Politik

Brandenburg-Koalition: SPD und BSW beschließen offiziell erste Rot-Lila-Koalition

Die bundesweit erste Zusammenarbeit zwischen SPD und BSW ist in Brandenburg endgültig beschlossen. Nachdem der BSW das Vorhaben einstimmig absegnete, stimmte auch die SPD auf ihrem Landesparteitag fast geschlossen mit nur einer Enthaltung für den Koalitionsvertrag. Eine letzte formelle Hürde bleibt jedoch.
06.12.2024 20:45
Lesezeit: 2 min

Ministerpräsident Dietmar Woidke soll am kommenden Mittwoch (11.12.) gewählt und vereidigt werden. "Es waren intensive Verhandlungen, es waren herausfordernde Verhandlungen", erklärte SPD-Landeschef Woidke auf dem Parteitag. Als Beispiel nannte er den Ukraine-Krieg. Die SPD habe Differenzen hintangestellt. "Wir haben es geschafft, diese schwierigen Situationen gemeinsam zu bewältigen", betonte Woidke. Nach der Landtagswahl habe es nur eine Option ohne die AfD gegeben: die Brandenburg-Koalition mit dem BSW. Auf dem Parteitag stimmten 108 Delegierte dem Vertrag zu, keiner lehnte ihn ab, einer enthielt sich.

Brandenburg-Koalition: Kritik innerhalb der SPD

Nicht alle SPD-Mitglieder zeigten sich uneingeschränkt zufrieden. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Polen, Wolfram Meyer zu Uptrup, warnte vor möglichen Verunsicherungen der polnischen Nachbarn und vor russischem Imperialismus: "Wenn Frieden Unterwerfung bedeutet, ist es kein Frieden." Juso-Landeschef Leonel Richy Andicene kritisierte die verstärkten Grenzkontrollen, lobte jedoch die Ansätze in der Arbeits- und Jugendpolitik. Auch Juso-Vorstandsmitglied Maximilian Henningsen äußerte Kritik an der Bezahlkarte: "Sie signalisiert Misstrauen gegenüber Menschen, die vor Krieg und Vertreibung fliehen."

BSW setzt Zeichen für die Koalition in Brandenburg

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) demonstrierte Geschlossenheit: Alle 32 anwesenden Mitglieder stimmten dem Koalitionsvertrag zu. Das BSW in Brandenburg zählt laut eigenen Angaben 50 Mitglieder. "Das ist ein überwältigender Vertrauensvorschuss, den ihr uns gebt. Wir werden abliefern", versprach der BSW-Landesvorsitzende Robert Crumbach. Die Menschen dürften nicht im Stich gelassen werden. Dennoch räumte er ein: "Es gab sehr schwierige Momente in den Sondierungen, wo ich dachte: Das wird nichts."

Sahra Wagenknecht, Bundesvorsitzende des BSW, hob die Bedeutung der Vereinbarungen im Koalitionsvertrag hervor. Besonders wichtig sei, dass das BSW verankert habe, den Ukraine-Krieg durch Diplomatie zu beenden. "Wir haben die Debatte über Krieg und Frieden (...) in diesem Land verändert", erklärte sie auf dem Parteitag.

Kabinett der Brandenburg-Koalition steht

Das künftige Kabinett der Rot-Lila-Koalition ist bereits festgelegt. SPD-Fraktionschef Daniel Keller wird Wirtschaftsminister, die bisherige Finanzministerin Katrin Lange übernimmt das Innenressort. Justizminister wird Benjamin Grimm, derzeit Staatssekretär in der Staatskanzlei (alle SPD). Für das Agrarressort ist Hanka Mittelstädt, Vorstandschefin von Pro Agro, vorgesehen. Steffen Freiberg bleibt Bildungsminister, Manja Schüle führt weiterhin das Wissenschaftsressort, und Kathrin Schneider (alle SPD) bleibt Chefin der Staatskanzlei.

Auf Seiten des BSW übernimmt Robert Crumbach das Finanzministerium, Detlef Tabbert, Bürgermeister von Templin, wird Verkehrsminister, und Britta Müller, ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete, wird Gesundheitsministerin. Die Brandenburg-Koalition steht vor großen Aufgaben: Beide Parteien wollen die Krankenhausstandorte sichern, Kitas beitragsfrei halten, mehr Polizisten einstellen und illegale Migration bekämpfen. Außerdem setzen sie sich im Bund und der EU für eine diplomatische Lösung des Ukraine-Kriegs mit dem Ziel eines dauerhaften Friedens ein.

Die Koalition muss ihre Geschlossenheit erneut unter Beweis stellen, wenn am Mittwoch die Wahl des Ministerpräsidenten ansteht. Bereits am vergangenen Dienstag zeigte sie sich in einer Sondersitzung stabil, trotz einer vorherigen Drohung des BSW-Abgeordneten Sven Hornauf, wegen der Stationierung des Raketenabwehrsystems Arrow 3 in Holzdorf Woidke die Unterstützung zu verweigern.

BSW in drei Landtagen vertreten

Das Bündnis Sahra Wagenknecht ist nun in drei Landtagen präsent. Während in Thüringen eine Koalition von SPD, CDU und BSW angestrebt wird, scheiterten in Sachsen Sondierungen mit dem BSW. Dort soll nun eine Minderheitsregierung aus CDU und SPD entstehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Alarmstufe Rot auf der Schiene: Wirtschaft fordert Bahn-Sanierung
08.06.2026

Das marode Schienennetz der Deutschen Bahn wird zunehmend zum Risiko für die deutsche Wirtschaft. Angesichts gravierender Engpässe in den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Autoindustrie wird zum Symbol des EU-Abstiegs
08.06.2026

Eine Million Jobs stehen in Europa auf der Kippe, doch der härteste Einschlag droht ausgerechnet im industriellen Herz der EU. Die...

DWN
Politik
Politik So hat sich die EU ihre technologische Unabhängigkeit vorgestellt
07.06.2026

Die EU will ihre Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen verringern. Statt schneller Abkopplung setzt Brüssel auf Chips, Cloud, KI und Open...

DWN
Immobilien
Immobilien Horrende Mieten in Deutschland: 6,6 Millionen Haushalte finanziell überlastet
07.06.2026

In Deutschland ist inzwischen jeder dritte Mieterhaushalt von den Wohnkosten finanziell überlastet. Das ergab eine Studie des...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO könnte zum Wendepunkt für Weltraum-Aktien werden
07.06.2026

Die Vorfreude auf den Börsengang von SpaceX treibt Weltraum-Aktien auf immer neue Höhen. Doch gerade die größten Euphoriephasen an den...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögen schützen: Interessenskonflikte im Asset Management erkennen
07.06.2026

Vermögensverwalter betonen gerne ihre Unabhängigkeit und die Ausrichtung am Kundenwohl. Doch hinter den Kulissen wirken häufig Anreize,...

DWN
Immobilien
Immobilien Wende am Immobilienmarkt: Hier lohnt sich Wohneigentum wieder
07.06.2026

Der deutsche Immobilienmarkt kommt in Bewegung. Gerade Eigentumswohnungen werden wieder interessanter, allerdings bleiben die regionalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was die Chinesen in Europa alles aufkaufen
07.06.2026

Ein halbes Dutzend aufsehenerregender Übernahmen – welche haben am meisten wehgetan?