Strategiewechsel: Von der Übernahmewelle zur lokalen Forschung
Die große Übernahmewelle ist vorbei; asiatische Unternehmen investieren nun in Forschung und Entwicklung sowie in neue Technologien, die sie an europäische Vorschriften und Kundenanforderungen anpassen.
In den letzten 15 Jahren hat die europäische Baumaschinenindustrie mehrere bedeutende Übernahmen durch asiatische Baumaschinenhersteller erlebt, vor allem durch chinesische, aber auch durch koreanische Konzerne. Diese Übernahmen waren Teil einer umfassenderen Strategie zum Erwerb europäischer Technologien, Marken, Vertriebsnetze und des Zugangs zu entwickelten Märkten.
Dadurch hat sich der europäische Markt für Baumaschinen stark verändert, berichtet das Portal Casnik Finance. Während früher europäische, amerikanische und japanische Marken dominierten, spielen heute auch chinesische und andere asiatische Hersteller eine immer wichtigere Rolle. Diese sind nicht mehr nur eine kostengünstige Alternative, sondern globale Akteure, die in Entwicklung, Elektrifizierung, Digitalisierung sowie den Ausbau ihrer Vertriebs- und Servicenetzwerke in Europa investieren.
Monika Štor von der Globex-Niederlassung in Slowenien hat uns die Entwicklungspolitik des chinesischen Unternehmens Sany in wenigen Sätzen erläutert. Jedes Jahr investieren sie zwischen 750 und 800 Millionen Euro in die Technologieentwicklung. In Europa errichten sie lokale Entwicklungszentren und Produktionsstätten, um die Maschinen an europäische Standards und die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Sie konzentrieren sich vor allem auf Elektrifizierung und autonome Baumaschinen, Batteriesysteme und die digitale Flottenverwaltung.
Bei Globex wird daher betont, dass chinesische Hersteller in den letzten Jahren ihre Strategie zur Expansion auf die europäischen Märkte geändert haben. Anstelle großer und risikoreicher Übernahmen konzentrieren sie sich zunehmend auf den Ausbau ihrer Forschungs- und Entwicklungszentren, die lokale Produktion und verschiedene Formen von Geschäftspartnerschaften.
Chronik der Deals: Wie sich China in Europa einkaufte
Eines der ersten größeren Geschäfte war die Übernahme des italienischen Unternehmens CIFA durch das chinesische Unternehmen Zoomlion im Jahr 2008. Der Wert der Transaktion belief sich auf rund 271 Millionen Euro. CIFA war einer der führenden europäischen Hersteller von Betonausrüstung und Kranen, und Zoomlion erlangte durch die Übernahme Zugang zu erstklassiger italienischer Technologie und einem starken weltweiten Vertriebsnetz.
Im Jahr 2012 folgte eine der aufsehenerregendsten chinesischen Übernahmen in der Branche, als Sany den deutschen Betonpumpenhersteller Putzmeister kaufte. Der geschätzte Wert der Transaktion belief sich auf rund 500 Millionen Euro, davon entfielen etwa 360 Millionen Euro auf den Kaufpreis für das Eigenkapital. Die Übernahme stellte einen bedeutenden symbolischen Durchbruch der chinesischen Industrie im Segment der hochanspruchsvollen deutschen Baumaschinen dar.
Im selben Jahr erwarb XCMG einen 52-prozentigen Anteil an dem deutschen Unternehmen Schwing, einem der größten Konkurrenten von Putzmeister im Bereich der Betonausrüstung. Obwohl der Wert der Übernahme nicht öffentlich bekannt gegeben wurde, war der Deal strategisch wichtig für die Expansion von XCMG auf dem europäischen und nordamerikanischen Markt.
Ebenfalls im Jahr 2012 übernahm LiuGong den polnischen Hersteller HSW und die Marke Dressta, die auf Planierraupen und schwere Bergbaumaschinen spezialisiert ist. Auch in diesem Fall wurde der Wert nicht öffentlich bekannt gegeben, doch die Übernahme verschaffte dem chinesischen Hersteller eine Produktionsbasis in Europa und Zugang zu spezialisiertem Know-how.
In den folgenden Jahren folgten weitere kleinere, aber technologisch bedeutende Übernahmen. Zoomlion kaufte 2018 den deutschen Turmdrehkranhersteller Wilbert TowerCranes GmbH, und Sinoboom erwarb 2025 die Marke und das geistige Eigentum des niederländischen Arbeitsbühnenherstellers Holland Lift. Die Kaufpreise dieser Transaktionen wurden nicht öffentlich bekannt gegeben.
Südkorea und der breitere Industriesektor ziehen nach
Neben chinesischen Unternehmen haben auch andere asiatische Konzerne bedeutende Übernahmen in der europäischen Industrie getätigt. Die größte davon war die Übernahme von Bobcat im Jahr 2007, als das südkoreanische Unternehmen Doosan Infracore die amerikanische Ingersoll Rand Compact Equipment Division, zu der Bobcat gehörte, für rund 4,9 Milliarden US-Dollar erwarb.
Obwohl Bobcat kein europäisches Unternehmen ist, verfügte es bereits damals über eine sehr starke Produktions- und Entwicklungspräsenz in Europa, vor allem in Belgien und in der Tschechischen Republik, weshalb die Transaktion auch erhebliche Auswirkungen auf den europäischen Markt für Baumaschinen hatte. In den Jahren 2021 und 2022 kam es dann zu einer Konsolidierung in Korea. HD Hyundai übernahm Doosan Infracore, das, wie bereits erwähnt, das amerikanische Unternehmen Bobcat übernommen hatte.
Ein bedeutendes Beispiel aus dem breiteren Industriesektor ist auch die Übernahme des norwegischen Motorenherstellers Bergen Engines im Jahr 2021 durch die russische Transmashholding Group über eine verbundene Struktur. Die Transaktion löste aufgrund der strategischen Bedeutung der Technologie und sicherheitsrelevanter Fragen erhebliche politische Debatten aus.
Im Bereich Automobil- und Industrietechnik hat die chinesische Weichai-Gruppe einen bedeutenden Anteil am deutschen Gabelstaplerhersteller Kion Group übernommen, zu dem die Marken Linde Material Handling und Still gehören. Der Wert der Investition belief sich auf rund 738 Millionen Euro. Erwähnenswert ist auch das Jahr 2016. Damals übernahm das japanische Unternehmen Yanmar den deutschen Hersteller Terex Compact Germany, wobei auch die Marke Schaeff in seinen Besitz überging.
Der Weg zum Premium-Status: Warum der Westen weicht
Der Hauptgrund für solche Übernahmen ist die Tatsache, dass chinesische Hersteller in den letzten zwei Jahrzehnten technologisch enorme Fortschritte gemacht haben. Allerdings hinkten sie lange Zeit bei Premium-Marken, einem globalen Servicenetzwerk und dem Vertrauen der Kunden in Europa und Nordamerika hinterher. Durch die Übernahme europäischer Unternehmen gelangten sie an Technologien, Zertifizierungen, Entwicklungsteams und Vertriebskanäle. Dies war einfacher, als alles selbst zu entwickeln. Besonders wichtig war der Erwerb von Know-how in den Bereichen Hydraulik, Motoren, Elektronik, Automatisierung, Sicherheit und Premium-Positionierung der Produkte.
Die europäische Industrie ist aufgrund hoher Energiekosten, teurerer Arbeitskräfte, Umweltauflagen und zyklischer Nachfragerückgänge im Baugewerbe anfälliger geworden. Zahlreiche europäische Hersteller suchten daher nach strategischen Partnern oder Kapital für ihre weitere Expansion. Chinesische Hersteller haben dabei einen großen Vorteil, da sie oft von heimischen Banken, staatlichen Institutionen oder einem großen heimischen Markt unterstützt werden, der sehr aggressive Investitionsstrategien ermöglicht.
In den kommenden Jahren ist mit einer weiteren Konsolidierung der Branche zu rechnen. Vor allem in den Segmenten Elektrifizierung, Batteriesysteme, autonome Arbeitsmaschinen und digitale Flottenverwaltung. Chinesische Hersteller sind heute nicht mehr nur in preisempfindlichen Segmenten vertreten, sondern dringen zunehmend auch in die Premiumklasse vor, wo sie direkt mit traditionellen europäischen Marken konkurrieren. Besonders stark wachsen Sany, XCMG, Zoomlion und LiuGong, die intensiv in europäische Entwicklungszentren, lokale Produktion und Vertriebsnetze investieren.
Wer ist in Europa derzeit unantastbar?
Aus diesem Grund tauchen immer häufiger Fragen auf, ob es in Zukunft auch zu Übernahmen der größten europäischen Hersteller wie Liebherr, JCB und Volvo Construction Equipment kommen könnte. Bei Globex ist man der Ansicht, dass Prognosen über mögliche Übernahmen führender europäischer Baumaschinenhersteller wie Liebherr, JCB und Volvo Construction Equipment in naher Zukunft nicht realistisch sind.
„Es handelt sich um strategisch wichtige Unternehmen, wobei Liebherr und JCB zudem familiengeführte Firmen sind, die traditionell eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Übernahmen aufweisen“, sagt Monika Štor und fügt hinzu, dass mögliche Übernahmen wahrscheinlich strengen regulatorischen Beschränkungen durch die europäischen Behörden unterliegen würden, die bestrebt sind, die wichtigsten Technologien, Arbeitsplätze und nationalen wirtschaftlichen Interessen zu schützen.
Liebherr ist ein Familienunternehmen mit sehr stabilen Eigentumsverhältnissen und einem geschätzten Marktanteil im Baumaschinensegment von 15 bis 20 Milliarden Euro. Auch JCB bleibt ein familiengeführtes britisches Unternehmen mit einem geschätzten Wert zwischen acht und 12 Milliarden Euro, was eine Übernahme politisch und finanziell sehr anspruchsvoll machen würde.
Ein anderer Fall ist Volvo Construction Equipment, das Teil der schwedischen Volvo Group ist. Die gesamte Volvo Group hat einen Marktwert von 45 bis 55 Milliarden Euro, während Analysten den Bereich Baumaschinen allein auf 10 bis 15 Milliarden Euro schätzen. Obwohl eine direkte Übernahme aufgrund der europäischen Regulierungsbehörden und der politischen Sensibilität unwahrscheinlich ist, ist mit einer Zunahme von Partnerships, gemeinsamen Entwicklungsprojekten oder teilweisen Kapitalbeteiligungen zwischen europäischen und asiatischen Herstellern zu rechnen.
Der Druck aus dem Osten bleibt hoch
Langfristig wird die europäische Baumaschinenindustrie höchstwahrscheinlich technologisch sehr stark bleiben, doch der Wettbewerb aus dem Osten wird immer aggressiver werden. Chinesische Unternehmen konkurrieren heute nicht mehr nur über den Preis, sondern auch über Qualität, Elektrifizierung, Digitalisierung und die Geschwindigkeit der Produktentwicklung.
Genau aus diesem Grund werden die europäischen Hersteller in Zukunft unter zunehmendem Druck stehen, ihren technologischen Vorsprung, ihre starken Marken und ihre spezialisierten Premium-Segmente zu bewahren, in denen sie nach wie vor einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil haben.

