Politik

Taser statt Pistole: Kann die Elektrowaffe Gewalt verhindern?

In Deutschland wird die Polizei immer häufiger mit Taser, auch bekannt als Distanzelektroimpulsgeräte, ausgestattet, um Gewalt zu deeskalieren. Diese Geräte, die bei Druck auf den Abzug Pfeile mit Elektroschocks abgeben, sollen Angreifer ohne tödliche Folgen handlungsunfähig machen. Doch die zunehmende Nutzung dieser Elektrowaffen wirft Fragen auf: Können Tasern wirklich Leben retten, oder bringen sie neue Risiken mit sich?
16.04.2025 15:08
Lesezeit: 3 min

Steigende Gewalt gegen Polizeibeamte

Die Gewaltkriminalität ist auf einem Höchststand, was sich in der aktuellen Kriminalstatistik widerspiegelt. Polizistinnen und Polizisten geraten zunehmend in Gefahr, wie der stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, erklärt. Im vergangenen Jahr wurden im Durchschnitt täglich 305 Polizisten Opfer von Straftaten. Dies ist eine der Hauptursachen für die steigende Nutzung von Tasern durch die Polizei.

Ein weiteres Problem für die Beamten sind die immer häufigeren Einsätze im Umgang mit drogenabhängigen oder psychisch auffälligen Personen, die sich nicht mehr auf Ansprache reagieren oder keinen Schmerz mehr spüren. In solchen Extremsituationen müssen Beamte schnell entscheiden, welche Maßnahme erforderlich ist, um ihre eigene Sicherheit und die der Allgemeinheit zu gewährleisten.

Alternative Einsatzoptionen

In solchen Notlagen gibt es nicht viele Optionen. Polizisten müssen sich entscheiden, ob sie den Schlagstock oder Pfefferspray verwenden, oder ob sie zur Schusswaffe greifen. Doch auch diese Entscheidungen sind nicht ohne Risiko. Marcus Haider, ein Polizist aus Ravensburg, berichtet von seinen eigenen Erfahrungen: „Der Schlagstock setzt uns in unmittelbare Nähe zum Angreifer, was uns selbst verletzungsanfällig macht. Pfefferspray wirkt häufig nicht, und wir greifen schnell zur Schusswaffe – mit potenziell tödlichen Folgen.“ Der Taser könnte hier eine wichtige Lücke füllen.

Der Gebrauch von Schusswaffen

Im vergangenen Jahr wurden allein in Bayern vier Menschen durch Polizeikugeln getötet – die höchste Zahl seit 1997. Solche Vorfälle haben gravierende Folgen für alle Beteiligten, nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Polizisten, die den Abzug drücken mussten. Viele Beamte kämpfen nach solchen Ereignissen mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Der Taser wird von vielen als ein weniger gefährlicher, aber effektiver Einsatzgegenstand in solchen extremen Situationen angesehen.

Wie funktioniert ein Taser?

Ein Taser schießt Pfeile ab, die durch Drähte mit dem Gerät verbunden sind. Diese Pfeile bohren sich in den Körper des Angreifers und geben einen elektrischen Impuls ab. Dies führt dazu, dass die Muskeln des Gegners für mehrere Sekunden gelähmt werden, was es den Polizisten ermöglicht, die Kontrolle zu übernehmen. Das neueste Modell des Tasers hat ein Magazin mit zehn Pfeilen und kann eine Reichweite von mehr als 13 Metern erzielen.

Die Wirkung auf den Körper

Einsatztrainer Marcus Haider ließ sich zu Übungszwecken selbst tasern. „Es war ein Erlebnis, das ich nicht wiederholen möchte“, sagt er. „Ich ging sofort zu Boden und war völlig bewegungsunfähig.“ Der Schock hat eine lähmende Wirkung auf den Körper und führt dazu, dass der Angreifer für einen kurzen Zeitraum handlungsunfähig wird.

Die Vorteile des Tasers

Die Polizei fordert schon seit Jahren, dass Tasern flächendeckend bei Streifenpolizisten eingesetzt werden. Christian Scherf von der Firma Axon, die Tasern liefert, sagt, dass in bis zu 91 Prozent der kritischen Einsätze die bloße Androhung eines Tasereinsatzes bereits deeskalierend wirkt. Das Bundesinnenministerium hat die deeskalierende Wirkung des Tasers als einen wichtigen Vorteil anerkannt.

Verbreitung und Einsatz von Tasern

Der Einsatz von Tasern in der Polizeiarbeit nimmt zu. Alle Spezialeinsatzkommandos in Bund und Ländern setzen bereits Tasern ein, und auch im Streifendienst kommt die Waffe vermehrt zum Einsatz. Die Bundespolizei testet die Geräte derzeit an vier Dienststellen, mit dem Ziel, diese bis Frühjahr 2025 in allen Flächendirektionen einzuführen.

Die Nachteile und Risiken

Trotz der zunehmenden Nutzung von Tasern gibt es auch Bedenken. In bestimmten dynamischen Einsatzlagen, wie etwa bei bewaffneten oder mit Messern bedrohten Situationen, sei der Taser wenig effektiv. Auch könnten die Pfeile in einigen Fällen nicht richtig haften, was zu gefährlichen Situationen führen könnte. Darüber hinaus kann der Einsatz von Tasern gesundheitliche Folgen haben, insbesondere bei Menschen mit Vorerkrankungen oder psychischen Problemen. In Deutschland gab es bereits mindestens zehn Todesfälle im Zusammenhang mit Taser-Einsätzen seit 2021.

Fazit

Der Taser wird von vielen als ein notwendiges Mittel angesehen, um die Polizei mit einer weniger tödlichen Alternative zur Schusswaffe auszustatten. Doch seine Nutzung ist nicht ohne Risiko. Befürworter argumentieren, dass der Taser im Vergleich zur Schusswaffe eine harmlosere Option darstellt, während Kritiker auf die potenziellen gesundheitlichen Gefahren und die Möglichkeit von Missbrauch hinweisen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

DWN
Politik
Politik Übergewinnsteuer für Ölkonzerne: EU-Kommission bremst Klingbeil
18.09.2026

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil drängt auf eine europäische Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Doch aus Brüssel kommt...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Hilfe: Merz fordert mehr Geld von EU-Partnern
18.09.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz erhöht den Druck auf andere EU-Staaten, ihre Unterstützung für die Ukraine deutlich auszuweiten. Gemeinsam...

DWN
Politik
Politik Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: Knappe Rennen setzen CDU unter Druck
18.09.2026

Kurz vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern spitzt sich der Kampf um die Spitzenplätze zu. Während in beiden Bundesländern...

DWN
Immobilien
Immobilien Lohnen sich Immobilien noch als Altersvorsorge?
18.09.2026

Lange galten Immobilien eine "sichere Bank" im Sinne der Altersvorsorge. Doch stimmt das 2026 immer noch? Hohe Baukreditzinsen,...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 43: Die Woche im Rückblick – KW 38
18.09.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie fliegt aus EuroStoxx 50: Was das für Volkswagen bedeutet
18.09.2026

Volkswagen verliert seinen Platz in einem der wichtigsten europäischen Aktienindizes. Die VW-Aktie scheidet aus dem EuroStoxx 50 aus –...

DWN
Politik
Politik Chinas Ölimporte: Wie Peking den Ölpreisschock verhindert
18.09.2026

China gilt als größter Ölimporteur der Welt und ausgerechnet Peking hat zuletzt einen noch heftigeren Preisschock verhindert. Sinkende...

DWN
Politik
Politik Neue Ära für die Luftwaffe: Deutschland erhält erste F-35
18.09.2026

Deutschland erhält den ersten von insgesamt 35 bestellten Kampfjets vom Typ F-35A. Mit Tarnkappentechnik, moderner Sensorik und der...