Politik

Iran-Krieg: Trump kündigt Ausweitung an – EU warnt vor Energiekrise

Der Krieg gegen den Iran weitet sich aus – und Washington rückt enger an Israel heran. Während Trump eine "große Welle" ankündigt, bereitet sich Europa bereits auf steigende Energiepreise und neue Krisen vor.
03.03.2026 08:19
Lesezeit: 4 min

USA und Israel rechtfertigen Krieg gegen den Iran

Die Eskalation im Nahen Osten spitzt sich weiter zu. In den USA stellen führende Republikaner die Rolle des Verbündeten Israel ins Zentrum – und dessen Premier liefert selbst die Begründung für den Krieg.

Führende US-Republikaner rücken zur Rechtfertigung des Angriffs auf den Iran zunehmend Israels Vorgehen in den Mittelpunkt. "Israel war entschlossen, hier zu seiner eigenen Verteidigung zu handeln, mit oder ohne amerikanische Unterstützung", sagte der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson. US-Außenminister Marco Rubio erklärte Journalisten: "Die unmittelbare Gefahr bestand darin, dass wir wussten, dass der Iran, wenn er angegriffen würde – und wir gingen davon aus, dass er angegriffen werden würde –, sofort gegen uns vorgehen würde."

"Wir wussten, dass es zu einem israelischen Eingreifen kommen würde. Wir wussten, dass dies einen Angriff auf die amerikanischen Streitkräfte auslösen würde", führte Rubio weiter aus. Die USA seien zu der Einschätzung gelangt, dass sie unter diesen Umständen mehr Verletzte und Tote zu beklagen hätten, wenn sie nicht "präventiv" gegen den Iran vorgegangen wären. "Wir haben proaktiv auf defensive Weise gehandelt, um zu verhindern, dass sie größeren Schaden anrichten." Bisher kamen sechs US-Soldaten ums Leben.

Irans Außenminister wies die amerikanischen Vorwürfe zurück. Es habe nie eine sogenannte iranische Bedrohung gegeben, schrieb Abbas Araghtschi auf X. "Die USA sind im Namen Israels in einen Krieg ihrer Wahl eingetreten", schrieb der Minister. Dass amerikanisches und iranisches Blut vergossen werde, gehe auf das Konto derjenigen, die Israel an erste Stelle setzen.

Netanjahu: Angriff auf den Iran sei unumgänglich gewesen

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte dem US-Fernsehsender Fox News: "Der Grund, warum wir jetzt handeln mussten", sei, dass der Iran nach den Bombardierungen seiner Atomanlagen und Raketenarsenale im vergangenen Jahr mit dem Bau "neuer Anlagen, unterirdischer Bunker" begonnen habe. Das Raketen- und "Atombombenprogramm" wäre sonst "innerhalb von Monaten" unangreifbar gewesen, behauptete Netanjahu. Hätte man jetzt nicht gehandelt, "hätte man in Zukunft nichts mehr tun können".

Auf die Frage von Fox News, ob er US-Präsident Donald Trump in den Krieg "hineingezogen" habe, lachte der israelische Regierungschef und entgegnete, das sei "lächerlich". "Donald Trump ist der stärkste Anführer der Welt. Er tut das, was er für richtig für Amerika hält", sagte Netanjahu.

Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Johnson, erklärte nach einem Iran-Briefing, die US-Regierung habe angesichts von Israels Entschlossenheit zum Angriff eine schwierige Entscheidung treffen müssen.

Er sei überzeugt, dass die US-Regierung richtig gehandelt habe, sagte Johnson. "Das Ziel war nicht ein Regimewechsel." Vielmehr stünden die Zerstörung des Raketenprogramms sowie der Marine des Irans im Mittelpunkt.

Vance: Machtwechsel im Iran ist zweitrangig

US-Vizepräsident JD Vance sagte dem Sender Fox News, in einer "perfekten Welt" würden die USA es begrüßen, wenn im Iran jemand an die Macht käme, der bereit sei, mit Washington zu kooperieren. Das vorrangige Ziel Trumps bleibe jedoch, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelange. Dafür sei letztlich zweitrangig, was mit der Führung in Teheran geschehe, sagte er.

Israel hatte den Iran bereits im Juni vergangenen Jahres angegriffen. Das US-Militär schloss sich knapp eine Woche später dem Verbündeten an und bombardierte die iranischen Atomanlagen. "Man könnte meinen, sie hätten ihre Lektion gelernt, aber das haben sie nicht, denn sie sind unverbesserlich. Sie sind völlig fanatisch, was ihr Ziel angeht, Amerika zu zerstören", behauptete der israelische Ministerpräsident Netanjahu beim US-Fernsehsender Fox News.

Israel greift im Iran und im Libanon weiter an

Die israelische Armee bombardierte nach eigenen Angaben in einer weiteren Angriffswelle die staatliche iranische Rundfunkanstalt IRIB in der Hauptstadt Teheran. Der Chef des Senders bestätigte den Angriff, betonte jedoch, der Sendebetrieb laufe weiter. Über mögliche Opfer lagen zunächst keine Angaben vor. Die iranischen Behörden sperrten nach Beginn der israelisch-amerikanischen Luftangriffe am Samstag das Internet.

Zudem griff die israelische Armee in der Nacht erneut im Libanon an. Ziel seien Kommandozentralen und Waffenlager der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz in der Hauptstadt Beirut gewesen, teilte das Militär mit. Als Reaktion auf die Tötung des obersten Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hatte die Hisbollah in der vorherigen Nacht Raketen auf Israel abgefeuert. Seitdem attackiert das israelische Militär Ziele im nördlichen Nachbarland, darunter in Beirut.

USA und Iran kündigen Ausweitung der Angriffe an

Die USA wollen ihre Attacken im Iran nach den Worten von US-Präsident Trump deutlich ausweiten. "Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen", sagte er dem Sender CNN. "Die große Welle kommt bald." Er rechne mit etwa vier bis fünf Wochen Krieg. Notfalls könne er auch länger dauern. Der Iran wäre nach seinen Worten schon bald in der Lage gewesen, mit seinen Raketen auch US-Territorium zu treffen.

Auch der Iran kündigte an, seine Angriffe auszuweiten. Die Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht der Islamischen Republik, feuerten nach eigenen Angaben seit Beginn des Kriegs Hunderte ballistische Raketen und mehr als 700 Drohnen auf Ziele in Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion ab.

Die US-Botschaft in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad wurde nach vorläufigen saudischen Angaben von zwei Drohnen attackiert. Es sei ein "begrenztes Feuer" ausgebrochen, jedoch nur geringer Sachschaden entstanden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Acht weitere Drohnen seien nahe Riad und Al-Chardsch, rund 80 Kilometer südlich, abgefangen und zerstört worden. Das US-Außenministerium fordert wegen der Eskalation die eigenen Staatsbürger in mehr als einem Dutzend Ländern im Nahen Osten auf, diese umgehend zu verlassen.

Nach Preisanstieg: EU kündigt Energie-Krisenstab an

Die EU bereitet sich auf mögliche Notlagen infolge des Iran-Kriegs vor. Wie die EU-Kommission unter Führung von Ursula von der Leyen nach einer Sondersitzung in Brüssel mitteilte, wird angesichts der Entwicklungen ein Energie-Krisenstab mit den Mitgliedstaaten einberufen. Er soll Reaktionen auf rasant steigende Öl-, Sprit- und Gaspreise vorbereiten.

Zudem intensiviert die EU nach eigenen Angaben die Beobachtung von Risiken durch Verkehrsunterbrechungen, insbesondere rund um die Straße von Hormus und das Rote Meer. Mit Fluggesellschaften, Reedereien und nationalen Behörden soll die Koordinierung verstärkt werden.

Zur Unterstützung von Evakuierungs- und Rückführungsmaßnahmen der Mitgliedstaaten nutzt die Kommission nach eigenen Angaben bereits jetzt Katastrophenschutz-Kapazitäten und das Notfall-Koordinierungszentrum. Im Bereich der Migration gebe es eine genaue Trendbeobachtung sowie eine engere Zusammenarbeit mit den zuständigen Agenturen der Vereinten Nationen und Partnerländern, hieß es.

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