Wirtschaft

Schlimmer als Finanzkrise oder Dotcom-Blase: Finanzexperte warnt vor einem globalen Beben

Ulrik Ross, Ex-Banker bei Merrill Lynch, Nomura und HSBC, warnt vor einer Krise historischen Ausmaßes. Der globale Handelskrieg sei nur der Anfang – die Ära der wirtschaftlichen Stabilität steht auf der Kippe. Seine Prognose: Es könnte schlimmer werden als Finanzkrise und Dotcom-Blase zusammen.
16.04.2025 20:11
Lesezeit: 2 min
Schlimmer als Finanzkrise oder Dotcom-Blase: Finanzexperte warnt vor einem globalen Beben
Die Nachkriegsordnung, wie wir sie kannten – mit freien Märkten, multilateralen Abkommen und vorhersehbarer Politik – scheint an ihr Ende zu kommen. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Schlimmer als Finanzkrise oder Dotcom-Blase: Finanzexperte warnt vor einem globalen Beben

Ulrik Ross ist kein Unbekannter in der Welt der Hochfinanz. Merrill Lynch, Nomura, HSBC, Saxo Bank – die Liste seiner Stationen liest sich wie ein Who’s who der globalen Bankenelite. Heute steht er an der Spitze von BNP Paribas in Dänemark – und schlägt Alarm. Seine Prognose: Ein wirtschaftlicher Schock von historischem Ausmaß steht bevor. Die Ursachen? Politische Instabilität, Handelskonflikte – und eine Globalisierung, die ins Wanken gerät.

Ulrik Ross war bei allen großen Banken

„Ich halte es für möglich, dass eine kommende Krise die Dotcom-Blase, den 11. September und die Finanzkrise noch übertreffen könnte“, warnt Ross im Gespräch mit dem dänischen Finanzportal Børsen. Das ist mehr als eine provokante These – es ist eine düstere Bestandsaufnahme des aktuellen Weltgeschehens.

Der systemische Schock rückt näher

Was Ross beschreibt, ist keine gewöhnliche Konjunkturdelle. Es geht nicht um Zinsentscheidungen, Lieferprobleme oder Energiepreise. Es geht um das Fundament der Weltwirtschaft – den freien Handel. Der globale Warenverkehr, das Rückgrat des neoliberalen Wirtschaftsmodells, steht durch Handelskonflikte, Sanktionen und geopolitische Neuordnungen massiv unter Druck.

Ein neuer Protektionismus breitet sich aus – von den USA bis China, von Indien bis Europa. Der eskalierende Zollstreit ist nur die Spitze des Eisbergs. Wenn dieser Trend anhält, droht ein Rückfall in eine fragmentierte Weltwirtschaft, die nicht nur Wachstum bremst, sondern auch politische Spannungen befeuert.

Die Märkte zeigen bereits Nervosität

Die Nervosität an den Finanzmärkten ist kein Zufall. Erst eine globale Rallye, dann Einbrüche – die Schwankungen nehmen zu. Laut Ross befinden wir uns „in einem sehr volatilen Szenario mit potenziell schwerwiegenden Folgen“. Der Welthandel gerät ins Stocken, Investitionen werden verschoben, Unternehmen fahren ihre Risikobereitschaft zurück.

Die Folge: Sinkender Konsum, steigende Inflation, höhere Zinsen. Ein toxischer Mix für hochverschuldete Staaten und Unternehmen.

Unternehmen rüsten sich für den Ernstfall

Schon jetzt, so berichten mehrere Bankdirektoren, greifen Großunternehmen wieder zu Maßnahmen aus der Corona-Krise: Aufbau von Liquiditätspuffern, Diversifizierung der Lieferketten, Rückzug von riskanten Auslandsmärkten. Für viele ist klar: Der Sturm zieht auf.

Doch Ross mahnt: Es geht nicht nur um Absicherung. Wer klug handelt, kann die Krise auch als Chance nutzen. Investitionen in neue Strukturen, lokale Produktion und strategische Partnerschaften könnten Europa sogar stärken – wenn jetzt die Weichen richtig gestellt werden.

Die Ära der Stabilität ist vorbei

Ross’ Warnung reiht sich ein in eine wachsende Zahl kritischer Stimmen aus der Finanzwelt. Auch Carsten Egeriis, CEO der Danske Bank, spricht von „großer Unruhe“ und einem geopolitischen Paradigmenwechsel. Der Unterschied: Ross spricht nicht nur von Risiken – er prognostiziert eine Zäsur.

Die Nachkriegsordnung, wie wir sie kannten – mit freien Märkten, multilateralen Abkommen und vorhersehbarer Politik – scheint an ihr Ende zu kommen. Und mit ihr auch die wirtschaftliche Stabilität, auf die sich Millionen von Unternehmen und Verbrauchern jahrzehntelang verlassen konnten.

Was Ulrik Ross formuliert, ist keine vage Zukunftsangst – es ist eine klare Warnung eines Insiders, der die Finanzwelt von innen kennt. Seine Botschaft: Wir stehen an einem Wendepunkt. Und die Entscheidung, ob daraus eine historische Krise oder ein strategischer Neubeginn wird, liegt in den Händen von Politik und Wirtschaft – aber die Zeit läuft.

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