Wirtschaft

Handelskrieg mit den USA: China zeigt sich unbeugsam – Experten warnen vor globaler Eskalation

Während der Westen zunehmend unter den Folgen der globalen wirtschaftlichen Spannungen leidet, sendet China ein unmissverständliches Signal: Man ist bereit, jeden Preis zu zahlen – auch wenn die eigene Wirtschaft darunter leidet. Experten schlagen Alarm: Der Handelskrieg mit den USA dürfte weiter eskalieren.
15.04.2025 06:00
Lesezeit: 2 min

China ist nicht bereit, dem amerikanischen Druck nachzugeben

Chinas wirtschaftliche Strategen haben sich seit Jahren auf einen umfassenden Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten vorbereitet. Die jüngsten Entwicklungen deuten darauf hin, dass Peking nicht im Geringsten bereit ist, unter amerikanischem Druck nachzugeben. Vielmehr sei der Widerstand gegen die USA längst zu einem nationalen Projekt geworden – angeführt von Präsident Xi Jinping persönlich.

„Für Xi Jinping ist das mehr als nur Handelspolitik – es ist ein patriotisches Projekt“, erklärt Börje Ljunggren, Schwedens ehemaliger Botschafter in China. Seiner Einschätzung zufolge ist China zwar nicht an einer Eskalation interessiert, doch das Regime werde nicht zögern, entschieden zurückzuschlagen.

US-Zölle als Katalysator für Vergeltung

Die USA hatten zuletzt neue Strafzölle auf chinesische Produkte erhoben – teils über 100 Prozent. Ein Schritt, den Peking als Provokation deutet. Laut Ljunggren stellt dies eine Situation dar, „in der es kaum noch Raum für eine gesichtswahrende Lösung gibt.“

„Das ist nicht das Szenario, das sich China gewünscht hat“, so Ljunggren weiter. „Aber wenn Sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden, sehen sich viele Akteure gezwungen, Vergeltung zu üben.“

Strategischer Rückzug – aber nicht Aufgabe

Die unabhängige China-Expertin Kristina Sandklef verweist darauf, dass China bereits während Trumps Präsidentschaft begonnen habe, seine Lieferketten umzustrukturieren. „Schon während Trumps Klagen über Wahlbetrug haben viele chinesische Unternehmen damit begonnen, ihre Produktionsstätten nach Südostasien oder Mexiko zu verlagern“, erklärt sie. „Gleichzeitig baute man diplomatische Beziehungen aus – besonders in Entwicklungsländern.“

Doch gerade hier liege auch eine Schwäche Pekings: Die neuen Partner Chinas könnten die wirtschaftlichen Einbußen der USA und Europas kaum kompensieren. „Diese Länder sind schlicht nicht so zahlungskräftig“, sagt Sandklef.

Peking setzt auf Ausdauer – und Systemvorteile

Die Analysten sind sich einig: Das politische System Chinas könnte im Handelskrieg zum entscheidenden Vorteil werden. Während US-Präsidenten regelmäßig dem Druck der Wähler unterliegen, kann Xi Jinping auf ein autoritäres Einparteiensystem zurückgreifen – und auf ein Volk, das an wirtschaftliche Entbehrungen gewöhnt sei.

„Die Chinesen sagen: Man muss bitteres Essen essen können. Das ist ein Opfer, das man bringen muss, um sich gegen die USA zu behaupten“, so Sandklef.

Auch Arthur Kroeber, Analyst beim Forschungsunternehmen Gavekal, sieht China im Vorteil. In einem aktuellen Kommentar schreibt er: „Peking glaubt, dass die USA durch den Handelskrieg letztlich mehr leiden werden – insbesondere durch steigende Verbraucherpreise.“ China hingegen könne mit einer Deflation leben, während die USA unter Stagflation litten.

China als „erwachsener Akteur“ in einer unruhigen Welt

Börje Ljunggren betont zum Schluss, dass die aktuelle Krise Chinas Rolle in der internationalen Diplomatie stärken könnte. „China gibt sich inzwischen als der Erwachsene im Raum“, sagt er und verweist auf Pekings jüngste Annäherung an Japan und Südkorea. „Trump hingegen agiert wie ein unkontrollierbarer Schauspieler – das spielt China in die Karten.“

Der Handelskrieg ist längst zu einem geopolitischen Kräftemessen geworden – mit ungewissem Ausgang. Doch eines ist laut Experten klar: China wird nicht weichen. Und der Westen sollte sich auf einen langen, zermürbenden Konflikt einstellen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Kampf gegen hohe Ölpreise: Frankreich sichert wichtiges Terminal in Saudi-Arabien
25.09.2026

Frankreichs Streitkräfte greifen einer Schlüsselanlage der saudischen Ölförderung unter die Arme. Durch die Absicherung mit Soldaten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wachsender Druck durch Wohnkosten: Immer mehr Menschen auf Wohngeld angewiesen
25.09.2026

Für immer mehr Bürger wird das Wohnen zu einer unbezahlbaren Last. Weil die eigenen finanziellen Mittel angesichts der steigenden Miet-...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teure Energie dämpft Konsumlust: Sparneigung der Deutschen zieht spürbar an
25.09.2026

Angesichts hoher Energiekosten zeigen sich die Bürger in Deutschland beim Geldausgeben wieder deutlich zurückhaltender. Nach...

DWN
Politik
Politik Einheit ohne Gleichstellung: Die Linke fordert Bürgerrat zur Überwindung der Ost-West-Kluft
25.09.2026

Selbst 36 Jahre nach der Wiedervereinigung hinken die östlichen Bundesländer bei Gehältern und Vermögen hinterher. Da sich die...

DWN
Technologie
Technologie Unbemerkte Aufnahmen im Alltag: Steht Smart Glasses ein Verbot bevor?
25.09.2026

Das heimliche Filmen anderer Personen in der Öffentlichkeit gelingt mit Smart Glasses noch unauffälliger als mit dem Smartphone. Dies...

DWN
Politik
Politik Chinas Einfluss in Russland: Putin droht der Kontrollverlust im Osten
25.09.2026

Während Putin und Xi demonstrativ Nähe zeigen, verschiebt sich im russischen Fernen Osten das Kräfteverhältnis. Chinesisches Kapital,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: US-Aktien schließen uneinheitlich, während sich die Rendite 10-jähriger Anleihen 5,2 Prozent nähert
24.09.2026

Erfahren Sie, welche Kräfte die Wall Street aktuell in Atem halten und was das für Ihre Anlagen bedeutet.

DWN
Politik
Politik Debatte im Bundestag: Neuer Anlauf für umstrittene Widerspruchsregelung bei Organspenden
24.09.2026

Tausende schwerkranke Patienten warten dringend auf ein Spenderorgan wie eine Niere oder eine Leber. Um die Zahl der Transplantationen zu...