Wirtschaft

Psychische Gewalt am Arbeitsplatz: Ursachen, Folgen und Lösungen

So können Unternehmen gegen verbale Übergriffe aktiv werden- Beleidigungen, Drohungen und Beschimpfungen: Rund ein Drittel der Beschäftigten, die regelmäßig mit Kunden oder Patienten in Kontakt stehen, erlebt laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) psychische Gewalt am Arbeitsplatz. Doch viele dieser Vorfälle bleiben unsichtbar, da sie nicht gemeldet werden. Eine offene Unternehmenskultur könnte dabei helfen, Betroffenen mehr Sicherheit zu geben und das Problem anzugehen.
22.12.2024 13:19
Lesezeit: 2 min
Psychische Gewalt am Arbeitsplatz: Ursachen, Folgen und Lösungen
Die Unternehmenskultur als Schlüssel zur Prävention von psychischer Gewalt (Foto iStock// Wasan Tita). Foto: Wasan Tita

Frauen häufiger von psychischer Gewalt betroffen

Beschäftigte aus dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie der öffentlichen Verwaltung sind besonders betroffen: Mehr als die Hälfte der Befragten berichtete von mindestens einem verbalen Übergriff. In den Branchen Verkehr, Handel und Erziehung gab mehr als ein Drittel ähnliche Erfahrungen an.

Insgesamt erleben Frauen (41 Prozent) häufiger psychische Gewalt bei der Arbeit als Männer (32 Prozent). Die Unterschiede betreffen vor allem Formen psychischer sexualisierter Gewalt (9 vs. 2 Prozent) sowie Beschimpfungen und Beleidigungen (35 vs. 28 Prozent).

Verbale Übergriffe überwiegen – körperliche Attacken seltener

Beleidigungen und Beschimpfungen kommen am häufigsten vor (32 Prozent). Aber auch Spott, Schikanen und Verleumdungen (12 Prozent) sowie Drohungen und Erpressungen (7 Prozent) sind keine Seltenheit. Rund 6 Prozent der Befragten haben zudem Erfahrungen mit sexualisierter psychischer Gewalt, etwa durch anzügliche Gesten oder Sprüche.

„Auch rein verbale Gewalt kann ernsthafte psychische Auswirkungen haben“, sagt Hannah Huxholl, Psychologin bei der Unfallversicherung. Doch psychische Gewalt werde statistisch häufig nicht erfasst. „Unsere Umfrage macht diese Formen von Gewalt sichtbar“, sagt DGUV-Hauptgeschäftsführer Stefan Hussy.

Körperliche Übergriffe kommen im Vergleich zu verbalen deutlich seltener vor: Von physischer Gewalt berichteten 8 Prozent der Befragten. Teilnehmer aus dem Gesundheits- und Sozialwesen erleben Attacken wie Schubsen, Anspucken sowie Tritte und Schläge dabei viel häufiger (22 Prozent) als der Durchschnitt.

Steigende Sensibilität gegenüber Gewaltvorfällen

Jeder fünfte Beschäftigte stellte in der Befragung eine Zunahme psychischer oder physischer Gewalt innerhalb der vergangenen zwölf Monate fest. „Heutzutage schauen wir viel sensibler auf das Thema“, so Huxholl. „Die Gesellschaft ist immer weniger bereit, Gewalt hinzunehmen und ergreift Maßnahmen dagegen.“

Trotzdem bleibe das Thema oft schambehaftet. „Viele, die Gewalt erlebt haben, geben sich selbst die Schuld dafür“, sagt die Psychologin. Nicht jeder Vorfall werde gemeldet. Nur etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen hat ein Gewaltereignis der Umfrage zufolge auch ihrer Führungskraft gemeldet. 12 Prozent haben den Vorfall bei Behörden angezeigt. „Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich um einiges höher“, sagt sie.

Unternehmenskultur als Schlüssel zur Prävention

Die Unternehmenskultur spielt eine entscheidende Rolle im Umgang mit Gewalt am Arbeitsplatz – und ob Betroffene darüber sprechen. „Betriebe, die klarmachen, dass Gewalt kein ‚Teil des Jobs‘ ist, schaffen eine Umgebung, in der sich Betroffene sicher fühlen können“, erklärt Huxholl.

Ein Teil der Unternehmen ergreift der Umfrage zufolge bereits präventive Maßnahmen, wie Deeskalationstrainings, Notfallpläne oder eine betriebliche psychologische Erstbetreuung. „Sie zeigen, dass viele Betriebe und Einrichtungen sich bereits auf den Weg gemacht haben“, betont DGUV-Hauptgeschäftsführer Hussy.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Werden Kippen viel teurer? Tabakbranche warnt vor "Exzess"
15.09.2026

Damit der Bund zusätzliche Einnahmen erzielt, sollen Deutschlands Raucher stärker zur Kasse gebeten werden als bisher. Doch bringt das...

DWN
Finanzen
Finanzen Northrop Grumman-Aktie: Dieser Megaauftrag könnte den Kurs zünden
15.09.2026

Europas Rüstungsaktien sind davongezogen, doch ausgerechnet ein US-Gigant hinkt hinterher. Northrop Grumman steht vor milliardenschweren...

DWN
Technologie
Technologie United States Space Force: USA bestätigen Weltraumwaffen
15.09.2026

Der Weltraum wird zum neuen militärischen Machtfeld: Die USA bestätigen erstmals offiziell Waffen im Orbit. Dahinter steht die United...

DWN
Politik
Politik Merz kündigt Entlastungen bei Spritpreisen an
15.09.2026

Die Spritpreise steigen weiter und bringen immer mehr Autofahrer an ihre Belastungsgrenze. Kanzler Merz kündigt nun schnelle Entlastungen...

DWN
Politik
Politik "Vor Kraft kaum laufen": AfD will Volkspartei werden
15.09.2026

Die rechtspopulistische AfD hat in Sachsen-Anhalt einen historischen Wahlerfolg erzielt und könnte am kommenden Sonntag weiter zulegen....

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie springt über 1.000 Euro: Neuer Auftrag sorgt für Rückenwind – ist das die Trendwende?
15.09.2026

Die Rheinmetall-Aktie meldet sich mit einem kräftigen Kurssprung über die Marke von 1.000 Euro zurück. Ein neuer Munitionsauftrag...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zerfällt die WTO?
15.09.2026

Die Welthandelsorganisation WTO verliert weiter an Bedeutung. Sie warnt nun vor massiven Wohlstandsverlusten, wenn sich die Weltwirtschaft...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Heatflation: Der stille Inflationstreiber – warum Hitze Lebensmittel verteuert
15.09.2026

Dürre, Ernteausfälle und sinkende Erträge: Noch bleibt es an der Supermarktkasse erstaunlich ruhig. Doch mit zunehmenden Wetterextremen...