Politik

Nawalnys Witwe fordert Aufklärung über Tod ihres Mannes

Kremlgegner Nawalny starb vor sechs Monaten in einem Straflager. Seine Witwe weiß immer noch nicht, woran. Die Erklärungen der Behörden sind aus ihrer Sicht unglaubwürdig. Was steht in den Dokumenten?
16.08.2024 10:38
Lesezeit: 2 min

Sechs Monate nach dem Tod des Kremlgegners Alexej Nawalny in einem Straflager hat seine Witwe Julia Nawalnaja kritisiert, dass die russischen Behörden keine überzeugende Erklärung für die Todesursache vorgelegt haben. In einem dreiseitigen Dokument, das sie von den Ermittlern erhalten habe, werde lediglich festgestellt, dass der Tod Nawalnys keine „kriminelle Ursache“ habe, sagte sie in einem auf X veröffentlichten Videobeitrag. Daher sehen die Ermittler auch keinen Grund zur Eröffnung eines Strafverfahrens wegen des Todes.

Nawalny wurde in Russland als Blogger bekannt und war zuletzt der prominenteste Kritiker vom Kremlchef Wladimir Putin. 2020 überlebte er einen Nervengiftanschlag und ließ sich in Deutschland behandeln. Bei seiner Rückkehr nach Russland Anfang 2021 wurde er verhaftet und zu insgesamt 19 Jahren Gefängnis verurteilt, eine Strafe, die er als politisch motiviert bezeichnete. Am 16. Februar starb Nawalny unter ungeklärten Umständen in einem sibirischen Straflager.

In dem Dokument, das Nawalnys Team in sozialen Netzwerken veröffentlichte, wird sein Tod auf «eine Kombination von Erkrankungen» zurückgeführt. Aufgezählt werden verschiedene Krankheiten, darunter Gallenblasenentzündung, Bandscheibenvorfall und Staphylokokken-Infektion. Am Ende hätten Herzrhythmusstörungen zum Tod geführt, heißt es weiter.

Nawalnaja: Mord soll vertuscht werden

„Als ich dieses Dokument sah, konnte ich meinen Augen nicht trauen“, sagte Nawalnaja, die die Arbeit ihres Mannes fortsetzt. „Dies ist ein weiterer ziemlich erbärmlicher Versuch, zu vertuschen, was passiert ist – Mord.“ Jeder Dritte in Russland habe solche Erkrankungen, sterbe aber nicht daran. Zudem hätte ihr Mann, der 27 Mal in Isolationshaft gekommen sei, gemäß der Vorschriften bei seinem Eintreffen in dem Straflager sehr gründlich untersucht werden müssen.

Auch der russische Oppositionelle und enge Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow kritisierte den Erklärungsversuch der Behörden. „Sechs Monate lang waren Putins Ermittler nicht in der Lage, ihre Version davon zu formulieren, was denn passiert ist. Nun haben sie sich wirklich nichts ausgedacht“, schrieb Wolkow bei dem Mitteilungsdienst Telegram.

Nawalnaja kündigte an, ihre Anwälte würden Widerspruch einlegen und die Herausgabe aller medizinischen Dokumente sowie die Aufnahme eines Strafverfahrens fordern. Außerdem werde Nawalnys Team seine eigenen Untersuchungen zu den Umständen des Mordes an ihrem Mann fortsetze.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Politik
Politik Sozialreformen: Hohe Bereitschaft der Deutschen zu persönlichen Einschnitten
06.11.2026

Der Reformbedarf ist groß in Deutschland, darüber herrscht Einigkeit. Doch wie steht es um die Opferbereitschaft der Bevölkerung? Eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Ausverkauf von Tech-Aktien: Südkoreas Börse bricht ein
06.11.2026

Der Ausverkauf von Tech-Aktien in den USA belastet auch die Börsen in Asien. Besonders betroffen ist der südkoreanische Aktienmarkt. In...

DWN
Politik
Politik Robert Habeck warnt vor Putins nächster Falle: „Wir dürfen nicht wieder wegsehen“
06.11.2026

Europa hat die Gefahr durch Putin lange unterschätzt. Der frühere Wirtschaftsminister Robert Habeck fürchtet, dass sich dieser Fehler in...

DWN
Finanzen
Finanzen Daimler Truck-Aktie im Aufwind: Gewinnplus von 73 Prozent
06.11.2026

Der Markt für Nutzfahrzeuge erholt sich - vor allem in Nordamerika. Davon profitiert der Lkw-Bauer Daimler Truck: Das Unternehmen hat im...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk überrascht mich endlich positiv: Ist jetzt die Trendwende da?
06.11.2026

Novo Nordisk hat seine Jahresprognose zum dritten Mal angehoben und mit den Wegovy-Tabletten die Erwartungen übertroffen. Die Aktie...

DWN
Politik
Politik Sanktionen als Bumerang: Wie der Westen seine Gegner stärkt
06.11.2026

Der Westen setzt auf Sanktionen, Exportverbote und Zölle, um seine geopolitischen Gegner unter Druck zu setzen. Doch eine neue Studie...

DWN
Technologie
Technologie BMW Neue Klasse: Ein Auto darf kein Computer auf Rädern sein
06.11.2026

Chinesische Hersteller entwickeln neue Autos deutlich schneller als europäische Konkurrenten. BMW-Entwicklungschef Mike Reichelt erklärt,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Raffinerien schließen: Warum sogar Hähnchen teurer werden
06.11.2026

Europa verliert Raffinerien und damit einen Rohstoff, ohne den zahlreiche Industriezweige nicht auskommen. Die Schwefelknappheit lässt...