Panorama

Papst Leo XIV.: Kapitalismuskritik bei der Amtseinführung

Papst Leo nutzt seine erste große Bühne für klare Worte. Zwischen Applaus und Kritik: Was bedeutet seine Kapitalismus-Kritik für die Kirche – und für die Weltpolitik?
19.05.2025 07:17
Lesezeit: 2 min

Papst Leo nutzt Amtseinführung für Kritik am Wirtschaftssystem

Auf dem Petersplatz wird der neue Pontifex offiziell in sein Amt eingeführt. Etwa 200.000 Menschen feiern den US-Amerikaner. Einige seiner Aussagen dürften bei Donald Trump nicht gut ankommen.

Der neue Papst Leo XIV. hat seine feierliche Amtseinführung genutzt, um eine scharfe Kapitalismus-Kritik zu äußern. Während seiner ersten Predigt vor rund 200.000 Gläubigen auf dem Petersplatz sagte Papst Leo, die Schwächsten der Gesellschaft dürften nicht noch weiter an den Rand gedrängt werden. Zudem forderte er mehr Verantwortung im Umgang mit Natur und Umwelt. Der 69-jährige Papst Leo empfing als einen der ersten Staatsgäste den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Für US-Vizepräsident JD Vance fand der erste Papst mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft zunächst keine Zeit.

Der bisherige Kardinal Robert Francis Prevost war vor eineinhalb Wochen überraschend schnell zum Nachfolger von Papst Franziskus gewählt worden. Das Konklave dauerte weniger als 24 Stunden. Am Sonntag erhielt Papst Leo sämtliche Insignien des Amtes, darunter auch den Fischerring – ein Symbol für den Apostel Petrus, den ersten Papst und Fischer. Nach katholischem Verständnis ist Papst Leo nun der "Menschenfischer" und Stellvertreter Christi auf Erden.

Papst ruft auf: Schwächste nicht weiter marginalisieren

In seiner Predigt machte der US-Amerikaner deutlich, dass er die Linie seines Vorgängers Franziskus fortführen möchte, der sich für Ausgegrenzte starkgemacht hatte. Wörtlich sagte Papst Leo: "In unserer Zeit erleben wir noch immer zu viel Zwietracht, zu viele Wunden, die durch Hass, Gewalt, Vorurteile, Angst vor dem Anderen und durch ein Wirtschaftsmodell verursacht werden, das die Ressourcen der Erde ausbeutet und die Ärmsten an den Rand drängt."

Mit diesen Worten distanzierte sich Papst Leo auch klar von den politischen Vorstellungen Donald Trumps. Dieser war nach der Trauerfeier für Franziskus nicht erneut in den Vatikan gereist. Deutschland war bei der Amtseinführung durch Bundeskanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) vertreten. Der CDU-Chef sagte zur Kapitalismus-Kritik von Papst Leo, dass solche Themen zu den "ureigensten Aufgaben" des Kirchenoberhaupts gehören. "Ich fühle mich in dem, was wir soziale Marktwirtschaft in Deutschland nennen, damit nur sehr begrenzt angesprochen."

"Ich komme mit Furcht und Zittern zu Euch"

In seiner auf Italienisch gehaltenen Predigt äußerte sich Papst Leo äußerst demütig. "Ich wurde ohne jegliches Verdienst ausgewählt und komme mit Furcht und Zittern zu Euch", sagte er. Papst Leo besitzt neben der US-Staatsbürgerschaft auch die peruanische, die er während seiner Zeit als Missionar und Bischof in Peru erlangte. Perus Präsidentin Dina Boluarte war ebenfalls unter den geladenen Gästen.

Ein Treffen zwischen Papst Leo und US-Vize JD Vance könnte am Montag stattfinden. Als Kardinal hatte Papst Leo offen Kritik am Umgang der US-Regierung mit Migranten geäußert. Vance, seit 2019 katholisch, war der letzte internationale Besucher bei Franziskus. Der Argentinier verstarb am Ostermontag im Alter von 88 Jahren.

Einheit der Kirche als zentrale Aufgabe

Papst Leo nannte als vorrangigen Wunsch die Einheit der Kirche: "Liebe Brüder und Schwestern, ich würde mir wünschen, dass dies unser erstes großes Verlangen ist: eine geeinte Kirche." Damit spielte er auf Spannungen zwischen Reformern und Konservativen innerhalb der katholischen Kirche an.

Papst Leo wird als vermittelnde Figur beschrieben – als Pontifex im wörtlichen Sinn. Zur Rolle der Kirche sagte er: "Es geht niemals darum, andere durch Zwang, religiöse Propaganda oder Machtmittel zu vereinnahmen, sondern immer und ausschließlich darum, so zu lieben, wie Jesus es getan hat." Er erneuerte auch seinen Appell für Frieden im Gazastreifen, in Myanmar und der Ukraine.

Familiäre Geste am Rande der Feierlichkeiten

Noch vor Beginn der Messe fuhr Papst Leo im Papamobil durch die Menschenmenge auf dem Petersplatz. Anders als Franziskus gegen Ende seiner Amtszeit stand er dabei aufrecht. In der Menge wehten US- und peruanische Flaggen. Nach der Amtseinführung begrüßte Papst Leo die Ehrengäste mit Handschlag. Seinen Bruder aus den USA umarmte er herzlich – abseits aller protokollarischen Vorgaben.

Papst Leo ist der 267. Pontifex in der über zweitausendjährigen Geschichte des Papsttums. Laut katholischer Glaubenslehre ist er der Nachfolger des Apostels Petrus und Vertreter Christi auf Erden. Außerdem ist er Bischof von Rom, Primas von Italien und das Oberhaupt des Vatikans. Weltliche Macht besitzt er nur begrenzt – doch für viele Menschen ist Papst Leo eine bedeutende moralische Instanz.

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