Politik

Thüringen: Gespräche zur Regierungsbildung laufen

Die Verhandlungen zur Regierungsbildung in Thüringen haben mit einer ersten Einigung in der Friedensfrage der potenziellen Brombeer-Koalition einen Schritt nach vorne gemacht. Trotz erster Kritik von außen setzen CDU, BSW und SPD die Gespräche entschlossen fort.
29.10.2024 16:59
Lesezeit: 2 min
Thüringen: Gespräche zur Regierungsbildung laufen
Andreas Bühl (links, CDU), Katharina Schenk (SPD) und Tilo Kummer (rechts, BSW) präsentieren die Ergebnisse der Sondierungsgespräche in Erfurt (Foto: dpa). Foto: Martin Schutt

Die Landesvertreter der CDU, BSW und SPD kamen in Thüringen zu einem ersten Treffen im Rahmen der Regierungsbildung zusammen. In der zweistündigen Sitzung wurden Details zur Organisation von Arbeitsgruppen und der weiteren Planung besprochen, wie ein Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag mitteilte. Konkrete Inhalte sollen erst verkündet werden, sobald Klarheit besteht. Ein wichtiger Schritt in Richtung Brombeer-Koalition im Freistaat ist damit erreicht.

Geplant sind sieben Arbeitsgruppen zu Themen wie Wirtschaft und Migration. Die genaue Rollenverteilung innerhalb dieser Gruppen, einschließlich der Vorsitzenden, ist noch zu klären. Nach dem Start der inhaltlichen Verhandlungen wollen die Parteien zwei Wochen Zeit für die Klärung einräumen. Ein genauer Startzeitpunkt steht jedoch noch aus, erklärte der CDU-Sprecher.

Kritik von Sahra Wagenknecht

Am Montag hatten sich die Beteiligten auf einen Kompromiss in der Friedensfrage verständigt, der die BSW-Forderungen zu Positionierungen im Ukraine-Konflikt und zur US-Mittelstreckenraketen-Stationierung in Deutschland berücksichtigt. Sahra Wagenknecht, Gründerin der BSW, äußerte jedoch Kritik. Ihrer Meinung nach bleibt der Thüringer Kompromiss hinter der in Brandenburg erzielten Einigung zurück. Dennoch setzt das BSW die Gespräche zur Regierungsbildung in Thüringen fort.

Auch andere BSW-Politiker auf Bundesebene meldeten sich kritisch zu Wort. So forderten Ralph Suikat, Bundesschatzmeister, und Jessica Tatti, Parlamentarische Geschäftsführerin der BSW im Bundestag, dass die Standpunkte zur Friedensfrage und zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen ihren Platz in einer zukünftigen Regierung finden müssten. "Sonst kann man es gleich lassen", schrieben beide in einem Gastbeitrag für "t-online". Die beiden Landesvorsitzenden Katja Wolf und Steffen Schütz seien "auf dem besten Weg, das BSW zu einer weiteren unnötigen Partei zu machen."

Schwierige Verhandlungen um Friedens-Präambel

Die Parteien hatten sich bereits auf ein Sondierungspapier geeinigt, doch die Thüringer BSW-Spitze und Wagenknecht drängten auf eine Friedensformel in der Präambel eines möglichen Koalitionsvertrags. Dies führte in Erfurt zu schwierigen Verhandlungen in den letzten Tagen.

Die nun verabschiedete Präambel weicht in Teilen von einer ähnlichen Übereinkunft der SPD und BSW in Brandenburg ab. Darin ist festgelegt, dass die Koalitionspartner in Thüringen unterschiedliche Ansichten zu Waffenlieferungen an die Ukraine vertreten. Es wird auch keine explizite Ablehnung der US-Mittelstreckenraketen-Stationierung erwähnt. Stattdessen wird auf die kritische Meinung vieler Bürger hingewiesen. Wagenknecht hatte wiederholt betont, dass jede künftige Koalitionsregierung in Thüringen, Sachsen und Brandenburg, an der das BSW beteiligt ist, eine klare Position gegen US-Waffenstationierungen in Deutschland vertreten müsse.

Brombeer-Koalition ohne Mehrheit im Landtag

Die Koalition aus CDU, BSW und SPD käme auf 44 der 88 Sitze im Thüringer Landtag und wäre daher für Mehrheiten auf eine Stimme der Opposition angewiesen, die aus AfD und Linken besteht. Die Parteien der potenziellen Brombeer-Koalition lehnen jedoch eine formelle Zusammenarbeit mit den Linken ab und streben stattdessen ein Konsultationsverfahren bei Gesetzesvorschlägen an.

Ulrike Grosse-Röthig, Co-Vorsitzende der Linken in Thüringen, forderte insbesondere die SPD auf, zu prüfen, "ob das sogenannte Konsultationsverfahren der Verhandlungskunst wirklich gerecht wird und es wert ist, sich auf die Stimme von Björn Höcke zu verlassen." Höcke ist Landes- und Fraktionschef der Thüringer AfD, die als rechtsextremistisch eingestuft ist. Der geschäftsführende Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow (Linke), sagte im ntv-Format "#beisenherz" zu Wagenknechts Kritik: "Das gehört sich nicht." Zudem sei er ein Verfechter des Föderalismus: "Wenn wir in den Bundesländern beginnen, in die zentrale Staatsverantwortung einzugreifen, wird auch der Zentralstaat zurückgreifen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Förderprogramm für Azubi-Vermittlung vor dem Aus – trotz offener Ausbildungsplätze
29.09.2026

Viele offene Lehrstellen, viele Jugendliche ohne Perspektive – und trotzdem soll ein bewährtes Förderprogramm für die Azubivermittlung...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...

DWN
Politik
Politik Personalie Jens Spahn: Doch kein Comeback im Haushaltausschuss
29.09.2026

Der Skandal um die Leihmutterschaft kostete Jens Spahn seinen Posten an der Spitze der CDU‑Fraktion. Im Haushaltsausschuss wollte er...