Politik

Rohstoff-Deal: Ukraine sendet Delegation in die USA

Die Ukraine wird bald ein Team nach Washington schicken, um über einen neuen Vertrag zu verhandeln, der den USA Zugang zu wichtigen Mineralien, Erdgas und Öl verschaffen könnte. Ein durchgesickertes Dokument sorgt bereits für Bedenken hinsichtlich der Kontrolle über die Ressourcen des Landes.
07.04.2025 16:31
Lesezeit: 3 min

Verhandlungen über neuen Vertragsentwurf

„Der neue Vertragsentwurf (der von den USA vorgelegt wurde) zeigt, dass die Absicht, einen Fonds zu gründen oder gemeinsam zu investieren, weiterhin besteht“, sagte die ukrainische stellvertretende Premierministerin und Wirtschaftsministerin Julia Swyrydenko während eines Besuchs in der Nordukraine am Samstag.

Die Kiewer Delegation, bestehend aus Vertretern der Ministerien für Wirtschaft, Auswärtige Angelegenheiten, Justiz und Finanzen, befindet sich derzeit in intensiven Verhandlungen mit den USA. Diese Gespräche, die sich vor allem um den Zugang zu und die Kontrolle über natürliche Ressourcen der Ukraine drehen, haben bereits Spannungen zwischen Kiew und Washington ausgelöst.

Scheitern der ersten Vereinbarung im Februar

Im Februar sollte eigentlich eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet werden, doch dieser Plan scheiterte nach einem unerwarteten Streit im Oval Office zwischen US-Präsident Donald Trump, US-Vizepräsident JD Vance und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Verhandlungen zogen sich daraufhin weiter hin, ohne dass ein konkretes Ergebnis erzielt wurde.

Der jüngste Vorstoß, ein neuer Entwurf des Abkommens, wurde durch einen Leak an die Öffentlichkeit getragen. Kritiker werfen der ukrainischen Führung vor, mit diesem neuen Entwurf nichts anderes zu beabsichtigen, als Kiew die Kontrolle über die Ressourcen und die Infrastruktur des Landes zu entziehen. Aus dem durchgesickerten Dokument geht hervor, dass nicht nur seltene Mineralien, sondern auch Erdgas und Öl Gegenstand der Verhandlungen sind.

Bedenken zur Souveränität der Ukraine

Dieser Vorstoß weckt Bedenken hinsichtlich der langfristigen Souveränität der Ukraine und der wahren Absichten der westlichen Partner, insbesondere der USA. Das Abkommen könnte weitreichende Auswirkungen auf die geopolitische und wirtschaftliche Lage des Landes haben, zumal die Ukraine über bedeutende Vorkommen an Mineralien und fossilen Brennstoffen verfügt, die von strategischem Interesse sind.

Die Ukraine verfügt über bedeutende Vorkommen an verschiedenen Mineralien, darunter:

  1. Eisen: Die Ukraine ist eines der größten Produzenten von Eisenstein weltweit, besonders in den Regionen Donezk und Krywy Rih.

  2. Mangan: Die Ukraine hat riesige Manganvorkommen, vor allem in der Region Nikopol, die zu den größten weltweit gehören.

  3. Titan: Das Land besitzt große Vorkommen an Titanerz, das für die Herstellung von Titanmetall verwendet wird.

  4. Kohle: Die Ukraine ist reich an Kohlevorkommen, vor allem im Donbass-Gebiet.

  5. Salz: Auch Salz ist in der Ukraine weit verbreitet, insbesondere in den Regionen Lemberg und Dnipro.

  6. Uran: Es gibt bedeutende Uranvorkommen, hauptsächlich in der Zentralukraine, die für die Kernenergieproduktion genutzt werden.

  7. Schwefel, Graphit und Kaolin: Diese Mineralien sind ebenfalls in verschiedenen Regionen der Ukraine zu finden.

Diese natürlichen Ressourcen machen die Ukraine zu einem wichtigen Akteur im globalen Rohstoffmarkt.

Wer kontrolliert diese Ressourcen?

Die Kontrolle über die Bodenschätze der Ukraine ist derzeit komplex und teilweise umstritten, da verschiedene Regionen unterschiedliche politische und militärische Realitäten erleben:

  1. Regierung der Ukraine: Die ukrainische Regierung kontrolliert die meisten Mineralvorkommen im Westen, Zentrum und Süden des Landes, darunter wichtige Erz- und Kohlevorkommen in Regionen wie Krywy Rih und Donezk. Auch die großen Titan- und Manganvorkommen im Süden und Osten werden größtenteils von staatlichen Unternehmen oder durch private Firmen unter staatlicher Aufsicht ausgebeutet.

  2. Ostukraine (Gebiete unter Kontrolle von Separatisten): Der Konflikt im Donbass hat die Kontrolle über Ressourcen in den von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebieten (wie Teile von Donezk und Luhansk) beeinflusst. Diese Gebiete sind reich an Kohle, Eisen und anderen Mineralien, die de facto unter der Kontrolle der Separatisten stehen, die teilweise auch Unterstützung aus Russland erhalten.

  3. Krim: Nach der Annexion der Krim durch Russland 2014 ist auch der Zugang zu Bodenschätzen auf der Halbinsel umstritten. Die Krim hat unter russischer Kontrolle große Vorkommen an Kohle, Salz und anderen Mineralien, deren rechtmäßige Kontrolle von der Ukraine jedoch weiterhin beansprucht wird.

  4. Private Unternehmen: In vielen Bereichen sind private Unternehmen, sowohl ukrainische als auch ausländische, an der Ausbeutung von Bodenschätzen beteiligt, oft unter staatlicher Aufsicht und Lizenzvergabe. Diese Unternehmen haben in den meisten Fällen Zugang zu den Ressourcen, die sich in den unter der Kontrolle der Regierung stehenden Regionen befinden.

Zusammengefasst: Die Kontrolle über die Bodenschätze der Ukraine ist weitgehend in den Händen der ukrainischen Regierung, allerdings gibt es in den von Separatisten kontrollierten Gebieten und auf der Krim erhebliche Herausforderungen und Unsicherheiten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Deutsche Bank senkt Erwartungen deutlich
29.06.2026

Eine weitere Großbank hat ihre Goldpreis-Prognose nach unten korrigiert. Die Experten der Deutschen Bank haben ihre Erwartungen für den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Norwegens Ölfonds-Chef warnt: Wer KI nicht versteht, sollte als CEO gehen
29.06.2026

Nicolai Tangen verwaltet den größten Staatsfonds der Welt und zählt zu den einflussreichsten Investoren überhaupt. Im Interview...

DWN
Technologie
Technologie KI-Boom: Südkorea steckt Hunderte Milliarden in seine Chip-Industrie
29.06.2026

Mit einem Rekord-Investitionspaket wollen Samsung und SK Hynix Südkoreas Technologiestärke sichern. Präsident Lee Jae Myung spricht von...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Minijobs sollen wegfallen - was bedeutet das?
29.06.2026

Die Rentenkommission schlägt der Bundesregierung vor, Minijobs weitgehend abzuschaffen. Die bisher „geringfügig Beschäftigten“...

DWN
Politik
Politik Schwarz-rote Regierung: Kommt das Reformpaket vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt?
29.06.2026

Union und SPD wollen sich vor der wichtigen Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt zusammenraufen und Entscheidungen für die...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld bedroht? Bundesfinanzministerium kündigt Gesetze gegen Steuerbetrug an
29.06.2026

Das Bundesfinanzministerium geht gegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche vor. Wie Staatssekretär Michael Schrodi (SPD) nach einem...

DWN
Politik
Politik Investor: Diese Unternehmen gewinnen Europas Drohnenkrieg
29.06.2026

Auf dem Markt für militärische Drohnen wird eine Auslese erwartet. Doch der Krieg in der Ukraine gibt Europa die Chance, sich global zu...

DWN
Politik
Politik Verfassungsschutz: Ex-Verfassungsschutzpräsident kritisiert ehemaligen Arbeitgeber 
29.06.2026

Der frühere Chef des Inlandsnachrichtendienstes Hans-Georg Maaßen kritisiert beim 1. Demokratiekongress der AfD seine ehemaligen...