Wirtschaft

Krise am Bau: Wohnungsmarkt steckt fest – Bauindustrie warnt vor Investitionsstau

Die deutsche Bauwirtschaft steckt weiterhin tief in der Krise. Der Wohnungsbau schwächelt, Neubauten stagnieren – und aus Sicht der Branche ist der Bund als wichtiger Auftraggeber derzeit weitgehend ausgefallen. Die Branche fordert schnelle politische Entscheidungen, um eine weitere Verschärfung der Baukrise zu verhindern.
20.05.2025 15:12
Lesezeit: 2 min

Wohnungsbau in der Dauerkrise – Hoffnung auf Trendwende?

2024 war für viele Bauunternehmen bereits das vierte Jahr in Folge mit rückläufigen Umsätzen. Besonders betroffen: der Wohnungsneubau. Hier sank der preisbereinigte Umsatz zuletzt um 7 Prozent. Hauptgründe sind die stark gestiegenen Baukosten, hohe Finanzierungshürden für private Investoren sowie fehlende staatliche Anreize.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Das Volumen neu vergebener Wohnungsbaukredite stieg 2024 um 23 Prozent und setzte sich auch Anfang 2025 aufwärts fort. Das könnte darauf hindeuten, dass die tiefste Phase der Wohnungsbaukrise durchschritten ist – von einer echten Erholung will in der Branche aber noch niemand sprechen.

Für das laufende Jahr rechnet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie im Wohnungsbau weiterhin mit einem realen Umsatzrückgang von vier Prozent. Insgesamt wird ein Minus von einem Prozent für das gesamte Bauhauptgewerbe erwartet.

Haushaltschaos bremst Bauinvestitionen

Besonders kritisch sieht die Bauindustrie die aktuelle vorläufige Haushaltsführung des Bundes. Sollte der Bundeshaushalt für 2025 nicht vor der Sommerpause verabschiedet werden, droht nach Einschätzung des Branchenverbands ein komplettes Ausbleiben von Bundesinvestitionen für ein ganzes Jahr.

„Ohne verbindlichen Haushalt bleibt der Bund als Bauherr auf der Strecke – das ist Gift für die gesamte Branche“, warnte Verbandspräsident Peter Hübner. Die Stagnation im öffentlichen Bau mit null Prozent Wachstum könnte sich dadurch noch verschärfen.

Baustellen bleiben – Projekte fehlen

Nicht nur Wohnungsbauprojekte sind betroffen – auch im Infrastrukturbereich stockt es. Im Autobahnbau sei seit neun Monaten kein neues Projekt ausgeschrieben worden, kritisiert der Verband. Die Folge: Bestehende Baustellen dauern unnötig lange, neue Investitionen in Infrastruktur bleiben aus. Die Autobahn GmbH warnt, dass ohne zusätzliche Mittel bald keine neuen Bauprojekte mehr starten können.

Branche mit freien Kapazitäten – Politik am Zug

Trotz der schwierigen Lage zeigt sich die Bauindustrie handlungsbereit. Laut einer Branchenumfrage erwarten zwar 31 Prozent der Unternehmen im Jahr 2025 einen weiteren Umsatzrückgang, doch 60 Prozent planen, ihr Personal zu halten. Die Auslastung liegt derzeit bei lediglich 70 Prozent – viele Unternehmen könnten sofort mehr leisten, wenn neue Aufträge kämen.

Am Tag der Bauindustrie will die Branche ihre Forderungen direkt an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) richten. Die zentrale Botschaft: Deutschland braucht mehr Investitionen – besonders im Wohnungsbau. Ohne staatliche Impulse drohen weiter steigende Mieten, ein wachsender Wohnraummangel und eine zunehmende soziale Schieflage.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: AMD-Aktien steigen kräftig, während Tech-Sektor Wall Street beflügelt
06.07.2026

Ein spektakulärer Wochenauftakt an den US-Märkten sorgt für Aufsehen – erfahren Sie, welche Entwicklungen die Kurse jetzt antreiben.

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
06.07.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhungen 2027: Steuer auf Spirituosen steigt um 20 Prozent - Zuckersteuer kommt auch
06.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. "Was krank macht, wird teurer" - Finanzminister...

DWN
Politik
Politik Haushalt 2027: Klingbeil plant 200 Milliarden Euro neue Schulden für Deutschland
06.07.2026

Mehr Milliarden vor allem für Verteidigung, höhere Schulden - das prägt den Haushaltsentwurf von Finanzminister Klingbeil für...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Inflation: Warum der KI-Boom Ihr Erspartes entwerten könnte
06.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Wirtschaft produktiver machen, Prozesse beschleunigen und Wohlstand schaffen. Doch bevor dieser Effekt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische ChatGPT-Alternative: Warum ein 79-jähriger Unternehmer Big Tech herausfordert
06.07.2026

Ein dänischer Unternehmer und ein selbst ernannter KI-Guru wollen zeigen, dass Europa nicht länger auf amerikanische Tech-Giganten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Billiganbieter: Temu, Shein und Co. steigern Marktanteil auf Rekordwert
06.07.2026

Die Verbraucher in Deutschland geben online immer mehr Geld bei Shoppingplattformen wie Temu oder Shein aus. Während die asiatischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau bei Porsche: Konzern streicht weitere 4.000 Jobs
06.07.2026

Wegen der Absatzkrise fallen beim Sportwagenhersteller Porsche bereits mehr als 4.000 Stellen weg. Diese Zahl könnte einem Bericht zufolge...