.2026

Überteuerte Rohstoffpreise und sinkender Bierkonsum bedrohen 165 Jahre Brautradition aus Sachsen: Mauritius Brauerei aus Zwickau hat...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Billige Online-Ware: EU führt neue Bearbeitungsgebühr ein
27.03.2026

Unzählige Pakete kommen von Online-Händlern wie Shein, Temu, AliExpress und Co. in die EU. Die Flut kleiner Päckchen ist teuer - eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Reform Riester-Rente beschlossen: Wie man künftig fürs Alter vorsorgen kann
27.03.2026

Längst ist klar, dass die Riester-Rente keine Zukunft hat. Jetzt gibt es eine Alternative. Die bringt höhere Rendite-Chancen, aber auch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 90-Tage-Formel: Mit diesen 6 Maßnahmen können Unternehmen Mitarbeiter binden
27.03.2026

Mitarbeiterbindung ist kein „Feelgood“-Projekt, sondern ein knallharter Wirtschaftsfaktor. Wenn vakante Stellen im Schnitt Monate offen...