Wirtschaft

Elektroauto-Förderung: Scholz fordert Impulse von der EU

Der Markt für Elektroautos schwächelt, und Bundeskanzler Olaf Scholz setzt auf Lösungen von der EU. Bei einem Besuch des Ford-Werks in Köln betonte er, dass eine europaweite Verkaufsförderung der beste Weg sei, um die Elektromobilität anzukurbeln. Währenddessen kämpfen Beschäftigte und Management mit den Folgen sinkender Nachfrage.
11.12.2024 07:04
Lesezeit: 2 min

Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte bei seinem Besuch in Köln, eine funktionierende, europaweite Verkaufsförderung für Elektroautos sei der optimale Ansatz. Ergänzend müsse die Ladeinfrastruktur in ganz Europa ausgebaut werden. Als Alternative nannte er nationale Anreize, blieb jedoch vage.

Nach dem Auslaufen des deutschen „Umweltbonus“ Ende 2023 brach die Nachfrage nach Elektroautos deutlich ein. Insbesondere Ford, das in Köln zwei neue Elektroauto-Modelle fertigt, leidet unter schleppenden Verkaufszahlen.

Sorgen und Protest bei Ford-Beschäftigten

Rund 8.000 Beschäftigte des Ford-Werks in Köln nahmen an einer Betriebsversammlung teil. Viele bangen um ihre Arbeitsplätze, da ein massiver Stellenabbau geplant ist: Etwa 25 % der 12.000 Jobs sollen in den nächsten drei Jahren wegfallen.

Die Stimmung war angespannt, und die Belegschaft äußerte ihren Unmut lautstark. Mit Slogans wie „Olaf, ohne Wahl wär’n wir Dir egal“ und „Kein Labern mehr“ forderten sie politische Unterstützung.

Betriebsrat und Management fordern Kaufprämie

Ford-Betriebsratschef Benjamin Gruschka appellierte an die Politik, die Nachfrage durch eine Kaufprämie für Elektroautos anzukurbeln. „Wir müssen die Transformation meistern und brauchen dafür klare politische Rahmenbedingungen“, sagte er.

Auch Ford-Geschäftsführer Marcus Wassenberg betonte, dass nur ein gemeinsames Handeln von Politik, Unternehmen und Gewerkschaften die Herausforderungen bewältigen könne.

Milliarden-Investition und schwacher Verkaufsstart

Ford investierte knapp zwei Milliarden Euro in die Umstellung seines Kölner Werks auf Elektromobilität. Die neuen Modelle, der Ford Explorer und der Ford Capri, kamen 2023 auf den Markt – jedoch zu einem schwierigen Zeitpunkt, da die Nachfrage nach Stromern zurückging.

Die Modellpolitik des Unternehmens steht in der Kritik: Mit Preisen ab 42.000 Euro für den Explorer und 44.000 Euro für den Capri bewegen sich die Fahrzeuge weit über dem traditionellen Preissegment der Marke.

FDP: Kritik an Management und staatlicher Förderung

Reinhard Houben, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP, kritisierte sowohl Ford als auch die Forderungen nach staatlichen Hilfen. „Das Management hätte antizipieren müssen, dass der Markt anders reagiert“, sagte Houben. Reflexartige Rufe nach Subventionen seien problematisch und belasteten die Steuerzahler.

Houben stellte außerdem infrage, ob es klug war, den erfolgreichen Kleinwagen Ford Fiesta durch teurere Modelle zu ersetzen. „Die bisherigen Kunden ziehen bei diesem Preisniveau nicht mit“, kommentierte er.

Anzeige
DWN
Finanzen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU bietet chinesischen E-Auto-Herstellern Alternative zu Zusatz-Zöllen
12.01.2026

Statt die für 2024 geplanten Zusatz-Zölle zu erheben, schlägt die EU Herstellern von in China produzierten Elektroautos eine andere...

DWN
Politik
Politik Großbritannien entwickelt "Nightfall" Raketen für Ukraine
12.01.2026

Großbritannien plant, die Ukraine mit einer neu entwickelten ballistischen Kurzstreckenrakete zu unterstützen. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen Powell im Visier der Justiz – Vorwürfe sorgen für Spannungen
12.01.2026

US-Notenbankchef Jerome Powell sieht sich aktuell nicht nur anhaltender Kritik von Präsident Trump ausgesetzt, sondern auch rechtlichen...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnung vermieten leicht gemacht? Diese 7 Fallen sollten Vermieter kennen
12.01.2026

Eine Eigentumswohnung kaufen und danach Wohnung vermieten klingt nach sicherer Rendite. Doch zwischen Kaufvertrag und regelmäßiger Miete...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Saturn-Filialen nehmen ab – Zukunft der Elektronikmarktkette ungewiss
12.01.2026

Das Filialnetz der Elektronikmarktkette Saturn steht vor weiteren Veränderungen. Nach der geplanten Übernahme durch den chinesischen...

DWN
Politik
Politik Trump bekennt Farbe: „Ich brauche kein internationales Recht“
12.01.2026

Donald Trump erklärt offen, dass er sich nicht an internationales Recht gebunden fühlt. In einem Interview mit der New York Times...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold steigt auf Rekordhoch: Krisen und Zweifel treiben Anleger in sichere Häfen
12.01.2026

Internationale Spannungen und politische Unsicherheiten in den USA sorgen derzeit für spürbare Nervosität an den Finanzmärkten....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutschlands Unternehmen geraten zunehmend ins Straucheln
12.01.2026

Zum Jahreswechsel verdichten sich die Signale, dass viele Betriebe weiter unter massivem Druck stehen. Neue Zahlen und Einschätzungen von...