Politik

EU-Sanktionen gegen Russland: Teurere Fischstäbchen im Supermarkt drohen

Das geplante neue Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland könnte spürbare Auswirkungen auf den deutschen Lebensmittelmarkt haben. Durch drastische Importbeschränkungen für russischen Alaska-Seelachs stehen Hersteller von Tiefkühlgerichten vor Rohstoffengpässen, was zu Preiserhöhungen für Verbraucher führen dürfte.
15.06.2026 07:32
Lesezeit: 3 min

Strengere Importquoten für Alaska-Seelachs über zwei Jahre

Die anstehenden EU-Sanktionen gegen Moskau bergen erhebliche Risiken für die heimische Produktion und den Verkauf von Fischstäbchen, Schlemmerfilets sowie ähnlichen Tiefkühlprodukten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa beabsichtigt die EU-Kommission, die Importe von russischem Alaska-Seelachs in den europäischen Binnenmarkt innerhalb einer Zweijahresfrist um 50 Prozent zu drosseln. Da Alternativen auf dem globalen Markt knapp sind, rechnen Experten mit spürbaren Einschnitten bei der Herstellung und steigenden Kosten im Handel.

Der Entwurf sieht im Detail vor, die Einfuhrmengen unmittelbar nach dem Start des Sanktionspakets auf das Durchschnittsniveau der Jahre 2023 bis 2025 zu deckeln. In einer zweiten Phase nach Ablauf eines Jahres soll die erlaubte Importmenge auf 75 Prozent schrumpfen, bevor nach zwei Jahren die finale Reduzierung auf die Hälfte des ursprünglichen Wertes in Kraft tritt.

Sanktionen sollen Russland die Kriegsführung erschweren

Die Strafmaßnahme hat zum Ziel, die Einnahmen der Exportwirtschaft Russlands weiter zu reduzieren, um dem Land die Kriegsführung gegen die Ukraine zu erschweren. Zeitweise war auch ein komplettes Einfuhrverbot diskutiert worden. Diese Idee wurde allerdings wegen der Möglichkeit von erheblichen negativen Folgen für europäische Unternehmen und Bürger vorerst wieder verworfen.

Nach Angaben des Thünen-Instituts, das zum Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums zählt, ist Russland der viertgrößte Produzent von Meeresfisch weltweit und Deutschland in der EU der größte Abnehmer für Alaska-Seelachs-Filet aus Russland. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge wurden allein im vergangenen Jahr 93.500 Tonnen gefrorene Filets im Wert von rund 228 Millionen Euro in die Bundesrepublik importiert.

Von 2020 bis 2024 sei der Anteil Russlands an Alaska-Seelachsfilet-Importen von 15 auf 45 Prozent gestiegen, schreibt das Thünen-Institut in einem Dossier. In Deutschland stünden die größten Fischstäbchenfabriken der Welt.

Vollständiger Ausgleich nicht möglich

Das Institut warnt deswegen, dass die jetzt geplanten Maßnahmen erhebliche Auswirkungen auf das Angebot und die Preise der Produkte sowie auf die Arbeitsplätze in der deutschen fischverarbeitenden Industrie nach sich ziehen könnten. In dem Dossier des Bundesforschungsinstituts heißt es, in der Industrie gebe es Überlegungen, die Fehlmenge durch andere Fischarten auszugleichen - etwa durch Süßwasserfische aus Aquakultur wie den Pangasius. Ein vollständiger Ausgleich werde jedoch nicht möglich sein, weder nach Menge noch nach Darbietungsform oder Preis.

Alaska-Seelachs wird nach Angaben des Instituts vor allem im Golf von Alaska, dem Ochotskischen Meer zwischen Russland und Japan und in der Beringsee gefangen und dann auf den Verarbeitungsschiffen meist als Filet, aber auch als ausgenommener Fisch tiefgefroren.

Russischer Fisch könnte nach China gehen

Neben Russland produzieren nach Angaben des Thünen-Instituts nur die US-amerikanischen Fischereien vergleichbare Mengen. Diese seien jedoch durch langfristige Lieferverträge gebunden und könnten einen Ausfall russischer Lieferungen nicht substituieren, heißt es.

Das Institut erwartet zudem, dass der von der EU nicht mehr gekaufte Fisch aus russischen Quellen dann in andere Weltregionen geliefert wird, weil es jetzt schon mehr Nachfrage als Angebot für günstigen Alaska-Seelachs gibt. "In der Summe würde die deutsche Fischindustrie und damit auch die Versorgung des europäischen Marktes mit günstigen Fischprodukten unwiderruflich Schaden nehmen", heißt es in dem Dossier "Droht eine Fischstäbchenkrise?". Selbst nach einem Ende des Ukraine-Krieges würden Fischstäbchen dann aus Fernost kommen und nicht aus heimischer Produktion.

Deutsche Hersteller schweigen bislang

In Deutschland ansässige Produzenten wie Iglo oder Frosta äußerten sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht zu den geplanten EU-Sanktionen und den möglichen Folgen. Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums sagte, die Bundesregierung unterstütze Maßnahmen, die dazu beitragen, Russland die wirtschaftliche Basis zu entziehen, seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen. Das Ministerium prüft momentan gemeinsam mit den Wirtschaftsbeteiligten und der Wissenschaft die möglichen Auswirkungen des Vorschlags der EU-Kommission, die Einfuhr von russischem Fisch zu sanktionieren.

Das 21. Paket mit Russland-Sanktionen der EU soll nach Angaben von Diplomaten spätestens im Juli beschlossen werden und neben den Einfuhrbeschränkungen für Alaska-Seelachs unter anderem auch ein komplettes Importverbot für russischen Kabeljau ab 2028 umfassen.

Bereits in der Vergangenheit hat die EU etwa die Einfuhr von Öl und Gas aus Russland weitgehend eingeschränkt und Importverbote für Güter wie Zement, Holz, Diamanten und Gold erlassen.

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