Zwischen Liegestuhl und Strategie: Vier Wirtschaftsbuch-Empfehlungen für Sie
Der Urlaub macht etwas Eigentümliches mit dem Kopf von Führungskräften. Elf Monate lang wird jede freie Minute mit Forecasts, Calls und Quartalszahlen vollgeräumt, und dann liegt man auf einmal auf einer Sonnenliege irgendwo in einer Finca im Norden Mallorcas und der innere Antrieb sucht verzweifelt nach einer Aufgabe. Genau hier setzt die richtige Urlaubslektüre an.
Ein gutes Wirtschaftsbuch im Sommer fühlt sich nicht nach Arbeit an, sondern schmuggelt die Erkenntnis am entspannten Gehirn vorbei. Vier Wirtschaftsbuch-Empfehlungen der vergangenen Monate schaffen diesen Spagat. Sie funktionieren mit Sonnencreme an den Fingern ebenso wie am Schreibtisch im September.
"The Thinking Machine" von Stephen Witt: Der Thriller, der zufällig wahr ist
Wer glaubt, ein Buch über Halbleiter könne unmöglich ein Pageturner sein, hat „The Thinking Machine“ von Stephen Witt noch nicht gelesen (Campus Verlag, deutsche Ausgabe 2025). Die Biografie über Nvidia und seinen Gründer Jensen Huang wurde von der Financial Times und Schroders zum Wirtschaftsbuch des Jahres 2025 gekürt, und man versteht schnell, warum.
Witt hat für sein Porträt rund 200 Weggefährten interviewt und erzählt daraus die Geschichte einer Firma, die heute mehr wert ist als das Bruttoinlandsprodukt mancher Industrienation. Für die Liege ist das großes Kino, für den Betrieb steckt die eigentliche Pointe darin, wie Huang sein ganzes Unternehmen auf eine Idee setzte, an die damals gefühlt nur er selbst glaubte. Er wettete darauf, dass Grafikchips aus der Spielebranche einmal zur Rechenmaschine für KI würden.
Über Jahre investierte Huang mit Nvidia in eine Software-Plattform namens CUDA, für die es noch gar keinen Markt gab, während die Börse jeden Quartalsbericht mit Skepsis quittierte. Witt verschweigt den Preis dieser Sturheit nicht. Er beschreibt die cholerischen Ausbrüche Huangs ebenso wie dessen Verzicht auf die Familie, und er benennt die Momente, in denen der Held die Risiken seiner eigenen Technologie kleinredet. Wer das Buch zuklappt, denkt eine Weile über die eigene nächste große Entscheidung nach.
Tipp: Bei Thalia gibt es "The Thinking Machine" jetzt mit einem Rabatt von 25 Prozent!
"Wir, aber besser" von Gregor Schmalzried: Das KI-Buch ohne Kopfschmerzen
Irgendwann am Pool kommt das Thema garantiert auf, spätestens wenn der Tischnachbar erzählt, dass seine halbe Buchhaltung jetzt ein Chatbot macht. Für diesen Moment ist „Wir, aber besser“ von Gregor Schmalzried die ideale Vorbereitung (Goldmann Verlag, erschienen am 19. November 2025).
Der Host des erfolgreichen KI-Podcasts der ARD schreibt weder die Apokalypse an die Wand noch verkauft er Heilsversprechen. Stattdessen liefert er einen erfreulich nüchternen dritten Weg.
Seine Kernthese ist für jeden Mittelständler anschlussfähig. KI funktioniert als Denkverstärker, nicht als Denkersatz, und die Urteilskraft bleibt beim Menschen. Schmalzried zeigt an sieben praktischen Ideen, wie aus Spielerei echte Produktivität wird, ohne dass man dafür ein Informatikstudium braucht. Sein schönstes Bild beschreibt die KI als übermotivierten Praktikanten, der wahnsinnig schnell arbeitet und gelegentlich Unsinn erzählt. Wer danach in die Firma zurückkehrt, weiß, warum der Mensch in der Schleife bleiben muss.
"Daten sind Macht" von Katharina Schüller: Die Pflichtlektüre für danach
Nicht alles, was sich lohnt, liest sich wie ein Roman, und „Daten sind Macht“ von Katharina Schüller verlangt etwas mehr Aufmerksamkeit als das zweite Eis am Strand (Campus Verlag, erschienen am 16. Oktober 2025). Die Belohnung ist es wert. Die Statistik- und KI-Expertin nimmt sich genau jener Frage an, die im Urlaub leicht verdrängt wird und nach der Rückkehr umso dringlicher auf dem Tisch liegt: Wie entscheidet man verlässlich, wenn die Datenmenge explodiert und die KI fleißig eigene Zahlen erzeugt?
Schüller liefert dafür ein praxisnahes Werkzeug- und Kompetenzset und macht klar, dass es um Haltung geht und nicht nur um Technologie. Für Führungskräfte, die datengetriebene Entscheidungen verantworten, ist dieses Buch die nützlichste Reisebegleitung der vier, auch wenn sie sich am ehesten wie Arbeit anfühlt. Wer sie im Sommer schafft, startet im Herbst mit einem klaren Vorsprung in die Budgetrunde. Versprochen.
"Die nächste Stufe der Evolution" von Ray Kurzweil: Die große Wette fürs zweite Glas Rotwein
Zum Abend, wenn die Sonne tief über dem Mittelmeer steht und die großen Gedanken kommen, passt Ray Kurzweil mit „Die nächste Stufe der Evolution“. Das Buch ist zwar schon im November 2024 erschienen (Piper Verlag, Originaltitel „The Singularity is Nearer“), bleibt aber der ehrgeizigste Blick nach vorn, den dieser Bücherjahrgang zu bieten hat. Der frühere Google-Entwicklungschef hält an seiner These der technologischen Singularität fest und datiert sie erfrischend konkret.
Man muss Kurzweils Optimismus nicht teilen, im Gegenteil, der Widerspruch beim Lesen gehört zum Vergnügen. Sein Nutzwert für Entscheider liegt im Zwang, das eigene Geschäftsmodell einmal gegen einen Zeitstrahl exponentiell wachsender Rechenleistung zu halten. Immerhin sind nach eigener Zählung 86 Prozent seiner Vorhersagen seit den Neunzigern eingetroffen. Das macht die Auseinandersetzung lohnender als jeden Pool-Smalltalk über die nächste Quartalsprognose.
Wirtschaftsbuch-Empfehlungen? Legen Sie jetzt das Tablet weg
Die vier Titel decken unterschiedliche Stimmungen ab und passen alle aufs Tablet im Ferienhaus, ohne dass der Urlaub mit der Familie zur Fortbildung gerät. Wenn am Ende eine einzige Idee hängenbleibt, die im September bares Geld bringt oder unnötigen Ärger verhindert, hat sich der Liegestuhl mit unseren Wirtschaftsbuch-Empfehlungen schon gerechnet.
Und wenn vom Pool her zum dritten Mal nach Ihnen gerufen wird, klappen Sie das Tablet eben zu. Die beste Wette des Sommers ist ohnehin die auf ein paar entspannte Tage mit den Menschen, die das ganze Jahr zu kurz kommen. Schönen Sommer.

