Politik

Verivox: Rekordpreiserhöhungen in der Autoversicherung

Überdurchschnittliche Teuerung: Der Preisanstieg in der Kfz-Versicherung liegt weit über der Inflationsrate – eine Hauptursache sind die teuren Ersatzteile der Autohersteller.
03.11.2024 08:58
Lesezeit: 2 min

Die Autoversicherung ist zur alljährlichen Wechselsaison im Spätherbst teuer wie nie. Laut Kfz-Versicherungsindex des Vergleichs- und Maklerportals Verivox kosten Neuverträge derzeit fast ein Viertel (24 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Das ist der Schnitt für alle drei Arten der Autoversicherung: Haftpflicht sowie Teil- und Vollkasko. Ursache ist laut Verivox der starke Anstieg von Ersatzteilpreisen und Werkstattkosten.

Vollkasko-Tarife besonders teuer

Die Preise für Vollkasko-Tarife haben demnach mit einem Plus von 25 Prozent am stärksten angezogen. Die Autohaftpflicht ist demnach 23 Prozent teurer als im Oktober 2023, Teilkasko 22 Prozent. Die Haftpflicht als gesetzlich vorgeschriebene Basisvariante zahlt nur für Schäden, die Autobesitzer an anderer Menschen Hab und Gut verursachen. „Kasko“ – abgeleitet vom italienischen Wort für „Helm“ – deckt hingegen auch Schäden am eigenen Fahrzeug. Auswertungszeitraum war 1. bis 25. Oktober. Im Zwei-Jahres-Vergleich sind Kfz-Versicherungsverträge laut Verivox sogar 40 Prozent teurer als im Herbst 2022.

Schwerpunkt der Schnäppchenjagd: Nicht billiger, sondern weniger teuer

Das Unternehmen berechnet den Index gemeinsam mit dem Statistik-Experten Wolfgang Bischof von der Technischen Hochschule Augsburg. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den Abschluss neuer Policen, nicht auf die ebenfalls teurer werdenden Bestandsverträge. Alljährlich im November und Dezember wechseln Millionen Autobesitzer in Deutschland auf der Suche nach günstigeren Tarifen ihre Kfz-Versicherung. Schon im vergangenen Jahr ging es bei der alljährlichen Schnäppchenjagd weniger darum, eine billigere Versicherung zu finden, als den Preisanstieg etwas abzumildern.

Preiserhöhungen auch 2026 wahrscheinlich

„Ein Ende der Teuerungen ist noch nicht in Sicht und auch im kommenden Jahr werden die Preise weiter steigen“, sagte Wolfgang Schütz. „Die Versicherer werden voraussichtlich bis 2026 ihre Prämien anpassen, um wieder in die Gewinnzone vorzurücken.“ Grundlage der Daten sind die Angebote der an die 40 Versicherer, die ihre Verträge auf Verivox vertreiben.

Versicherer schreiben Milliardenminus mit Kfz-Policen

Nach Prognose des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wird die Branche in diesem Jahr bis zu zwei Milliarden Euro Defizit mit Kfz-Policen machen. Nach einer GDV-Hochrechnung aus dem September werden die Kfz-Beitragseinnahmen auf rund 33,6 Milliarden Euro steigen, die Kosten jedoch auf eine noch höhere Summe zwischen 34,9 und 35,6 Milliarden Euro. Bereits 2023 hatten die Kfz-Versicherer laut GDV mit Kfz-Policen einen Verlust in Höhe von mehr als drei Milliarden Euro hinnehmen müssen. Der GDV beklagt seit Jahren, dass die Kostensteigerungen für Autoreparaturen weit über der allgemeinen Inflationsrate liegen. Ein wesentlicher Faktor dabei sind die immer teurer werdenden Ersatzteile, ein zweiter die Werkstattkosten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Deepfake-Kennzeichnung: Warum die EU die Wahrheit nicht markieren kann
03.08.2026

Ein täuschend echtes Video kann Karrieren zerstören, Börsenkurse bewegen oder politische Krisen verschärfen. Die EU schreibt deshalb ab...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Entwicklung 2026: Jetzt Gold kaufen oder abwarten?
02.08.2026

Die Goldpreis-Entwicklung hat Anleger 2026 auf eine harte Probe gestellt. Nach einem Rekord im Januar fiel der Preis deutlich zurück. Nun...

DWN
Politik
Politik KI-Steuer, steuerfreie Einkommen, Grundeinkommen? Zeit für einen Systemwechsel
02.08.2026

Wenn Erwerbsarbeit nicht mehr die Existenz sichert: Künstliche Intelligenz frisst Arbeitsplätze, Inflation und Steuern fressen Löhne,...

DWN
Technologie
Technologie Cyber Resilience Act: Dieser Gratis-Test entlarvt die Sicherheitslücken von Unternehmen
02.08.2026

Viele Unternehmen wissen, dass der Cyber Resilience Act kommt. Doch nur wenige dürften ihre digitalen Produkte und internen Abläufe...

DWN
Finanzen
Finanzen Bilder verschenken: Eine Marketingstrategie für Künstler?
02.08.2026

Ein kleines Kunstwerk als Geschenk – eine charmante Geste oder ein strategischer Marketingtrick? Was zunächst nach Großzügigkeit...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Agenten außer Kontrolle: Unternehmen unterschätzen die wahre Rechnung
02.08.2026

KI-Agenten sollen selbstständig arbeiten, Entscheidungen treffen und Unternehmen produktiver machen. Doch während Manager vor allem auf...

DWN
Panorama
Panorama Warum die Welt besser ist, als viele denken: Zehn wenig bekannte Trends
02.08.2026

Kriege, Katastrophen und wirtschaftliche Krisen bestimmen die Nachrichten. Doch während die Schlagzeilen den Eindruck eines globalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Algerien: Wenn ein Gebrauchtwagen teurer ist als ein Neuwagen
02.08.2026

Algerien will weniger abhängig von Öl und Gas werden und setzt auf eine eigene Autoindustrie. Nach Jahren des Mangels, explodierenden...