Immobilien

Vermieter-Mieter-Verhältnis: Wie Sie Streit vermeiden

Eine aktuelle Befragung vom Wissens- und Plattformunternehmen AktivBo zur Mieterzufriedenheit in Deutschland zeigt, dass die Mehrheit an Mietern mit ihren Vermietern zufrieden sind. Die Beziehung zwischen Mieter und Vermieter ist, insbesondere im aktuell so angespannten Mietmarkt, eine delikate Angelegenheiten: Streitigkeiten können den Haussegen im wahrsten Sinne des Wortes schief hängen lassen. Wie man, sowohl von Vermieter- als auch Mieterseite, den Frieden hält, plus Tipps und Tricks für perfekte Mietharmonie gibt es hier.
Autor
avtor
08.06.2025 12:38
Lesezeit: 4 min
Vermieter-Mieter-Verhältnis: Wie Sie Streit vermeiden
Mit diesen Tipps bleibt der Haussegen gerade! (Foto: iStock/ Shutter2U) Foto: Shutter2U

75,5 Prozent sind zufrieden mit ihrem Mietverhältnis

Der aktuelle Bericht des Wissens- und Plattformunternehmens AktivBo hat sich zum wiederholten Mal in Folge mit der Entwicklung der Kundenzufriedenheit in der deutschen Wohnungswirtschaft beschäftigt. Zu diesem Zweck wurden Mieter aus der gesamten Bundesrepublik befragt; deren 71.905 Rückmeldungen aus mehr als 938.115 verwalteten Wohneinheiten wurden zur Grundlage für den Bericht genommen. Fokus war dabei das sogenannte “wohnungsnahe Serviceerlebnis”, also Zufriedenheit (oder Unzufriedenheit) rund um die Themen Sicherheit, Sauberkeit, Abfallentsorgung und der Umgang mit Schadensmeldungen.

Laut der Befragung sind ganze 75,5 Prozent mit dem “gesamten Serviceerlebnis” ihres Mietverhältnisses zufrieden, was ein minimales Plus zum Vorjahr bedeutet. Bei der näheren Betrachtung der Zahlen erkennt man, das positive Sentiments insbesondere von den jüngsten (19 oder jünger) und ältesten befragten Mietern (ab 80) kommen – hier gibt es eine Zufriedenheitsquote von mindestens 76 Prozent. Die Mietergruppe von 30 bis 39 zeigt sich dagegen auf der anderen Seite der Skala mit 69,1 Prozent etwas unzufriedener. Dennoch: Knapp 70 Prozent Zufriedenheitsquote als Minimalwert sind nicht zu verachten.

Problematik Mieterland

Deutschland ist ein Mieterland – mehr als die Hälfte der Deutschen (53 Prozent) wohnt zur Miete, was sich auf rund 43 Millionen Person und 21 Millionen Mieterhaushalte verteilt. Knapp die Hälfte dieser Haushalte, um die 12 Millionen, befinden sich im untersten Drittel der Einkommensverteilung; der erste Eindruck scheint also, ganz überspitzt gesagt: Wer mietet, ist arm. Betrachtet man die Zahlen näher, so stellt man sich die Frage, ob man zur Miete wohnt, weil man arm ist oder ob Mieten selbst arm macht, denn: Mehr als ein Drittel der Mieterhaushalte ist von den Wohnkosten überlastet. Laut Mieterbund zahlen 3,1 Millionen Haushalte mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für die Kaltmiete und Heizkosten; bei weiteren 4,3 Millionen sind es zwischen 30 und 40 Prozent ihres Einkommens.

Die Mietkrise in Deutschland ist bei weitem kein neues Thema: Kosten- und Personalkrisen in der Baubranche, internationale Konflikte und sich nur schleppend erfüllende Bauversprechen seitens der Politik machen Mieten teuer und kompliziert.

In dieser volatilen Situation ist schon das Finden einer Wohnung zur Miete ein Zerreißakt: Laut einer Studie von Internetportal Immobilienscout24 sucht mehr als jeder Zweite länger als ein Jahr nach einer neuen Wohnung. Wenn die heiß begehrte Wohnung dann endlich gefunden und der Vertrag unterzeichnet ist, will man sich endlich entspannen; im wahrsten Sinne des Wortes “daheim ankommen”. Doch was, wenn der Haussegen mit dem Vermieter schief hängt?

So klappt das Vermieter-Mieter-Verhältnis

2021 veröffentlicht Immobilienscout24 eine Studie zur Frage, wie Wohnungen und Häuser in Deutschland vermietet werden. Über Beobachtungen zur Mietsache selbst hinaus werden Vermieter auch im Bezug auf ihre Beziehung zu momentanen und vergangenen Mietern befragt. 44 Prozent der Vermieter geben an, dass der persönliche Eindruck für sie das Hauptmerkmal für die Auswahl des Mieters ist, gefolgt vom Einkommensnachweis mit 25 Prozent. Passend dazu geben 35 Prozent der Vermieter an, nie Probleme mit der Mietzahlung gehabt zu haben – ebenso viele gestehen jedoch, explizite Probleme gehabt zu haben. 7 Prozent sagen sogar, dass sie in der Vergangenheit schon Mieter auf die Straße setzen mussten; 17 Prozent hatten Anlass dazu, haben sich jedoch dagegen entschieden. Die vielleicht bemerkenswerteste Zahl: 62 Prozent der befragten Vermieter hatten wegen einer Mietsache bereits einen Rechtsstreit auszufechten.

Man sieht: Das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter ist nicht ganz unkompliziert. Die komplizierte Mietsituation verstärkt nur die Sorge rund um Stabilität, die beim Thema Wohnen und Lebensmittelpunkt wichtig ist. Streit mit dem Vermieter, die Sorge vor einer Kündigung oder einem negativen rechtlichen Nachspiel mit den Mietern ist ein Stressfaktor, dem die meisten sicher aus dem Weg gehen wollen. Hier sind Tipps, damit der eigene Haussegen – sei es auf Vermieter- oder Mieterseite – nicht kippt:

Tipp 1: Regelmäßige Kommunikation

Wenn Gespräche erst entstehen, wenn irgendwas kaputt ist, stellt das eine schlechte Basis für die Mieter-Vermieter-Beziehung dar. Es ist von Anfang an wichtig, die Kommunikationskanäle aufrecht und offen zu (er)halten, indem man Telefonnummern, Emails und Adressen austauscht und diese Kanäle auch benutzt, selbst wenn gerade keine Krise ansteht. Man kann regelmäßige Treffen ausmachen, zum Beispiel um alle 2 bis 3 Jahre die Instandhaltung des Mietobjekts zu besprechen – solange sich beide Seiten gehört fühlen, sind auch schwere Gespräche deutlich einfacher zu meistern. Indem man sich zudem regelmäßig “in echt” trifft, vermeidet man die häufigen Missverständnisse, die über schriftliche Kommunikation zwangsläufig zustande kommen.

Tipp 2: Schriftliche Vereinbarungen

Insbesondere dann, wenn man eine positive Beziehung zueinander hat, gewinnen mündliche Vereinbarungen zwischen Mieter und Vermieter an Häufigkeit. Es ist zwar angenehm, Vereinbarungen schnell und unkompliziert auf direktem Wege abzuhandeln, sollte es dann aber zu Unstimmigkeiten kommt – zum Beispiel wer für was finanziell aufzukommen hat – dreht sich das zuvor positive Verhältnis in das Gegenteil um. Vereinbarungen schriftlich treffen zu wollen ist kein Misstrauensvotum; es stellt schlichtweg sicher, dass beide Parteien schwarz auf weiß sehen und verstehen, was man ausmacht, damit sich niemand im Nachhinein übervorteilt vorkommt.

Tipp 3: Zeitnahe Reaktion

Wohnobjekte gewinnen mit der Zeit an Instandhaltungsbedürfnissen: Das ist ein banaler Fakt, der jeden Vermieter umtreibt – da dieser sich in der Regel darum kümmern (und dafür bezahlen) muss. Kommt der Mieter mit einem Anliegen, zum Beispiel einer kaputten Toilette, zum Vermieter, ist allen eigenen Lebenskrisen zum Trotz Eile geboten. Denn oftmals können Mieter nicht auf den nächsten Werktag, geschweige den die teilweise kuriosen Handwerkerreaktionszeiten warten. Vermieter sind dazu angehalten, sich zeitnah um Mieterprobleme zu kümmern. Selbst wenn man nicht für morgen einen Termin beim Klempner bekommt, ist es notwendig, dem Mieter zu zeigen, dass Mühe in den Reparaturversuch investiert wurde. Geht man in den Urlaub, so ist es wärmstens empfohlen, für diese Zeit einen Stellvertreter zu berufen, an den sich der Mieter im Notfall wenden kann.

Kommunikation als Key

Ein gutes Vermieter-Mieter-Verhältnis basiert auf beidseitigem Verständnis und dem Willen zu produktiver Kommunikation. Die Situation birgt sowohl auf Vermieter- als auch auf Mieterseite Herausforderungen, die finanziellen und emotionalen Stress bedeuten können. Umso wichtiger ist es, gemeinsam Lösungen zu finden, statt direkt einen Rechtsstreit zu riskieren. Das Geld für den Anwalt ist anderswo sicher besser angelegt.

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Nataly Sesic

Nataly Sesic ist seit 2023 als freie Autorin im Bereich Immobilien bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war sie als Producerin bei Galileo beschäftigt und hat frei für internationale Marken wie Apple Music und The Walt Disney Company gearbeitet. Neben Immobilien ist ihr Steckenpferd Musik – der Spagat zwischen Kunst und Politik macht ihr dabei besonders Spaß. Sie ist studierte Literaturwissenschaftlerin und macht aktuell ihren Master in Buchwissenschaft.
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