Wirtschaft

Überlebensfaktor Cashflow-Management: Wie kleine Unternehmen Liquidität in den Griff bekommen

Während die EU neue Regulierungen gegen Russland diskutiert und die Zentralbanken die Zinsen weiter hochhalten, kämpfen viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Europa mit einem ganz anderen Problem: Sie stehen trotz vollen Auftragsbüchern am Rand der Zahlungsunfähigkeit. Der Grund? Ein einziger, aber gravierender: mangelndes Cashflow-Management.
21.05.2025 13:28
Lesezeit: 2 min

Zahlungsausfälle: Die schleichende Insolvenz

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: „Ich arbeite hart, mein Unternehmen wächst – aber das Geld kommt einfach nicht rechtzeitig rein. Lieferkettenprobleme und ausstehende Kundenzahlungen nehmen mir jede Luft zum Atmen.“ Beschrieben wird hier ein weit verbreitetes Symptom einer sich verschärfenden wirtschaftlichen Schieflage im Mittelstand – ausgelöst durch ein toxisches Gemisch aus inflationärem Druck, wachsender Steuerlast und politischer Instabilität.

Lieferkettenprobleme, gestiegene Energiepreise und eine zunehmend unberechenbare Zinspolitik haben viele KMU in eine perfide Abhängigkeit gebracht: Die Kosten steigen schneller als die Einnahmen, während Kundenzahlungen oft mit monatelanger Verzögerung eintreffen.

Viele Unternehmen unterschätzen dabei die Gefahr: Es sind nicht die roten Zahlen auf dem Jahresabschluss, sondern das tägliche Fehlen von Liquidität, das den Betrieb zum Stillstand bringen kann. Rechnungen stapeln sich, Investitionen werden eingefroren – und das Vertrauen der Banken schwindet schneller als gedacht.

Die größten Fehler im Cashflow-Management

  1. Fehlende Zahlungsdisziplin der Kunden wird hingenommen. Klare Zahlungsziele und Mahnprozesse? Oft Fehlanzeige – aus Angst, Kunden zu verlieren.
  2. Kein aktives Forderungsmanagement. Wer nicht regelmäßig offene Rechnungen nachverfolgt, überlässt dem Zufall die Kontrolle über seine Liquidität.
  3. Falsche Finanzierung. Kredite mit schlechter Struktur oder zu hohen Zinssätzen verschärfen den Druck, statt ihn zu lindern.
  4. Unnötige Fixkosten. Abos, Berater, Softwarelizenzen – vieles kostet mehr, als es bringt. Und oft wird zu spät hinterfragt, ob es wirklich gebraucht wird.

Cashflow-Management: Diese Maßnahmen sichern Ihre Liquidität – sofort

  • Erstellen Sie wöchentliche (!) Cashflow-Prognosen. Täglich aktualisierte Daten sind in einem instabilen Umfeld überlebenswichtig.
  • Nutzen Sie Rechnungsfinanzierung. Factoring verschafft Ihnen sofort Liquidität und schützt gleichzeitig vor Zahlungsausfällen.
  • Verhandeln Sie Zahlungsziele neu – nach beiden Seiten. Später zahlen, früher kassieren: Ein strategischer Spagat, der Ihre Bilanz entlastet.
  • Bauen Sie Rücklagen auf – mindestens für 3 Monate. Wer keine Reserven hat, wird zum Spielball externer Ereignisse.

Fördermittel und Steuervorteile: Das Geld liegt auf dem Tisch

Während Bürokratie oft als Hindernis erlebt wird, vergibt der deutsche Staat Milliarden an Unterstützungsleistungen, die viele Unternehmen nicht einmal beantragen, weil sie sie nicht kennen.

1. Investitionsabzugsbetrag (IAB):

Für kleinere Unternehmen mit einem Gewinn bis 200.000 Euro – ermöglicht bis zu 50 % der geplanten Anschaffungskosten für betriebliche Investitionen im Voraus steuerlich abzusetzen.

2. Sonderabschreibungen nach § 7g EStG:

Bis zu 20 % zusätzlich zur normalen Abschreibung möglich – insbesondere bei Neuanschaffungen für Digitalisierung oder Energieeffizienz.

3. KfW-Förderkredite:

Programme wie „ERP-Förderkredit KMU“ oder „KfW-Unternehmerkredit“ bieten günstige Zinssätze – auch für Unternehmen mit schwankendem Cashflow.

4. Digitalisierungszuschüsse vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWK):

Programme wie Digital Jetzt fördern Investitionen in Software, IT-Sicherheit oder neue digitale Geschäftsmodelle mit bis zu 50.000 Euro.

5. Steuerliche Forschungsförderung (FZulG):

Selbst kleine Projekte in der Produktentwicklung können mit bis zu 25 % bezuschusst werden – rückwirkend bis zu vier Jahre.

6. Zuschüsse der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle):

Förderung von Unternehmensberatung – insbesondere zur Optimierung von Liquidität, Krisenmanagement und Digitalisierung.

Liquidität ist die neue Währung der Souveränität

In einem wirtschaftlichen Umfeld, das von Unsicherheiten, politischen Experimenten und Energiepreiswahnsinn geprägt ist, gilt: Liquidität ist Macht. Wer über genügend Barmittel verfügt, verhandelt besser, wächst schneller und bleibt souverän – auch gegenüber Banken, Behörden und Großkunden.

Die Bundesregierung bietet viele Werkzeuge an. Aber niemand wird sie Ihnen bringen – Sie müssen sie selbst nutzen.

 

DWN
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