Finanzen

Lindner-Vorschlag: Bis 600 Euro Förderung für Vorsorgedepot

Bundesfinanzminister Christian Lindner will ein geplantes privates Altersvorsorgedepot mit bis zu 600 Euro pro Jahr fördern. Man stärke die private Altersvorsorge durch ein neues, auch mit Aktien befüllbares Depot, das steuerlich gefördert werde, sagt der FDP-Chef. „Die Menschen können in Wertpapiere ihrer Wahl investieren.“
20.09.2024 08:55
Aktualisiert: 20.09.2024 08:55
Lesezeit: 1 min

Ein privates Aktiendepot zur Altersvorsorge soll nach dem Willen von Bundesfinanzminister Christian Lindner mit bis zu 600 Euro pro Jahr staatlich gefördert werden. „Die Menschen können in Wertpapiere ihrer Wahl investieren", erläuterte der FDP-Vorsitzende sein Vorhaben. „Der Staat fördert jeden angelegten Euro mit 20 Cent bis zu einer Größenordnung von 3.000 Euro im Jahr.“ Maximal könnten Sparer also 600 Euro vom Staat zusätzlich für ihre Altersvorsorge erhalten.

Zudem sollen die Erträge im Depot nach Lindners Vorstellung steuerfrei bleiben: „So kann der Zinseszins-Effekt über Jahrzehnte voll wirken. Erst bei der Auszahlung im Alter wird wie bei der gesetzlichen Rente Steuer fällig.“

Vorhaben soll Anfang 2026 starten

Schon im Mai bei der Vorstellung des Rentenpakets II, das in den kommenden Monaten vom Bundestag verabschiedet werden soll, hatten Lindner und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) weitere Reformschritte für die laufende Legislaturperiode in Aussicht gestellt. Dabei hatte Lindner auch bereits das Altersvorsorgedepot erwähnt, dessen konkrete Ausgestaltung er nun vorstellt.

Ob sein Vorhaben noch vor der Bundestagswahl im nächsten Jahr umgesetzt wird, bleibt vorerst aber offen. Die FDP-Fraktion hat nach Angaben einer Sprecherin das Ziel, dass das Vorhaben Mitte des kommenden Jahres im Gesetzesblatt steht, damit das Projekt zum 1. Januar 2026 starten kann. Aus Lindners Ministerium hieß es lediglich, ein entsprechender Gesetzentwurf befinde sich derzeit in der regierungsinternen Abstimmung. Das für die Rente zuständige Heil-Ministerium äußerte sich in der Regierungspressekonferenz am Freitag gar nicht zu dem Thema.

Kritik vom Sozialverband

Wie Lindner bereits in der vergangenen Woche vor der FDP-Bundestagsfraktion erläuterte, soll das Vorsorgedepot eine Alternative zur sogenannten Riester-Rente werden, über die der Staat schon seit über 20 Jahren die private Altersvorsorge fördert – und die schon lange in der Kritik steht. „Die Riester-Produkte reflektieren zwar die deutsche Mentalität einer absoluten Sicherheit, gewissermaßen Gürtel und Hosenträger zugleich“, sagte Lindner – doch dieser Wunsch nach Sicherheit gehe Hand in Hand mit einer zu geringen Rendite. Im Gegensatz dazu sieht der Finanzminister ein Aktiendepot klar im Vorteil: „Experten haben errechnet, dass man nach 40 Jahren sogar Millionär sein kann, wenn man 250 Euro im Monat spart und damit die staatliche Förderung voll ausnutzt.“

Der Sozialverband SoVD sieht das Vorhaben hingegen skeptisch und möchte eher, dass die Förderung des Staates der gesetzlichen Rente zugutekommt. „Wir bezweifeln, dass der Aktienmarkt der richtige Weg ist, da vor allem Geringverdiener nichts zum Anlegen übrighaben“, sagte SoVD-Chefin Michaela Engelmeier. „Außerdem wird bei Lindners Vorschlag die Arbeitgeberseite – anders als bei der gesetzlichen Rente – nicht in die Verantwortung genommen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Ozempic und Mounjaro: Die gefährliche Wahrheit über den schnellen Gewichtsverlust
10.08.2026

Ozempic und Mounjaro lassen die Kilos purzeln und bringen selbst quälende Gedanken ans Essen zum Schweigen. Doch der schnelle Erfolg kann...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street gibt angesichts anhaltender Hormus-Unsicherheit leicht nach
10.08.2026

Erfahren Sie, welche geopolitischen Entwicklungen und Marktschwergewichte die Wall Street heute bewegen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Yen-Intervention erschüttert die EZB und stellt Europas Vertrauen auf die Probe
10.08.2026

Washington stützt den Yen und greift dafür ausgerechnet auf Euro zurück. Dass die EZB erst nach der Intervention informiert wurde,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa erhitzt sich: Wegen sinkender Flüsse werden Kraftwerke gestoppt
10.08.2026

Über Europa zieht bereits die vierte Hitzewelle dieses Jahres hinweg. Die Hitze wird nicht nur mit Tausenden zusätzlichen Todesfällen in...

DWN
Politik
Politik Rente, Haushalt, Wahlen - welche Probleme auf Merz warten 
10.08.2026

Das Regierungsviertel in Berlin döst noch vor sich hin. Doch ein stürmischer Herbst kündigt sich an: Auf den Kanzler warten nicht nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenkrise Europa: Krieg wird zur größten Gefahr für das Finanzsystem
10.08.2026

Europas größte Banken halten militärische Konflikte inzwischen für die gefährlichste Bedrohung ihrer Bilanzen. Eine neue Untersuchung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmer Stihl vor Tarifrunde: 35-Stunden-Woche nicht mehr zeitgemäß
10.08.2026

Rückkehr zur 40-Stunden-Woche – für dasselbe Gehalt? Nikolas Stihl sieht die 35-Stunden-Woche als Luxus vergangener Tage. Wie seine...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmangel treibt Preise: Mieten in Deutschland steigen deutlich
10.08.2026

Für Mieter gibt es weiter kaum eine Atempause: Ihre Wohnkosten ziehen kräftig an. Auch bei den Immobilienpreisen geht es bergauf. Die...