Unternehmen

Vom Homeoffice zurück ins Büro: Wie gelingt es Unternehmen, ihre Mitarbeiter wieder ins Büro zu holen?

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist das Arbeiten von zu Hause aus in den meisten deutschen Unternehmen etabliert. Was damals als Notlösung inmitten der Pandemie galt, ist nun zum Standard geworden. Doch: Immer mehr Unternehmen wünschen sich ihre Fachkräfte zurück vor Ort ins Büro.
29.12.2024 15:51
Lesezeit: 3 min
Vom Homeoffice zurück ins Büro: Wie gelingt es Unternehmen, ihre Mitarbeiter wieder ins Büro zu holen?
Wie schaffen Arbeitsgeber den Weg vom Homeoffice zurück ins Büro (Foto: iStock.com/Jelena Danilovic). Foto: Jelena Danilovic

Homeoffice mag nach einem aufsteigenden Trend klingen, hat aber möglicherweise längst seinen Zenit erreicht: Immer mehr Unternehmen verkürzen die Homeoffice-Tage für ihre Mitarbeiter. Erst kürzlich teilte Amazon mit, dass Mitarbeiter alle fünf Arbeitstage vor Ort im Büro verbringen müssen. Auch der Versandhändler Otto möchte, dass mindestens die Hälfte der Arbeitszeit im Büro gearbeitet wird. Bei SAP und der Deutschen Bank wurden ebenfalls strengere Homeoffice-Regelungen kommuniziert.

Fehlende Identifikation mit dem Arbeitgeber und Co. als Folge von Homeoffice

Woher der Sinneswandel? Neben den vielen Vorteilen, die das Arbeiten im Homeoffice mit sich bringt, reißen auch die Vorurteile und offensichtlichen Nachteile nicht ab. Einige Arbeitgeber befürchten beispielsweise, dass ihre Mitarbeiter in den eigenen vier Wänden weniger arbeiten und stattdessen etwa dem Haushalt nachgehen würden. Ebenfalls beschäftigt Führungskräfte, dass nicht alle ihre Mitarbeiter im eigenen Heim ungestört arbeiten können. Besonders betroffene Gruppen sind Mütter und Väter, deren Kinder ebenfalls zu Hause sind.

Ein weiterer Nachteil von Homeoffice kann der fehlende Kontakt zu anderen Menschen sein. Ein kurzes Telefonat mit dem Vorgesetzten ersetzt beispielsweise nicht das persönliche Miteinander. Auch die persönlichen Gespräche innerhalb des Teams bleiben auf der Strecke. Dabei schafft gemeinsamer Austausch neue Ideen und stärkt den Zusammenhalt der Kollegen untereinander. Judith Wiese, Vorständin von Siemens, fasst zusammen: „Überall, wo Kooperation und Kreativität gefragt sind, müssen sich Leute direkt austauschen.“

Fehlende Präsenz im Unternehmen kann ebenfalls dazu führen, dass die Unternehmenskultur des Arbeitgebers für die eigenen Mitarbeiter schwieriger zu fassen ist. Daraus kann eine geringere Identifikation mit dem Unternehmen resultieren, was Einfluss auf die Arbeitsqualität und Produktivität der Mitarbeiter haben kann.

Des Weiteren kann das Arbeiten im Homeoffice zu einer hohen Arbeitsbelastung führen. Der Leistungsdruck steigt durch fehlende soziale Kontakte und Arbeitnehmer haben meist das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Laut der Studie „Mobile Arbeit – Sozialpartnerstudie 2023“ des Fraunhofer-Instituts erleben ein Viertel der befragten Homeoffice-Nutzer die Trennung von Beruflichem und Privatem als Schwierigkeit.

Um als attraktiver Arbeitgeber am Markt wahrgenommen zu werden, ist es wichtig, auf die Bedürfnisse der potenziellen Mitarbeiter einzugehen. Eines dieser Bedürfnisse ist die Möglichkeit zum Arbeiten im Homeoffice. So fand das Meinungsforschungsinstitut YouGov in einer Umfrage zu Homeoffice und mobilem Arbeiten heraus, dass knapp die Hälfte der befragten Büroangestellten bei einer Abschaffung oder Einschränkung von Homeoffice oder mobilem Arbeiten ihren Job kündigen würden. Eine vollständige Abschaffung von Homeoffice wird daher nicht empfohlen. Viel eher geht es darum, als Unternehmen geeignete Strategien zu entwickeln, um Mitarbeiter zum Gang ins Büro zu motivieren.

Klare Kommunikation und das Schaffen motivierender Anreize

Eine Möglichkeit zur Vereinbarkeit von Homeoffice und Präsenzarbeit stellen hybride Arbeitsmodelle dar. Bei diesen dürfen Mitarbeiter eine feste Anzahl an Tagen pro Woche oder Monat von zu Hause aus arbeiten. Mitarbeiter werden dabei in ihren Bedürfnissen nach Flexibilität und Autonomie befriedigt, während gleichzeitig die Vorteile von Präsenzarbeit gelebt werden können.

Um bei den Mitarbeitern nicht auf Unverständnis zu stoßen, wenn die Homeoffice-Tage gekürzt werden, ist eine offene Kommunikation wichtig. Mitarbeitern sollten die Gründe für die Regelung verständlich erklärt werden, beispielsweise, dass das Unternehmen den Zusammenhalt innerhalb des Teams erhöhen möchte. Auch die generellen Vorteile der Präsenzarbeit sollten an die Mitarbeiter herangetragen werden. Wichtig ist beim Arbeiten im Büro vor Ort, den Mitarbeitern weiterhin ihre Freiheiten zu lassen. Viele Arbeitnehmer schätzen das selbstständige Arbeiten ohne Kontrolle im Homeoffice. Führungskräfte sollten daher klar vermitteln, das dies auch weiterhin erhalten bleibt.

Ein weiteres zentrales Element ist, dass das Arbeiten im Büro für die Mitarbeiter keinen Nachteil darstellen darf. Arbeitgeber können zum Beispiel den Fahrtweg mit dem Jobticket oder einem Jobbike fördern. Auch eine Mensa mit einem günstigen und ausgewogenen Angebot kann für Mitarbeiter ein Grund sein, ins Büro zu kommen. Zusätzlich gefördert werden kann dies mit Verabredungen zu gemeinsamen Mittagessen. Auch andere Präsenz-Veranstaltungen sind möglich, wie zum Beispiel After-Work-Veranstaltungen und Teamevents.

Ebenfalls wichtig: Angenehme Arbeitsplätze, an denen die Angestellten konzentriert arbeiten können. Für Besprechungen sollte es separate Besprechungszimmer geben. Vor der Einführung neuer Präsenzregelungen muss sichergestellt sein, dass auch alle Mitarbeiter im Büro einen geeigneten Arbeitsplatz finden. So verschiebt sich beispielsweise die von Amazon ausgerufene Präsenzpflicht um mehrere Monate, weil einige der Büros in den USA nicht genügend Platz für alle Mitarbeiter bieten.

Den Vorteil des Homeoffice wollen viele Arbeitnehmer nicht mehr missen. Trotz einiger Schwierigkeiten und Probleme, die das Arbeiten von zu Hause aus mitbringen kann, sollten Unternehmen nicht vollständig auf dieses verzichten. Ein Mix zwischen Präsenz- und Heimarbeit kann hier eine passende Lösung sein. Mitarbeiter sollten außerdem davon überzeugt werden, warum sich der Gang ins Büro für sie lohnen kann. Mit einer offenen Arbeitsatmosphäre und passenden Job-Benefits für die Mitarbeiter kann es durchaus gelingen, die Präsenzquote im Büro zu erhöhen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank macht Verlust von 8,6 Milliarden Euro
05.03.2026

Die Bundesbank schreibt erneut Milliardenverluste, eine Auszahlung an den Bund bleibt aus. Die Geldpolitik der EZB hinterlässt tiefe...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Auswirkungen auf Russlands Krieg in der Ukraine
05.03.2026

Der Iran-Krieg überschattet den Ukraine-Konflikt und verunsichert Kiew wie Moskau. Besonders Waffenlieferungen und Drohnenstrategien...

DWN
Finanzen
Finanzen Merck-Aktie und US-Geschäft: Währungsprobleme und Generika belasten Ergebnis
05.03.2026

Die Merck-Aktie gerät unter Druck: Schwacher Dollar und Generika bremsen das Wachstum. Anleger müssen sich auf sinkende Gewinne und...

DWN
Politik
Politik China: Niedrigstes Wachstumsziel seit mehr als drei Jahrzehnten
05.03.2026

Chinas Wirtschaft verliert an Tempo – und die Führung in Peking senkt erstmals seit Jahrzehnten ihre Erwartungen. Das neue Wachstumsziel...

DWN
Panorama
Panorama Spritpreise: Diesel im Tagesschnitt über 2 Euro, E10 in der Preisspitze über 2 Euro
05.03.2026

Die Spritpreise steigen wieder deutlich – und Diesel kostet erstmals seit 2022 im Tagesschnitt über zwei Euro. Der Iran-Krieg treibt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Gesellschaft mit gebundenem Vermögen: SPD-Minister schlagen neue Form von Unternehmen vor
05.03.2026

Die SPD will, dass Unternehmen nachhaltiger wirtschaften und nicht nur an den schnellen Profit denken. Zwei Minister machen einen Vorschlag.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB warnt vor Risiken im Nahost-Krieg: Energiepreise erhöhen Inflationsdruck
05.03.2026

Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Energiepreise nach oben und erhöht den Druck auf die Inflation in der Eurozone. Welche Risiken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck
04.03.2026

Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde erhöhen den Druck auf eine der wichtigsten Energierouten der Welt und treiben die Spannungen...