Finanzen

Bundesbank-Chef warnt davor, Haushaltslöcher mit Finanzpaket zu stopfen

Bundesbankpräsident Joachim Nagel fordert dringend Reformen für mehr Wachstum – und warnt gleichzeitig vor einer bestimmten Nutzung des geplanten Finanzpakets.
11.03.2025 07:15
Lesezeit: 1 min
Bundesbank-Chef warnt davor, Haushaltslöcher mit Finanzpaket zu stopfen
Joachim Nagel, Präsident der deutschen Bundesbank, fordert unter anderem Erleichterungen bei Firmengründungen und generell weniger Bürokratie für Unternehmen, damit die deutsche Wirtschaft wieder wächst. (Foto: dpa) Foto: Federico Gambarini

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat Reformen für mehr Wachstum angemahnt. Das von Union und SPD geplante milliardenschwere Finanzpaket für Verteidigung und Infrastruktur dürfe nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern eingesetzt werden. Es sei darauf zu achten, „dass neue Verschuldungsspielräume auch nur neuen, zusätzlichen Investitionen zugutekommen“, sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel in Berlin. Außerdem müsse gewährleistet werden, dass dringend notwendige Reformen für mehr Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit Vorrang erhalten vor Partikularinteressen.

Nagel: Neuverschuldung notwendig

Nagel stellte aber auch klar, dass die geplante Neuverschuldung notwendig sei. Außergewöhnliche Zeiten würden außergewöhnliche fiskalische Maßnahmen rechtfertigen. Zuvor hatten CDU, CSU und SPD in ihren Sondierungen für eine Koalition vereinbart, die Schuldenbremse für höhere Verteidigungsausgaben zu lockern. Zudem soll ein schuldenfinanzierter Sondertopf von 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur geschaffen werden. Die Grünen wollten dem Paket zunächst nicht zustimmen.

Die enormen Sondervermögen und die angestrebten Ausnahmen von der Schuldenbremse dürften bei einigen den trügerischen Eindruck vermitteln, es gebe keine Finanzierungsengpässe, sagte der Bundesbank-Chef. Er machte aber deutlich, dass mehr Schulden nur für eine Übergangszeit helfen. Danach müsse eine nachhaltige Finanzierung über den Bundeshaushalt erfolgen. „Denn mehr Schulden bedeutet auch steigende Zinslasten und weniger Haushaltsspielräume in der Zukunft.“

Maßnahmen für Wachstum

Darüber hinaus hat Nagel eine Reihe von Maßnahmen für mehr Wachstum der deutschen Wirtschaft vorgeschlagen. Unter anderem rät er zu einer Erhöhung der Arbeitszeiten von Teilzeitkräften und zu einer Förderung von mehr arbeitsmarktorientierter Migration. Darüber hinaus sollte der vorgezogene Rentenzugang weniger attraktiv gestaltet werden. Dabei schlägt Nagel das Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren vor.

Nagel forderte zudem Erleichterungen bei Firmengründungen und generell weniger Bürokratie für Unternehmen. Darüber hinaus sollen Firmen steuerlich entlastet und die Verwaltung vereinfacht und beschleunigt werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

DWN
Politik
Politik Tanken in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uniper-Dividende: Bund darf sich auf viele Millionen freuen
11.03.2026

Nach staatlicher Rettung und Dividendenstopp hat Uniper seine Rückkehr an den Kapitalmarkt fest im Blick. Erstmals seit vier Jahren soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Zu wenig Verdienst und zu hohe Kosten: Ein Viertel der Haushalte ohne Ersparnisse
11.03.2026

In einer Zeit, in der das Gesamtvermögen der deutschen Privathaushalte Rekordhöhen erreicht, zeigt eine aktuelle Umfrage, dass fast ein...

DWN
Panorama
Panorama Zwischen Alltag und Angriffen: So erleben Israelis den Krieg
11.03.2026

Mal Espresso, dann wieder Sirenengeheul: In Tel Aviv kämpfen die Menschen darum, ein Stück Normalität zu bewahren. Eindrücke aus einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise im Fokus: Wie der Iran-Krieg die Weltwirtschaft belastet
11.03.2026

Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran erhöht weltweit die Nervosität an den Energiemärkten. Könnte ein...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg eskaliert weiter
10.03.2026

Die Angriffe im Iran eskalieren weiter, während Trump ein baldiges Kriegsende signalisiert. Gleichzeitig spitzt sich die Lage für die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Boom der Abnehmmedikamente: Trend verstärkt soziale Ungleichheit in der Gesundheitsbranche
10.03.2026

Abnehmmedikamente wie Ozempic verändern die Behandlung von Adipositas und verschärfen zugleich die Debatte über soziale Ungleichheit im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Elektroauto-Euphorie ist vorbei: Jetzt kommt die Rechnung
10.03.2026

Abschreibungen in Höhe von rund 50 Milliarden Euro, gestoppte Projekte und eine strategische Kehrtwende zurück zum Verbrennungsmotor: Die...