Technologie

Deutschland verliert Platz im Innovationsindex: Südkorea überholt

Deutschland fällt im Innovationsindex der WIPO auf Platz 9 zurück. Südkorea überholt durch hohe F&E-Ausgaben. Schweiz bleibt Spitzenreiter. Deutschland punktet bei Patenten, schwächelt aber bei Bildung und IT.
27.09.2024 08:05
Lesezeit: 2 min

Deutschland hat im Innovationsindex der UN-Organisation für geistiges Eigentum (Wipo) einen Platz eingebüßt. Die Bundesrepublik liegt nun auf Platz 9 unter den innovativsten Volkswirtschaften der Welt.

Südkorea hat Deutschland 2023 überholt. Dazu führten neben hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung auch Kultur-Innovationen wie der Exportschlager koreanische Pop-Musik (K-Pop), sagte Wipo-Generaldirektor Daren Tang.

Schweiz Spitzenreiter

Auf den ersten Plätzen liegen wie im Jahr davor die Schweiz, Schweden und die USA. Besser als Deutschland wurden auch Singapur, Großbritannien, Südkorea, Finnland und die Niederlande bewertet. China legte einen Platz auf Rang 11 zu.

Für den Index werden 78 Kriterien berücksichtigt. Dazu gehören das Unternehmensumfeld, Bildung und Forschung, Investitionen und Kreativität etwa bei Industriedesign.

Deutschlands Stärken und Schwächen

Besonders gut schnitt Deutschland bei Forschungsinvestitionen oder Patenten ab. Besonders schlecht bewertet wurde es dagegen beim Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt oder beim Einsatz von Informationstechnologie.

Weltweit haben sich die Frühindikatoren für künftige Innovationstätigkeiten deutlich abgeschwächt, schreiben die Autoren. So verlangsamte sich das Wachstum von Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Auch wurden 2023 erstmals seit 2009 weniger internationale Patente angemeldet als im Vorjahr.

Einbruch bei Risikokapital

Risikokapital-Investitionen gingen nach dem Boom 2020/21 im Jahr 2022 um 36 Prozent und 2023 um weitere 39 Prozent zurück. Die Autoren führen dies unter anderem auf gestiegene Zinsen zurück. In der Pandemiezeit 2020/21 hätten dagegen viele Unternehmen ihre Wachstumsstrategien überdacht und viele Länder hätten in die Digitalisierung investiert.

„Kreativität ist auf jeder Ebene – von der lokalen bis zur globalen Ebene – und in allen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Bereichen gefragt, um die Globalisierung neu zu erfinden und Nachhaltigkeit, Gleichstellung und Wohlstand miteinander zu vereinbaren“, zitierte Wipo einen der Herausgeber, Bruno Lanvin.

Noch bescheinige die Studie Deutschland ein starkes und sehr effektives Innovationssystem, sagt die Präsidentin des deutschen Patent- und Markenamtes, Eva Schewior zum Index. Sie zeige aber auch, dass Deutschland Schwierigkeiten bei der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft habe. Verliere man hier den Anschluss, werde der gesellschaftliche Wohlstand deutlich sinken, warnte sie. Auch in den neuen Technologien habe Deutschland „unglaubliches Potenzial“, betonte, Schewior. Es müsse aber viel stärker in Innovationen sowie Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
30.09.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Politik
Politik Innere Sicherheit: Innenministerkonferenz beschließt nicht mehr einstimmig
30.09.2026

Die Innenministerkonferenz verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Künftig reichen 13...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Unternehmen, die in China tätig sind, stehen vor einer schwierigen Wahl
30.09.2026

Europäische Unternehmen mit Geschäften in China stehen vor einem Dilemma: gegen EU-Recht verstoßen oder gegen chinesisches Recht. Die...

DWN
Politik
Politik Vestager und Nobelpreisträger schlagen KI-Alarm: Kritisches Zeitfenster schließt sich Monat für Monat
30.09.2026

Europa läuft Gefahr, bei künstlicher Intelligenz dauerhaft von den USA und China abhängig zu werden. Margrethe Vestager, zwei...

DWN
Politik
Politik Teilzeitrepublik: Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
30.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...

DWN
Politik
Politik Ende des Brexit? Britischer Premier schließt Wiedereintritt in EU nicht aus
30.09.2026

Der Brexit bleibt auch Jahre nach dem Austritt ein Dauerthema im Vereinigten Königreich. Mit seiner Haltung dazu sorgt der britische...

DWN
Politik
Politik Erster AfD-Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt? Siegmund stellt sich zur Wahl
30.09.2026

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich nach seinem Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Dezember als Ministerpräsident...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aus für Bohai-Automotive: Werksschließung in Harzgerode
30.09.2026

Der Autozulieferer Bohai Automotive schließt sein Werk im Harz endgültig. Rund 550 Arbeitsplätze verschwinden an dem traditionsreichen...